City Center Eschweiler: Breite Zustimmung zu Plänen fürs Rathaus-Quartier

City Center Eschweiler : Breite Zustimmung zu Plänen fürs Rathaus-Quartier

Jahrelang war es Eschweilers Schandfleck Nr. 1: das einstige City Center. Als sich im Herbst vergangenen Jahres die Bagger endlich daranmachten, die maroden Gemäuer von Kaufhaus, Parkhaus und City Center dem Erdboden gleichzumachen, atmete ganz Eschweiler auf.

Inzwischen ist die Euphorie des Neubeginns verflogen: Die Baustelle ruht, präsentiert sich seit Monaten als klaffende Wunde im Herzen der Indestadt. Wie geht‘s weiter? Die Antwort auf diese Frage lockte am Donnerstagabend zahlreiche Zuhörer in den Ratssaal, der zuletzt wohl nur beim Prinzenempfang des Bürgermeisters am Karnevalssamstag so voll war wie jetzt.

Fertigstellung: Herbst 2020

Neben Eschweilers Technischem Beigeordneten Hermann Gödde, der das Projekt „Rathaus-Quartier“ von Anfang an begleitet, am Podiumstisch: Ilja Alexander Keller, Geschäftsführer der Ten Brinke Group, die in Eschweiler das fortführen will, was Ralf Schumacher und Bernd Pieroth begonnen haben. Dass dies nicht im „Knatsch“ geschieht oder einen Bruch in der Projektumsetzung bedeutet, zeigt die Tatsache, dass auch Bernd Pieroth eigens in die Sitzung des Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses gekommen war.

„Es geht weiter. Der Verkauf an Ten Brinke war eine rein wirtschaftliche Entscheidung“, kommentierte Gödde. Bernd Pieroth: „Im Immobiliengeschäft spielen Ralf Schumacher und ich Kreisliga. Wir mussten aber feststellen, das dieses Projekt in die Champions League gehört. Bei Ten Brinke ist es in den besten Händen.“

Das neue Rathaus-Quartier legt sich U-förmig um das Rathaus. Neue Gebäude entstehen mit der Kindertagesstätte an der Ecke Peilsgasse/Dürener Straße (Bildmitte, oben), rechts davon entlang der Peilsgasse entsteht Wohnbebauung, die sich entlang der Indestraße fortsetzt. Auf der andere Seite des Rathauses, an der Wollenweberstraße, entsteht ein Edeka-Markt (Bildmitte, unten) mit vier Bürogeschossen darüber, Gegenüber der Marktzufahrt schließlich führt der Weg hinein ins Quartier, entlang an Gastronomie- und Ladenlokalen. Zeichnung: Ten Brinke Group.

Die Immobiliengruppe mit Niederlassungen in zahlreichen Ländern Europas zählt zu den erfolgreichsten niederländischen Unternehmen überhaupt. Aktuell beschäftigt das Unternehmen über 900 Mitarbeiter und kann auf einen Jahresumsatz von mehr als 950 Millionen Euro verweisen. Aktuelle Projekte der Ten Brinke Group sind ein Bürogebäude für die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit mit 18.000 Quadratmetern Bürofläche gleich neben der Bundeskunsthalle in Bonn, das im März bezugsfertig sein soll, das Maximilian-Center mit Shopping Mall in Bonn, ein Fachmarktzentrum in Siegburg und ein Wohnquartier in Mainz mit 2000 Wohnungen.

In Eschweiler will Ten Brinke im „Rathaus-Quartier“ etwa 12.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche, 4000 Quadratmeter Wohnfläche — 60 bis 65 Wohnungen mit Balkonen oder Loggien in Süd-Südwestlage —, ebenso viel Fläche für Büros und Praxen sowie eine 700 Quadratmeter große Kindertagesstätte errichten.

„Das Schumacher-Pieroth-Konzept ist grundsätzlich sehr gut“, so Keller. „Wir haben es nur noch ein wenig verfeinert.“

„Die Nachfrage nach den Einzelhandelsflächen hier ist groß“, bestätigte Keller. Die Verhandlungen mit den meisten der Firmen, die sich im „Rathaus-Quartier“ ansiedeln wollen, sind bereits abgeschlossen.

Kellers Vorstellungen zur Zeitachse des Projekts: Bis Ende Oktober soll der Bauantrag vorliegen, dessen Bearbeitung in der Verwaltung dann etwa drei Monate dauern. Nach weiterer Vorbereitungszeit könnte dann im April Baubeginn sein. Die Bauzeit beziffert der Ten-Brinke-Geschäftsführer auf 15 bis 18 Monate.

Bis zur positiven Bescheidung des Bauantrags bleibt das Areal in der Zuständigkeit von Pieroth und Schumacher sowie des von allen Beteiligten beauftragten Abrissunternehmens Rhiem. Derzeit, so Ilja Keller, werde konkret ermittelt, wie viel des hier aufgeschütteten Abbruchmaterials vor Ort geschreddert und auch hier weiterverwendet werden kann. „Große Gerätschaften wie Schredder können erst dann eingesetzt werden, wenn genau feststeht, welche Arbeit sie hier zu leisten haben“, erläutert Keller. Abraummaterial abzufahren, um es später als geschredderten Baustoff wieder herzubringen, sei „sehr, sehr teuer“.

Citymanager einbeziehen

Hermann Gödde, der sich an von Ten Brinke fertiggestellten Objekten von der Qualität der Arbeit des Unternehmens überzeugt hat: „Was wir hier bauen, ist kein Einfamilienhaus. Aber wir sind sicher, mit der Firma Ten Brinke einen Partner gefunden zu haben, der in der Lage ist, solch ein Projekt vernünftig umzusetzen. Dass es bei einem Wechsel wie diesem zu Stillstand und Verzögerungen kommt, liegt in der Natur der Sache. Wir können die Bürger nur um Verständnis bitten.“

Bei den Mitgliedern des Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses stieß der Investorenwechsel (von dem sich SPD-Fraktionschefin Nadine Leonhardt „sehr überrascht“ zeigte), auf ein durchweg positives Echo. Kritische Anmerkungen gab es nicht, lediglich einige Fragen und Bitten. Zum Beispiel nach den Kosten: Keller bezifferte die reinen Baukosten auf rund 40 Millionen Euro, ohne Grunderwerb, Abriss und sonstige Nebenkosten. Und nach der Bewirtschaftung des Quartiers: Die werde „zumindest in den ersten Jahren“ von Ten Brinke selbst übernommen, versicherte Keller.

„Sollten wir das Objekt irgendwann doch veräußern, sehen wir uns den Käufer sehr genau an und achten darauf, ob er das kann. Schließlich würde das sonst auf uns zurückfallen.“ FDP-Sprecher Christian Braune bat um eine enge Kooperation mit dem Citymanagement, damit durch den Bau des (Einkaufs-) Centers nicht, „wie in Aachen, ganze Einkaufsstraßen kaputtgehen“. Keller stimmte zu. Auch an Aktionen wie Stadtfesten und Weihnachtsmärkten werde man sich beteiligen.

Infos statt Gerüchte

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Thomas Schlenter sprach sicher allen Beteiligten aus dem Herzen, als er sich an Keller wandte: „Die heutigen Infos beenden eine lange Informations-Durststrecke, während der so alles mögliche durch den Buschfunk waberte. Jetzt sind wir alle froh, dass etwas passiert. Bitte nehmen Sie die Bürger nun weiter mit, damit nicht wieder irgendwelche Gerüchte durch die Stadt wabern.“

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