Eschweiler: Bürger helfen, dass die Stadt altengerecht wird

Eschweiler: Bürger helfen, dass die Stadt altengerecht wird

Es sei der typische Sprung ins kalte Wasser gewesen, sagt Dr. Wolfgang Joußen. Gemeint ist das 1. Quartiersforum Anfang Juni, an dem etwa 60 Personen teilnahmen, die ihre Wünsche und Ideen zu einer altengerechten Innenstadt vorbrachten.

Viele Themen wurden beim ersten Forum angesprochen, nicht jedes beschäftigt allerdings die Arbeitsgruppen. Häufig wurde die wachsende Altersarmut angesprochen. „Dieses Problem können wir aber nicht vor Ort in Eschweiler unmittelbar lösen“, sagt Dr. Joußen. Letztlich stachen drei Bereiche hervor, die jeweils mit einer Arbeitsgruppe besetzt wurden: „Wohnen und Mobilität“, „Tag- und Nachtversorgung/Ehrenamt/Organisation des altengerechten Quartiers“ sowie „Freizeit, Bildung, Kultur“. Die Gruppen verstehen sich nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern jeder kann sich einbringen und mitmachen.

„Wir befinden uns am Anfang eines Prozesses, der Bürger dazu anregen soll, sich selbst einzubringen“, sagt der Seniorenbeauftragte der Stadt Eschweiler, Peter Toporowski. Natürlich wird in den nächsten Wochen und Monaten viel gesprochen und diskutiert, aber am Ende, genauer: im kommenden Jahr, soll daraus ein konkreter Maßnahmenkatalog entstehen, der als Richtschnur für die Kommunalpolitiker gelten kann. Aber eben nicht nur für den Stadtrat und seine Gremien, auch für Unternehmer und Investoren, schließlich hat man auch in Düsseldorf, Berlin und Brüssel erkannt, dass die Generation 60 plus in den kommenden Jahren wächst. „Es gibt zahlreiche Fördermöglichkeiten, Projekte anzustoßen“, berichtet Dr. Wolfgang Joußen. Schon jetzt sind die Kommunalpolitiker und die Verwaltung eng eingebunden.

Die Treffen der Gruppen finden im sogenannten Quartierzentrum an der Marienstraße 7 statt. Nach den Foren im Ratssaal am Mittwoch geht die Arbeit dort weiter. Schon am 13. September beschäftigt man sich mit der Tag- und Nachtversorgung, der Organisation und dem ehrenamtlichen Engagement im Quartier. Beginn ist um 18 Uhr. Die Arbeitsgruppe „Freizeit, Bildung, Kultur“ kommt am 20. September um 18 Uhr im Quartierzentrum zusammen.

Ein Großprojekt in Eschweiler kann von den Ideen schon profitieren. Mit dem Abriss von City-Center und ehemaliger Hertie-Immobilie samt Parkhaus entsteht ein großes Areal im Quartier, das neu gestaltet werden kann. Altengerechte und barrierefreie Wohnungen, aber auch Gesundheitsangebote stehen auf der Wunschliste der älteren Menschen ganz oben. „Der Bedarf ist nachweislich da, er muss nun noch gedeckt werden“, sagt Toporowski. Auch das haben die ersten Treffen gezeigt: Die Menschen möchten möglichst lange in ihren gewohnten vier Wänden bleiben, ein Seniorenheim ist selten die erste Wahl.

Die Ausstattung der Wohnung spielt natürlich eine Rolle, aber nicht nur sie. Auch ehrenamtliche Organisationen können dabei helfen, dass Menschen auch im hohen Alter noch in ihrer Wohnung bleiben können. Eine solches Angebot stellt zum Beispiel die Nachbarschaftshilfe dar, die unter anderem kleine Einkäufe und Reparaturen übernimmt. Auch andere Organisationen bieten inzwischen einen Einkaufs- und Fahrdienst an. Nicht alles können Ehrenamtler übernehmen, aber eben vieles. Genau dies wird beim Forum am morgigen Mittwoch vorgestellt und besprochen.

Das darauf folgende Quartiersforum soll sich dann mit dem „Wohnen im Alter“ beschäftigen. Den Termin kann man sich schon jetzt im Kalender eintragen: Am 8. November werden Beispiele für altengerechtes Wohnen aus anderen Städten vorgestellt. „Wichtig ist uns, dass wir nicht nur über Dinge sprechen, sondern möglichst viel auch umgesetzt wird“, beschreibt Dr. Joußen die Ziele des Projekts, das seit Anfang des Jahres vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Dass sich Bürger selbst zu ihren Wünschen äußern, ist eine Voraussetzung, an dem Landesprogramm teilzuhaben.