Eschweiler: Bye bye, Biene? Insekten stecken in der Krise

Eschweiler: Bye bye, Biene? Insekten stecken in der Krise

In den vergangenen Wochen ist es leer geworden im Bienenstock. Das Summen ist größtenteils verstummt. Der Stock steht verwaist. Was mit den Bienen passiert ist, die nicht mehr in ihr Zuhause zurückgekehrt sind, darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. Eine Horror-Vorstellung für jeden Imker.

Albert Engels und seine fünf Bienenvölker haben bislang Glück gehabt. Der Vorsitzende des Eschweiler Bienenzüchtervereins, der in Spitzenzeiten Herr über 200.000 Bienen ist, kennt solche Geschichten nur von befreundeten Imkern. Trotzdem sagt Engels: „Das Thema Bienensterben ist nichts, was durch die Medien künstlich aufgeblasen wird. Das Problem besteht wirklich.“

Sorgt sich um das Überleben der Bienen: Imker Albert Engels. Zu den natürlichen Feinden kommen auch Pestizide.

Viele Feinde

Eine gewisse Anzahl an Verlusten bei den Bienen sei vollkommen natürlich, sagt Engels. Doch in den vergangenen Jahren sieht der 64-Jährige das Überleben der hilfreichen Insekten zunehmend bedroht. Engels weiß: Bienen haben viele Feinde und ein in Panik geratener und um sich schlagender Mensch zählt da noch zum kleinsten Übel.

Ein viel größeres Übel: die aus Asien stammende und mittlerweile auch in deutschen Bienenstöcken beheimatete Varroamilbe. Indische Forscher brachten den Parasiten vor rund 40 Jahren nach Europa. Den Schädling zu bekämpfen, ohne den Honig in Mitleidenschaft zu ziehen, ist unmöglich.

„Nach der Honigernte im Sommer behandeln wir die Bienenvölker mit Ameisensäure, im Winter dann mit Oxalsäure“, sagt die Eschweiler Imkerin Doris Brinker. Ein Patentrezept gegen den blutsaugenden Schädling gibt es allerdings nicht. Sind die Temperaturen im Sommer nicht hoch genug, verdampft die Säure nicht ausreichend und zu viele der Milben-Eier überleben.

„Immerhin kann man den Befall mit der Varroamilbe feststellen und dann etwas dagegen unternehmen“, sagt Imkerin Brinker. Viel gefährlicher findet die 49-Jährige die Belastung der Bienen mit Neonicotinoiden. Diese Insektizide wirken als Nervengifte und sind in Deutschland als Pflanzenschutzmittel zugelassen. „Bienen nehmen diese Mittel in geringen Dosen auf und werden dadurch anfälliger für Erreger“, weiß Doris Brinker. Zudem wird vermutet, dass die Bienen durch das Nervengift ihren Orientierungssinn verlieren und nicht mehr in ihren Stock zurückfinden. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Pestiziden und dem massenhaften Sterben der Bienen nicht unumstritten.

Würde also ein Verbot dieser Neonicotinoide das Bienensterben überhaupt stoppen? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert so ein Verbot, das beispielsweise in Frankreich bereits umgesetzt ist. Mit dem Bericht „Bye bye Biene?“ sorgte Greenpeace kürzlich für Aufsehen: Weltweit seien bereits bis zu 30 Prozent der Bienen gestorben, heißt es darin.

Diese Zahlen wollen die Eschweiler Imker nicht kommentieren. Die Greenpeace-Forderung nach einem Verbot der Neonicotinoide unterstützen sie jedoch. Engels: „Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft ist über die Jahre enorm angestiegen und das kann für unsere Bienen nicht gut sein.“

Manchmal würden verschiedene Pestizide miteinander gemischt, die einzeln den Bienen nichts anhaben könnten, in der Kombination aber hochgefährlich seien. Albert Engels und seine Imkerkollegen haben zwar durchaus Verständnis für die Landwirte, die ebenfalls unter „hohem Druck“ und „Zugzwang“ stehen würden, fordern aber gleichzeitig Rücksichtsnahme. „Die Bienen bewegen sich in einem Radius bis zu drei Kilometern um ihren Stock und es wäre beispielsweise nett, wenn die Landwirte erst nach Beendigung des Bienenflugs spritzen würden“, bittet Doris Brinker um Verständnis bei den Eschweiler Landwirten.

Wichtiger Faktor

Denn die Bienen produzieren nicht nur fleißig Honig, sondern sind auch ein wichtiger Faktor für die Landwirtschaft: „Ohne die Bestäubungsleistung der Biene würde die Ernte um 80 Prozent geringer ausfallen“, sagt der Eschweiler Imker Wilhelm-Hubert Vonderstein und nennt gleich noch eine andere Zahl: „Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bienen übersteigt den Wert des Honigs um das Zehn- bis Fünfzehnfache“, betont Vonderstein. „Bienen sind also für unsere Volkswirtschaft auch durchaus wichtig.“