Brand am Eschweiler Rathaus: Sanierte Fassade verhindert großes Feuer

Großeinsatz der Feuerwehr : Sanierte Fassade am Rathaus verhindert Übergreifen des Brandes

Für kurze Zeit herrschte am Montagabend der Ausnahmezustand in Eschweiler. „Das Rathaus brennt!“, stand mehrfach in sozialen Netzwerken. Schwarzer Rauch stieg an der Westseite des Gebäudes auf, es qualmte aus der Fassade. Insgesamt rund 130 Einsatzkräfte waren vor Ort, bis sich kurze Zeit später herausstellte: Es ist alles halb so wild.

„Unterm Strich hatten wir Glück im Unglück“, bilanzierte Einsatzleiter Christian Haake von der Feuerwehr. Lediglich eine Styroporverkleidung war in Brand geraten, die restliche Fassade blieb weitestgehend unversehrt. Auslöser war ein Arbeiter, der eigentlich nur Unkraut vernichten wollte. Dazu hatte er einen Bunsenbrenner genutzt, war aber wohl zu nah an den unteren Teil der Fassade gekommen. „Es ist blöd gelaufen, aber man kann niemandem einen Vorwurf machen. Es war einfach Pech“, sagte Haake am Tag nach dem Einsatz.

Der Arbeiter sei völlig aufgelöst gewesen, er stand unter Schock. Anderweitig Verletzte hatte es nicht gegeben. Beim Eintreffen der Feuerwehr war das Rathaus bereits geräumt. Hermann Gödde, Technischer Beigordneter der Stadt, bezifferte die Zahl der im Rathaus befindlichen Personen auf grob unter 50. „Viele waren es zum Glück nicht mehr, denn es war bereits Feierabendzeit, und wegen der Ferien sind sowieso weniger Mitarbeiter im Haus“, erklärte er.

Einsatzkräfte untersuchten den Hohlraum zwischen Fassade und Gebäudewand. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Dass es nicht schlimmer gekommen ist, ist vor allem der umfangreichen Fassadensanierung zu verdanken, die seit 2012 von der Stadt vorangetrieben worden war. Die Dämmung des Verwaltungsgebäudes ist seitdem nicht mehr brennbar. Deshalb konnte ein Übergreifen der Flammen verhindert werden.

Aufgrund des Hohlraums zwischen Fassade und Gebäudewand hat es allerdings einen sogenannten Kamin-Effekt gegeben. Der dunkle Rauch von unten ist hinter der Fassade nach oben gezogen und hat es so aussehen lassen, als ob die Wand brennt. „Zum Glück hat es wilder ausgesehen, als es im Endeffekt war“, sagt Haake erleichtert. Mit der früheren Klinkervorhangfassade hätte der Vorfall im Zweifel deutlich schlimmer enden können.

„Höchste Brandklasse A gewählt“

Für Hermann Gödde ist das die Bestätigung dafür, dass sie sich damals richtig entschieden haben, als über das Material der neuen Fassade diskutiert wurde. „Wir haben die höchste und beste Brandklasse A sowohl bei der Fassade als auch bei der Dämmung gewählt“, erklärt er. Das bedeutet, dass absolut keine brennbaren Materialien verbaut wurden. Die roten Tonplatten sind aus einem keramischen Werkstoff, die Dämmung ist eine Mineralfaserdämmung ähnlich Glaswolle. Auch die Metallunterkonstruktion kann kein Feuer fangen.

Wieso also konnte bei Arbeiten an der Fassade überhaupt ein Brand entstehen? Gödde erläutert, dass der Bereich vom Erdboden bis auf etwa 30 Zentimeter Höhe mit einer sogenannten Perimeterdämmung ausgestattet ist. Diese soll verhindern, dass Feuchtigkeit ins Gebäude eindringt oder nach oben in die Dämmung zieht. Sie ist aus einem Kunststoffgemisch, also einer Art hartem Styropor. Als dieser Stoff Feuer fing, entstand der schwarze Rauch, der nach oben zog. Etwas anderes geriet nicht in Brand. „Das Material hat also das gehalten, was es sollte“, sagt Gödde zufrieden.

Reparaturen am Rathaus bis nach den Sommerferien

Die Höhe des Schadens ist bisher noch nicht zu beziffern. Dienstagmittag beendete die Kriminalpolizei ihre Arbeiten und gab die Brandstelle für Handwerker und Gutachter frei. Gödde rechnet im Laufe der Woche mit einer ungefähren Schätzung der Kosten. „Was wir auf jeden Fall ersetzen müssen, sind die zerschlagenen Keramikplatten im oberen Bereich und die Metallkonstruktion sowie die Perimeterdämmung im unteren Bereich.“ Bereits am Dienstag fingen die Sicherungsarbeiten an, die Reparaturen sollen laut Gödde nach den Sommerferien abgeschlossen sein.

Für die Feuerwehr war der Einsatz am Montag gegen 22.30 Uhr zu Ende. Bis zu dieser Zeit hatte noch ein Team Brandwache gehalten. „Wir haben in regelmäßigen Abständen das Gebäude begangen und die Fassade kontrolliert, aber es hat keine Auffälligkeiten mehr gegeben“, sagte Haake. Langsam aber sicher kehrte im Laufe des Abends auch die Normalität in die Stadt zurück.

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