Buch von Hans Reiner Jansen:"Geologie des Stadtgebiets von Eschweiler"

Neues Buch : Ein „ausführliches Gespräch mit der Erde“

Die Indestadt lag einst im südlichen Afrika. Zumindest die Erdplatte, auf der sich das Fleckchen Erde, das heute Eschweiler genannt wird, nach wie vor befindet.

Im Zeitraum von rund 450 Millionen Jahren wanderte diese Erdplatte etwa 11.000 Kilometer gen Norden, von 45 Grad südliche auf 51 Grad nördliche Breite.

„Während dieser Wanderung bildeten sich die Naturgegebenheiten unseres Stadtgebiets in Abhängigkeit von den klimatischen Bedingungen der jeweiligen Breitengrade heraus. Alle haben ihre Auswirkungen gehabt, doch lassen sich deren Spuren nicht in jedem Fall finden, denn manches wurde durch Erosion beseitigt oder durch die nachfolgende Sedimentation verdeckt“, erklärt Hans Reiner Jansen. Mit den vorhandenen Spuren befasste sich der studierte Geograph und passionierte Heimatforscher seit Beginn des Jahres 2016 eingehend. Nach beinahe dreijähriger Arbeit vollendete der 75-Jährige vor wenigen Wochen sein Buch „Geologie des Stadtgebiets von Eschweiler“.

Hinter Hans Reiner Jansen liegt also im übertragenen Sinne ein ausführliches „Gespräch mit der Erde", verweist der Autor auf den gleichnamigen Buchtitel des 1951 verstorbenen Geologen Hans Cloos. „Damit ist die Tätigkeit dieser Forscher in knappster Form umrissen und bedeutet doch gleichzeitig ein riesiges und facettenreiches Forschungsfeld, denn Gegenstand dieser Naturwissenschaft sind der Bau der Erde und die Untersuchung ihrer Entstehung sowie ihrer Veränderungen“, macht das langjährige Mitglied des Eschweiler Geschichtsvereins deutlich, dass den interessierten Leser auf 64 großformatigen Seiten keine „leichte Kost“ erwartet.

Während seiner kurzen Einführung in die Plattentektonik erklärt Hans Reiner Jansen auf den ersten Seiten seines Buches, dass die heutige Region Aachen im Erdaltertum von einem Meer bedeckt war, auf dessen Boden die Sedimente abgesetzt wurden, die gegenwärtig das „Grundgebirge“ von Eschweiler bilden. Gebirge in Eschweiler? Nicht wirklich. Oder doch? „Kein Teil des Stadtgebietes ist dem Mittelgebirge (Höhenlagen von 300 bis 1500 Meter) zuzuordnen, denn 300 Meter Höhe wird in Eschweiler nicht erreicht. Somit gehört das Stadtgebiet eigentlich zum Tiefland. Doch erstrecken sich Ausläufer des Rheinisch-Ardennischen Mittelgebirges auf der Vennfußfläche weit nach Norden. Daher ist der südliche Teil Eschweilers stratigraphisch zum Mittelgebirge zu rechnen. Dort verzahnen sich das Grundgebirge und die Niederrheinische Bucht“, hält der Autor für den Laien durchaus überraschende Erkenntnisse bereit.

Das bestimmende Bauglied für den Raum Eschweiler sei der Vennsattel mit der Kammlinie bei Fringshaus im Bereich Roetgen-Raeren. Die Nord-Flanke dieses Sattels gehe über in die zwischen 13 und 16 Kilometer breite Indemulde, die zwischen Kinzweiler und Warden an der sogenannten Aachen-Überschiebung ende, wo sich Schichten der Indemulde auf die der nordwestlich anschließenden Wurmmulde geschoben hätten.

Widmet sich der ehemalige Erdkunde- und Französischlehrer im weiteren Verlauf des ersten Teils seines Werkes unter anderem detailliert den Horsten (Schollen, die zwischen annähernd parallelen Verwerfungen relativ zu den benachbarten Schollen herausgehoben wurden) in Aue, Nothberg, Dürwiß und Weisweiler sowie den Gräben in Hehlrath, Hastenrath und Bovenberg, stehen im zweiten Teil die Bodenschätze Stein- und Braunkohle sowie verschiedene Erze, Steine und Erde, die das Bild und die Entwicklung der Stadt Eschweiler entscheidend geprägt hätten, im Mittelpunkt. „Besondere Bedeutung kam dabei der Stein- und der Braunkohle zu, da durch deren Gewinnung und Verwertung das Stadtgebiet auch in morphologischer Hinsicht derart verändert wurde, wie es zuvor nur durch Naturkräfte bekannt war“, so Hans Reiner Jansen.

Solche Naturkräfte seien der vor etwa 35 Millionen Jahren erfolgte Einbruch der Niederrheinischen Bucht sowie ein tektonisches Ereignis, das vor rund 800.000 Jahren zu einer der letzten Veränderungen des Eschweiler Kohlbergs geführt habe, gewesen. „Zu dieser Zeit setzte die Heraushebung der Rumpffläche mit stärkeren Beiträgen im Süden des Stadtgebiets ein, die die Verschiebung der gesamten Inde-Mulde verursachte“, berichtet der Autor, der sich auf den Schlussseiten seines Buches „Geologie des Stadtgebiets von Eschweiler“ auch auf die Spuren der Steinbrüche, des Eschweiler Kohle-Sandsteins, des Kalksteins sowie der Sandgruben im Stadtgebiet begibt.

Wer weitere Informationen zur indestädtischen Geologie erhalten möchte, kann unter der E-Mail-Adresse Kinzweilerbuch2014@live.de mit dem Autor Kontakt aufnehmen.

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