Eschweiler: Caritas plant: Lederfabrik soll modernem Firmensitz weichen

Eschweiler: Caritas plant: Lederfabrik soll modernem Firmensitz weichen

Die Haltestelle an der Aachener Straße trägt noch ihren Namen: Lederfabrik. Allerdings wird an der Inde schon lange kein Leder mehr gegerbt. Seit Jahrzehnten ist in dem Gebäude, das im Jahr 1914 errichtet wurde, das Caritas-Behindertenwerk beheimatet. Bald wird auch davon nichts mehr übrig bleiben.

Das Bauwerk soll in mehreren Schritten abgerissen werden. Für vier Millionen Euro errichtet die Caritas-Behindertenwerk-GmbH (CBW) dort einen modernen Firmensitz, in den nächsten Monaten soll der Bauantrag gestellt werden.

Schon bei seiner ersten Bestandsaufnahme kam der Geschäftsführer Michael Doersch zu der Erkenntnis, dass die ehemalige Lederfabrik mit fünf Geschossen nicht den aktuellen Anforderungen an eine behindertengerechte Produktionsstätte erfüllt. Gutachter bestätigten diese Sicht. Eine erste Schätzung ergab: Mindestens 2,5 Millionen Euro müsste man investieren, um Gebäude einigermaßen in Schuss zu bringen. „Im Kern bliebe es aber 100 Jahre alt“, berichtet Doersch. Als im Jahr 2012 14 Menschen bei einem Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt ums Leben kamen, wurde man bestätigt, neben dem wirtschaftlichen Aspekt auch die Sicherheit in den Vordergrund zu rücken. „Wir entschlossen uns auch aus diesem Grund zu einer ebenerdigen Bauweise“, sagt er.

An den letzten Details für den Neubau wird noch gefeilt. Fest steht, dass die gesamte ehemalige Lederfabrik dem Erdboden gleichgemacht wird. Das Material soll größtenteils als Füllmasse vor Ort geschreddert werden, denn das Richtung Inde stark abschüssige Gelände soll etwas gehoben werden. Lediglich die asbesthaltige Verkleidung muss entsorgt werden. Die beiden Bauten an der Aachener Straße hingegen bleiben bestehen. Der heilpädagogische Bereich links vom Eingang wird nicht verändert. Im dreigeschossigen rechten Gebäude aus dem Jahr 2003 ziehen die Verwaltung, Buchhaltung, Controlling und der Einkauf mit 22 Mitarbeitern ein. „Die oberen Etagen sollen nach Möglichkeit den Mitarbeitern ohne Behinderung vorbehalten sein“, betont Doersch.

Der Abriss und Neubau sollen im laufenden Firmenbetrieb gelingen. Deswegen sind mehrere Bauabschnitte und Umzüge vorgesehen. „Es lässt sich wahrscheinlich nicht vermeiden, dass die ein oder andere Gruppe übergangsweise in Weisweiler untergebracht wird“, bittet der Geschäftsführer schon jetzt um Verständnis. Geplant ist, im kommenden Jahr die neue Wäscherei zu bauen. Das eigentliche Gebäude der Lederfabrik soll dann in 2018 ein Fall für die Abrissbirne sein.

Welche Wirkung ein ebenerdiger Neubau auf die Beschäftigen mit Behinderung ausübt, erfuhr die Behindertenwerk-Leitung in Würselen. Der dortige Neubau wurde vor drei Jahren in Betrieb genommen. „Der Wohlfühlfaktor ist nicht zu unterschätzen“, sagt Doersch. Nach ähnlichen Kriterien soll auch das Eschweiler Architekten-Team die neue Produktionsstätte an der Aachener Straße planen.

Und noch eine gute Nachricht hält Michael Doersch für die Beschäftigten der CBW bereit: Dank des guten Geschäftsergebnisses im vergangenen Jahr können sie eine Gewinnbeteiligung erwarten, deren Höhe noch nach der Wirtschaftsprüfung festgelegt wird. Eine erste Zahlung erhielten die etwa 1200 Beschäftigten bereits im vergangenen November. Dass die Entwicklung an der Aachener Straße positiv verlief, lag an mehreren Faktoren: Zum einen trennte sich das Unternehmen von einem wenig lukrativen Bereich, zum anderen gelang es, einen wichtigen Auftrag in der Medizintechnik an Land zu ziehen.

Dort sieht die Geschäftsführung weiteres Wachstumspotenzial, denn Menschen mit Behinderung können nicht jeder Arbeit nachgehen. „Wo viele Hände einfache Dinge erledigen müssen, da passt der Auftrag zu unserem Angebot“, teilt Doersch mit. Das gute Geschäftsjahr machte auch möglich, den Neubau an der Aachener Straße voranzutreiben. Dort soll auch nach den Bauarbeiten die Medizintechnik, der Bäckerei-Service, die Garten und Landschaftspflege, die Wäscherei sowie die Montage und Verpackung untergebracht sein.

Umzug im Jahr 2019

Bis die Bagger schließlich Ende des Jahres anrollen, muss noch viel Detailarbeit geleistet werden. Der Bauantrag soll vor den Sommerferien gestellt werden. Läuft alles nach Plan, dann ziehen in 2019 die 280 Menschen mit Behinderung sowie 50 Angestellten der CBW an der Aachener Straße in die neuen Produktionsstätten.