Eschweiler/Stolberg: Bundesweites Nottelefon „Gewalt gegen Frauen“

Eschweiler/Stolberg: Bundesweites Nottelefon „Gewalt gegen Frauen“

Obwohl es bereits zahlreiche Beratungs- und Hilfsangebote flächendeckend gibt, nehmen nur rund 20 Prozent der betroffenen Frauen diese Hilfe an. Daher ist nun zusätzlich zur schnellen Hilfe bei „Gewalt gegen Frauen“ bundesweit ein Hilfetelefon eingerichtet worden.

Gewaltanwendung jeglicher Art gegen Frauen ist nach wie vor ein brisantes Thema und muss daher immer wieder eine breite Öffentlichkeit erfahren. So haben die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Susanne Goldmann und der Stolberger Arbeitskreis „Gegen häusliche Gewalt“, die Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft feministischer Organisationen gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen (BAG FORSA e.V), Eva-Maria Nicolai aus Berlin, zu diesem Thema eingeladen.

Aus Sicht vieler Betroffenen wird dieses Thema meist tabuisiert. „Oft fühlen sich die Opfer schuldig und schämen sich, offen mit diesem Problem umzugehen und sich jemandem anzuvertrauen. Wenn nichts mehr hilft, entsteht extreme Hilfslosigkeit“, stellt Nicolai fest. Daher biete das bundesweit angelegte Hilfstelefon für Frauen, die in Not geraten sind, eine schnelle, kostenlose und unkomplizierte Hilfe an. Unter anderem war die Hilfsorganisation „Soliwodi“, die sich vor allem der Opfer von Menschenhandel verschrieben hat, vertreten. Auch die Fachstelle Aachen „Gegen häusliche Gewalt“, die „Fachstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen“ und die „Diakonie Alsdorf“, sowie der „Frauennotruf Aachen“ waren vertreten.

Gewaltanwendungen gegen Frauen ist nach wie vor ein brisantes Thema. Deshalb freut es die Gleichstellungsbeauftragte Stolbergs, Susanne Goldmann, dass es das neue Angebot des Hilfstelefons gibt. Foto: Gabriele Halili

Else Becker vom sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes der Städteregion Aachen stellte fest, dass die Zahl der professionellen Hilfsangebote gestiegen sei und damit auch das Bewusstsein für diese Thematik wachse. „Unabhängig vom Bildungsstand ist heute eine emotionale Abhängigkeit in der Partnerschaft festzustellen. Früher hingegen wurde die soziale und moralische Abhängigkeit gelebt“, sagte Becker. Große Emotionen spielten demnach bei Partnerschaftskonflikten immer eine große Rolle. Ganz gleich, ob es sich nun um häusliche Gewalt, Stalking, Cybermobbing, sexuelle Belästigungen oder Übergriffe handele: Mit dem nun bundesweit gestarteten Hilfetelefon sei eine Unterstützung für die Betroffenen eingerichtet worden. Allerdings müsse die Kooperation und die Vernetzung der zuständigen Fachstellen und Organisationen noch optimiert werden. Hierbei handle es sich um ein groß ambitioniertes Gesamtkonzept, das noch weiter ausgebaut werden könne. Diese Ansicht teilten alle Anwesenden.

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