Eschweiler: Bürgermeister auf der Kanzel:„Mehr einmischen und mitgestalten”

Eschweiler : Bürgermeister auf der Kanzel:„Mehr einmischen und mitgestalten”

„Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser als der Überfluss vieler Gottloser.” Über den Psalm 37,16 aus dem Alten Testament sprach am Sonntag in der voll besetzten Friedenskirche Bürgermeister Rudi Bertram.

Es war der Auftakt zu einer vom evangelischen Pfarrer Friedhelm Schippers ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe mit „Kanzelreden”. Prominente aus der Stadt Eschweiler und ihrem weiteren Umfeld werden im Laufe des Jahres die Gelegenheit haben, über einen von ihnen selbst gewählten Vers aus der Bibel zu reden und sich als „Laienprediger” zu versuchen.

Reden und Hören

„Religion braucht gegenseitiges Reden und Hören”, betonte Pfarrer Schippers zu Beginn des protestantischen Gottesdienstes, in den Bertrams Kanzelrede eingebettet war. Religion, so argumentierte Schipper in Anlehnung an den romantischen Theologen Friedrich Schleiermacher, könne nicht gelehrt werden, sie müsse vielmehr „erregt und erweckt” werden.

Die Reihe der „Eschweiler „Kanzelreden” könne und wolle hierzu beitragen. Zudem zeige die Bereitschaft der Personen, die innerhalb der Reihe predigen werden, so Schippers, dass es viele gebe, die die Kirche unterstützen wollen. Man müsse sie nur absprechen.

Bürgermeister Rudi Bertram gestand zu Beginn seiner Ausführungen, dass er lange über seine Rede gebrütet habe. Es sei eine „zwar interessante, aber auch schwierige Aufgabe gewesen”. Gelöst hat Bertram sie mit Bravour, so die einhellige Meinung der vielen Zuhörer, die den Bürgermeister nach dem Gottesdienst für seine Predigt lobten.

Gerechtigkeit

„Gerechtigkeit und alles was dahinter steckt”, so hob Bertram hervor, gehe ihm sehr nahe und sei ihm persönlich sehr wichtig. Privat und beruflich versuche er, Gerechtigkeit zum roten Faden seines Handelns zu machen. Keinen Hehl machte Bertram aus seinen sozialdemokratischen Grundüberzeugungen. So stehe er zum Beispiel voll und ganz hinter der These, „dass starke Schultern mehr tragen sollten als schwache, und der Stärkere somit den Schwächeren stützt”.

Mit Nachdruck appellierte Bertram an die Tugend der gesellschaftlichen Solidarität und plädierte für ein „verantwortungsbewusstes gesellschaftliches Miteinander”.

Wörtlich meinte er unter anderem: „Manager, die noch vor Jahren hohe staatliche Subventionen für den Ausbau ihrer Unternehmen erhielten, drohen heute wegen angeblich zu hoher Lohnnebenkosten eben diesen Standort zu verlassen. Ein solches Verhalten vermittelt mir eine Kälte und Verantwortungslosigkeit, die ich nicht akzeptieren will und kann.” Das Zusammenleben der Menschen, so Bertram, müsse von einem „gerechten Geben und Nehmen” geprägt sein.

Und, so Bertram: „Ich wünsche mir Menschen, die sich einmischen, die mitmachen und mitgestalten bei den Aufgaben und Problemen, die unsere Stadt, die unser Land zu bewältigen hat. Hier ist meines Erachtens die Kirche als soziale Einrichtung immer mehr gefragt, ein gerechtes Verhalten vorzuleben.”

Die nächste „Eschweiler Kanzelrede” steht am Sonntag, 14. März, an. In der Friedenskirche wird dann der Bestattungsunternehmer (und Karnevalist) Hans-Peter Bücken-Brendt reden über Psalm 37,16: „Meine Zeit steht in deinen Händen”.