Bodenarbeitsseminar am Lohner Hof

Eschweiler: „Mit dummen Pferden ist keine Therapie möglich“

„Viele sind froh, dass auch mal ein Mann da ist, der ihnen etwas beibringt. Das bringt Abwechslung“, sagt Claudia Schönborn und lacht. Sie ist die Leiterin des Lohner Hofs, einem Reit- und Therapiezentrum, an dem sich Menschen mit Behinderung zum Pferdepfleger ausbilden lassen können.

Normalerweise besteht das Team des Hofs vor allem aus Frauen, die die Auszubildenden anleiten und ihnen den artgerechten Umgang mit Pferden näher bringen. Bei diesem Seminar ist das anders. Einmal im Jahr kommt Uwe Jourdain extra aus Niedersachsen zu Besuch, um ihnen unter anderem zu zeigen, wie ein Pferd richtig geführt wird.

Jourdain ist Trainer im Bereich Bodenarbeit und Freiheitsdressur. Bereits zum vierten Mal leitet er das Seminar, das er dem Hof spendiert. Im Vordergrund steht für ihn dabei, dass die Teilnehmer durch die Arbeit mit den Pferden ihr Selbstbewusstsein stärken können, was auch außerhalb der Reithalle wichtig ist. „Sie lernen hier fürs Leben. Manche sind zum Beispiel zu lieb und werden motiviert, tougher zu sein. Das ist auch für den zwischenmenschlichen Bereich wichtig.“ Es geht somit darum, den eigenen „Tanzbereich“, aber auch den des Gegenübers kennenzulernen und miteinander erfolgreich zu kommunizieren.

Das Seminar mit Jourdain ist am Hof beliebt. Insgesamt sind acht Teilnehmer dabei, die die Therapiepferde Chio, Forest Boy, Balu und Lucky abwechselnd in der Halle herum führen. Mit den Pferden geht es hierbei unter eine „Dusche“ aus Bändern, über eine Matte mit leeren, aber bei Berührung lärmenden Pfandflaschen, und durch einen großen Plastikreifen hindurch.

Souverän und sicher

Über diese kleinen Hindernisse sollen die Vierbeiner souverän und sicher geführt werden. „Hier spielt die Körpersprache und Haltung eine entscheidende Rolle. Wenn man gebrückt geht, kann man nicht gut führen und das Pferd leiten“, erklärt Schönborn. Das wird im Seminar immer wieder betont, geübt und klappt manchmal gut, manchmal weniger gut.

Die Pferde setzen bei passender Gelegenheit gerne auch ihren eigenen Kopf durch, gehen woanders lang oder inspizieren neugierig die kleinen Barrieren. Das ist aber auch richtig so, denn ein Therapiepferd soll ruhig Charakter zeigen, neugierig sein und keine Angst haben, erklärt Schönborn. Sie wollen und sollten dementsprechend auch geführt werden. „Mit dummen Pferden kann man nun mal keine gute Therapie machen.“

Aber nicht nur die Pferde werden durch die Halle geführt. Jourdain nimmt ab und zu auch die Teilnehmer selbst an die Hand und leitet sie durch die Halle, um ihnen zu zeigen, welche Signale beim Pferd ankommen und wirken. Auch Ella Bastians tauscht ab und zu die Rollen und wird von Jourdain selbst über den Reitsand geführt.

Viel dazu gelernt

Die 20-Jährige ist gerade mit ihrer beruflichen Bildung am Hof fertig geworden und hilft jetzt dort vor allem bei der Hippotherapie. Dies ist eine zur Krankengymnastik ergänzende Behandlung, bei der der Patient auf dem Pferd sitzt, während er von Physiotherapeuten betreut wird. Daher muss das Pferd ruhig und gleichmäßig im Kreis laufen. Bastians sorgt dafür, dass das gelingt. Mit dem Bodenseminar hat sie auf jeden Fall viel dazu gelernt — auch fürs Leben.