Eschweiler: Bürgermeister begrüßt Neu-Eschweiler bei Einbürgerungsfeier

Eschweiler: Bürgermeister begrüßt Neu-Eschweiler bei Einbürgerungsfeier

Ein besonderer Tag, das soll er sein — der Tag, an dem die deutsche Staatsbürgerschaft erworben wird. Seit November 2015 bürgerte die Stadt Eschweiler 141 Menschen aus 40 Nationen ein und möchte mehr, als bloß den deutschen Pass in der Verwaltung auszuhändigen.

Aus diesem Grunde lädt das Amt für Soziales, Senioren und Integration — und das seit nunmehr einem Jahrzehnt — zur besonderen Einbürgerungsfeier in den Ratssaal.

Missi (links) antwortete bei der Talkrunde auf die Fragen von Jürgen Rombach (rechts), Amtsleiter für Soziales, Senioren und Integration.

Bunt und vielfältig, die Wahl seines Outfits konnte in gewisser Weise als Statement verstanden werden — für Vielfalt und Multikulturalität. Jürgen Rombach, Leiter des städtischen Amts für Soziales, Senioren und Integration zeigte sich farbenfroh und begrüßte zu Beginn die Erschienenen, darunter die Eingebürgerten, sowie auch Vertreter aus Politik und Verwaltung.

Menschen aus 114 Nationen

Musikalischer Rahmen des Abends war das Duo Daniela Bosenius und Julia Diedrichs. Bosenius genoss aus einer musizierenden Familie stammend eine musikalische Ausbildung, ehe sie vor über zehn Jahren als freischaffende Sopranistin die Reise mit eigenen Programmen startete. Die aus Saratov in Russland stammende Julia Diedrichs durchlief ebenfalls ein Studium der Musik und begleitet verschiedene Solisten und Ensembles.

Bedacht hatten die beiden Damen den Anlass des Abends und wählten zum Auftakt ein Medley aus Liedern, die Hoffnung spenden. Eine Reise haben alle Eingebürgerten hinter sich und verließen einst ihre alte Heimat und gaben Gewohntes auf. Dazu passend präsentierten Bosenius und Diedrichs „Somewhere“ aus dem Musical West Side Story und „Imagine“ von John Lennon.

Daraufhin betrat Bürgermeister Rudi Bertram das Podium, um ebenfalls erst einmal die Gäste herzlich zu begrüßen. Bertram wartete mit Zahlen aus der indestädtischen Einbürgerungsstatistik auf. Von dem 21. November 2015 bis zum 24. November 2017 wurden in Eschweiler 141 Menschen aus 40 Nationen mit zwei doppelten Staatsbürgerschaften und einer ungeklärten Staatsangehörigkeit eingebürgert.

Bei 73 Männern und 68 Frauen bilden die ehemals türkischen Staatsangehörigen mit 17 Menschen die größte Einbürgerungsgruppe, gefolgt von ehemals 15 nigerianischen, zwölf marokkanischen und jeweils zehn kroatischen und rumänischen Staatsangehörigen. Die Altersklasse der 18- bis 29-jährigen ist mit 51 Personen die größte und die der 30- bis 39-jährigen mit 32 Menschen die zweitgrößte Gruppe.

Abschließend gab Bertram den Gesamtüberblick: In dem rund 58.000 Einwohner großen Eschweiler, in dem etwa 7900 Nicht-Deutsche ihren Wohnsitz haben, vereinen sich 114 Nationen. Erstaunt seien Einige, wenn er diese statistischen Werte nennt, gab Bertram zu. Doch bei all den Zahlen, die sich in dem vergangenen Jahrzehnt kaum verändert haben, ist er stolz auf das Miteinander in der Stadt.

Die Entscheidung, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, sei für die Betroffenen ein langer und schwieriger Denkprozess, sowohl rational wie emotional, bedachte Bertram. Er selbst hat Verständnis für den Wunsch, aus der Heimat aufzubrechen, um an einem anderen Ort ein besseres Leben führen zu können, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen.

Das haben die Eingebürgerten nun erreicht und erhalten mit der deutschen Staatsbürgerschaft neue Rechte, aber auch Pflichten. Dazu gehört, zitierte Bertram das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Er wünschte den Eingebürgerten abschließend mit dem deutschen Pass alles Gute und resümiert: „Eschweiler, das ist Gemeinschaft.“

Das Duo Bosenius und Diedrichs schloss sich musikalisch an die Worte des Bürgermeisters an. Frank Sinatras „My way“ passten sie textlich der Situation an, dass ein Mensch woanders hingeht, um sich neu zu gründen. Als Kontrast dazu präsentierten sie danach „Loreley“ in der Version von Clara Schumann, ehe Amtsleiter Jürgen Rombach zum Gespräch bat. Eine Talkrunde mit den zwei jungen eingebürgerten Frauen Missi und Vanessa folgte.

Beide sind schon lange ein Teil von Eschweiler, da sie größtenteils auch hier aufgewachsen sind. Auf die Frage Rombachs, was es nun bedeutet, mit dem deutschen Pass selbsterklärend deutsch zu sein, antworteten die beiden, dass sie nun freier sind und vor allem mit weniger Hürden reisen und mobil sein können.

Afrikanische Rhythmen erklangen anschließend. Afrikanische Trommeln als Performance von Karim Camara, seiner Familie und der Formation aus dem Haus St. Josef animierten zum Mitsingen und —Klatschen. Der aus Guinea stammende Camara ist unter anderem Teil der schillernden Percussiongruppe „Mama Afrika“, die vor über 20 Jahren im Senegal gegründet wurde.

Bürgermeister Bertram überreichte den Eingebürgerten sodann das „Willkommensgeschenk“ und beglückwünschte zur neuen Staatsbürgerschaft, unter ihnen zwei kleine Mädchen. Eine von ihnen ist mit zwei Jahren die Jüngste, die nun den deutschen Pass erhalten hat. Unter Begleitung von Bosenius und Diedrichs sang der Ratssaal die deutsche Nationalhymne.

Nora Hamidi warf als Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Eschweiler mit ihrer Rede die Frage auf, was deutsch sein bedeutet. Sie zitierte verschiedene Persönlichkeiten aus verschiedenen Epochen und kam zu dem Fazit: Nicht jeder Deutsche hat die deutsche Staatsbürgerschaft und nicht jeder mit der deutschen Staatsbürgerschaft ist deutsch. Deutsch sein bedeutet, Freiheit, Demokratie und ausgeprägte Gleichberechtigung zu genießen und eines ist klar, wandte sie sich an die Eingebürgerten: „Jetzt wo Sie Deutsche sind, müssen Sie nie mehr zum Ausländeramt.“

Mozart zum Finale

Zum lockeren und nicht ganz ernst gemeinten Abschluss der Einbürgerungsfeier sang Daniela Bosenius zunächst über verzwickte Verwandtschaftsverhältnisse, komponiert von Cissy Kraner und Hugo Wiener. Mozarts Zauberflöte erklang als Finale, Bosenius in der Doppelrolle der Papageno und Papagena, das Symphonieorchester stellte Pianistin Julia Diedrichs.

Ehe es anschließend zum geselligen „Get Together“ bei Häppchen und Getränken kam, dankte Jürgen Rombach seinen zwei Mitstreiterinnen, die die Feier hauptsächlich organisiert hatten. Sigrid Harzheim und Tatiana Senchenkova hatten also dafür gesorgt, dass nicht nur der deutsche Pass ausgehändigt, sondern auch eine besondere Einbürgerungsfeier zelebriert wurde.

(mah)