Eschweiler: Chakalakah mit Musik im Afrika-Dorf

Eschweiler: Chakalakah mit Musik im Afrika-Dorf

Schon bei der Eröffnung am Freitag war klar: Das zweite Mal ist nicht das letzte Mal. Das Afrika-Festival Eschweiler soll sich in der Region etablieren. In ein paar Jahren, so sieht es Eschweilers Kulturmanager Max Krieger voraus, werde es aus Eschweiler so wenig wegzudenken sein wie das Musikfestival EMF.

Wie vor einem Jahr wurde der Drieschplatz am Wochenende zu einem afrikanischen Dorfplatz. Stände von fast 40 Ausstellern gehörten zu diesem Dorf, deutlich mehr als im Vorjahr. Das Bühnenprogramm bot Weltmusik: Modernes und Traditionelles aus Afrika, viel Reggae und andere mitreißende lateinamerikanische Musik. Die Zahl der Besucher, am Eröffnungstag noch gering, nahm im Lauf des Wochenendes zu. Besonders abends war dann Partystimmung, bei mitreißender Musik.

Drei Tage lang strahlender Sonnenschein - der war „bestimmt direkt in Afrika bestellt”, versicherte Festival-Gründer Terence Bongwa Seydou. Der in Langerwehe wohnende 1. Vorsitzende des bundesweit tätigen Vereins Cameroon Multicultural Association (CMA) dankte den Ausstellern für ihr Vertrauen und betonte den völkerverbindenden Charakter des Festes.

Auf den kam auch Bürgermeister Rudi Bertram zu sprechen: „Unsere Gesellschaft ist sehr viel bunter geworden, und gerade in Eschweiler haben wir viele Leute, die dieses Bild prägen. Man sollte voneinander lernen, man sollte aufeinander zugehen, man sollte mehr wissen voneinander, und das kann man bei solchen Festen am Besten.”

Ein Paradies für Kinder

An das große Vorbild Tübingen, wo alljährlich tausende Besucher zum Afrika-Festival strömen, kommt Eschweiler natürlich nicht heran, gibt Kulturmanager Max Krieger zu. Aber „das Pflänzchen wächst”, in ein paar Jahren werde es in der Region verwurzelt sein, da ist er sich sicher.

Wer am Wochenende das Festival besuchte, tat gut daran, viel Zeit mitzubringen. Nicht nur, weil die Auftrittszeiten von angekündigten Bands manchmal eher als unverbindliche Hinweise zu verstehen waren - die hinreißende Tanzgruppe Bansoh Jujuh aus Belgien kam gar mit anderthalb Stunden Verspätung, sie hatte sich verfahren - sondern vor allem, weil die wunderbar gelassene Sommer-Sonnen-Wochendstimmung dieses Festivals sich nur dem wirklich mitteilte, der mit Muße und ohne hektischen Blick auf die Uhr es sich einfach gut gehen ließ.

Das konnte man beim Bummel durch die beiden „Dorfgassen” mit den vielen Verkaufsständen, das konnte man beim Musikhören und Mittanzen bei den Auftritten der Bands, das konnte man bei den Mitmachprogrammen wie einem Trommel-Workshop, und das ging natürlich auch wunderbar, wenn man es sich auf den Bänken vor den Imbisssständen gemütlich macht, bei - je nach Geschmack - Bier, Bratwurst und Fritten oder bei afrikanischen Spezialitäten wie Chakalaka, gebratenen Bananen, Puff-Puff-Bällchen, Falafel, Couscous oder Speisen wie Koschari, Maschabi und Machluta. Wer sich durchprobieren wollte, tat gut daran, eine Dauerkarte für das ganze dreitägige Afrikafestival zu kaufen.

Besonders für Kinder war das Festival ein Paradies. „Die Zukunft Afrikas liegt in den Händen der Kinder”, sagte Organisator Terence Bongwa Seydou, und diese Wertschätzung sollen Kinder auch spüren. Eine der Attraktionen für Kinder, wenn auch nicht kostenlos wie die Angebote zum Malen, Trommeln und Tanzen, war das Kamelreiten. Eine Kamelfarm aus Issum am Niederrhein war mit zwei Dromedaren und einem Trampeltier, also einem zweihöckrigen Kamel, nach Eschweiler gekommen.

Vielfältig und bunt war das Angebot der Verkaufsstände im afrikanischen Dorf. Keramiken und Minztee aus Marokko gab es dort, CDs und Musikvideos aus allen Teilen des Kontinents, geschnitzte Masken und und Figuren aus Zentralafrika, bunte Taschen, Trommeln in allen Größe, Ratschen, Rasseln, Flöten und viele andere Musikinstrumente, geflochtene Fächer aus Ghana, farbenfroher Kleider, Röcke, Jacken und Tücher, Schalen voller Modeschmuck und bunten Perlen, geschnitzte Stühle mit afrikanischen Motiven, Öle, Gewürze und Tees, aus Sand gestaltete Bilder - immer Neues gab es zu entdecken.

Feierlich und fröhlich zugleich war der Welt-Gottesdienst am Sonntag. „Glaube verbindet die Menschen über alle Grenzen hinweg”, versicherte Terence Bongwa Seydou. Ohne Musik ist ein solcher afrikanischer Gottesdienst kaum denkbar.

Musik lag über der ganzen Veranstaltung. Das Bühnenprogramm war der Kernpunkt des Afrikafestivals, und es gab wie im vorigen Jahr hinreißende Gruppen und Interpreten. Da ist vor allem die Sängerin und Tänzerin Sirikaesh zu nennen, ein Multitalent. Sie ist auch Modedesignerin und bot am Sonntag eine Modenschau mit eigenen Entwürfen.

Einer der musikalischen Höhepunkte des Festivals war die Münchener Gruppe „Palo Santo”. Die Musiker stammen aus Chile, Venezuela, Ecuador, Kolumbien, Argentinien und Deutschland. Ihre Mischung aus latein- und südamerikanischen Rhythmen ist eine mitreißende Gute-Laune-Musik und elektrisiert geradezu - schon bei den ersten Tönen wurde vor der Bühne getanzt.

Reggaemusik bot die Gruppe „Superjam”, die aus der Pfalz kommt. Wunderbar arrangierte Reggae-Klassiker und auch eigene deutsch gesungene Stück hat die Band in ihrem Programm. Während ihres Auftritts am Samstagabend gab es zeitgleich eine Feuershow von „Magia della Luce”. Das klingt italienisch, aber die beiden mit brennenden Stäben und Seilen jonglierenden Feuer-Akrobaten Andreas und Marija kommen aus Stolberg und sind vor drei Jahren „vom Feuervirus erfasst” worden. Für ihren zirkusreifen Auftritt gab es rauschenden Applaus.

Das Afrika-Festival, da war sich Schirmherr Rudi Bertram schon vor dem Start am Freitag sicher, ist eine Bereicherung für das kulturelle Leben in Eschweiler und „ein weiterer Baustein auf unserem gemeinsamen Weg, Menschen und Kulturen füreinander zu interessieren.” Auf diesem Festival, so der Bürgermeister, „kommen offene, heitere und positiv neugierige Menschen zusammen, um gemeinsam Musik, Tanz, kulinarische Vielfalt und vieles mehr zu genießen”. Und vor allem, um viel Spaß zu haben.

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