Cat Ballou in Weisweiler: Ausrichter spricht von "Zwickmühle"

Cat Ballou sorgt für Diskussionsstoff : Ausrichter Ralf Hesselmann spricht von einer „Zwickmühle“

Dass Sitzungskarneval immer wieder politisch und gesellschaftskritisch gestaltet wird, ist nicht neu. Dass politischer Protest aus Zuschauerreihen kommt, ist allerdings nicht üblich. Aus diesem Grund hat eine Herrensitzung in Eschweiler-Weisweiler am vergangenen Freitag für besonderes Aufsehen gesorgt, als sich dort RWE-nahe Besucher für Braunkohle stark machten.

Die Kölner Band Cat Ballou wurde bei ihrem Auftritt ausgepfiffen, offenbar wegen ihres Engagements am Hambacher Forst. Der ausrichtende Verein KG Lätitia Blaue Funken Weisweiler bedauert den Vorfall, spricht aber davon, dass zu keiner Zeit eine Eskalation gedroht habe.

Was war passiert? Cat Ballou kam ausgerechnet in den Eschweiler Stadtteil, der das Kraftwerk beheimatet, RWE-Kernland sozusagen. Im Oktober allerdings hatten die vier Künstler nicht weit von Weisweiler entfernt ein Konzert gegeben: bei der Großdemonstration der Braunkohlegegner am Hambacher Forst mit rund 50.000 Besuchern. Dieser Auftritt veranlasste einige RWE-Befürworter am Freitag zu Protestaktionen, die teilweise von Augenzeugen als „Eklat“ bezeichnet wurden.

Ralf Hesselmann, Präsident der ausrichtenden KG, wollte den Vorfall nicht überbewerten. „Da wird etwas aufgebauscht, was gar nicht so groß war“, sagt er. Einige Herren von RWE hätten in ruhiger Weise den Saal verlassen, andere seien auf ihren Plätzen geblieben und hätten Transparente hochgehalten. Darauf stand: „Wir sind RWE!“ Beim Auftritt der Band sei es nicht zu Zwischenfällen gekommen, berichtet Hesselmann. Ein Augenzeuge hingegen schildert minutenlange Pfeifkonzerte im Saal. Nach dem ersten offiziellen Set habe es laut Hesselmann zusätzlich zu den „Zugabe“-Rufen auch „Aufhören“-Rufe gegeben. „Ich habe die von oben ungefähr in gleicher Lautstärke vernommen“, erzählt Hesselmann.

Ein Video, das in sozialen Netzwerken kursiert, zeigt besagte Situation vor der Zugabe. Darauf ist zu hören, wie von einigen Besuchern lautsark „Aufhören“ gebrüllt wird. Die Band auf der Bühne lässt sich davon jedoch nicht beirren und spielt das nächste Lied an. Hesselmann behauptet: „Dieser Film ist direkt vom Standpunkt der Rufenden aus entstanden, weshalb sie so laut zu hören sind. Mir liegen zwei andere Videos der selben Situation vor, auf denen die Rufe kaum zu hören sind.“ Grundsätzlich sei die Situation zu keinem Zeitpunkt eskaliert.

Dass es zu Protesten kommen könnte, darüber war der Vorstand im Vorfeld informiert worden. Den Auftritt der Band abzusagen, sei aber nicht infrage gekommen. Verträge würden etwa anderthalb Jahre im Voraus gemacht, einen Programmpunkt absagen oder ersatzlos streichen könne man nicht so einfach. „Wir haben keine Gefahr in dem Auftritt gesehen, karnevalistisch kann man der Band nichts vorwerfen“, sagt Hesselmann. So oder so habe man sich aber in einer Zwickmühle befunden.

Auf eine Seite schlagen wollte er sich nicht, auch im  Verein verhalte man sich neutral. „Ich habe Verständnis dafür, wenn jemand Angst um seinen Arbeitsplatz hat, aber auch für die Leute, die vier Stunden dem Alltag entfliehen und einfach nur Spaß haben möchten“, erklärt er. Grundsätzlich sei die Protestaktion aber völlig in Ordnung, „wir haben in Deutschland freie Meinungsäußerung“.

Keine Stellungnahme

Die Band selbst war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Über ihr Management hatten sie nur verkünden lassen, dass sie demonstriert und für ein friedliches Miteinander auf Augenhöhe und einen Dialog auf sachlicher Basis aufgerufen hatten. Explizit zum Vorfall in Weisweiler sagten die Musiker nichts. Hesselmann kann sich vorstellen, dass die Situation schwierig ist, „aber wenn sie so Stellung beziehen, was sie im Moment des Konzertes im Hambacher Forst getan haben, dann müssen sie mit Konsequenzen rechnen“.

In der laufenden Karnevalssession sind keine weiteren Auftritte der Kölner Band in Eschweiler geplant. Das dürfte vor allem den Präsidenten des Eschweiler Karnevalskomitees, Norbert Weiland, beruhigen. Er ist der Meinung, dass Karneval und Politik getrennt werden sollten. „Wir sind nicht wie die Mainzer, die die Politiker durch den Kakao ziehen“, sagt er. Im Hinblick auf den Vorfall in Weisweiler hält Weiland sich neutral: „Einige haben ihre Meinung kundgetan, ob es das Richtige ist, weiß ich nicht, ich verurteile das aber auch nicht.“ Er ist allerdings davon überzeugt, dass „die Situation auch ganz schnell hätte eskalieren können – gerade bei diesem Reizthema“.

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