Blumengeschäfte in Eschweiler bereiten sich auf den Valentinstag vor

Valentinstagsvorbereitungen : Die Luft in Eschweiler riecht nach Rosen, Romantik und Kommerz

Der Valentinstag am Donnerstag ist für die einen der Tag der Verliebten, für die anderen purer Kommerz und nichts Besonderes. Für die Blumengeschäfte heißt es vor allem: Rosen kaufen, Sträuße vorbereiten und eine hohe Männerquote im Laden. Aber nicht jeder glücklich Verliebte ist Fan von dem Tag.

Georgy Bamberger und Ela Franzen sind seit einem Jahr ein Paar und haben unterschiedliche Auffassungen vom Valentinstag, der am Donnerstag gefeiert wird oder eben nicht. „Ich finde den Tag übertrieben“, sagt Ela Franzen. Sie fügt dann aber lachend hinzu „obwohl, so ein Einkaräter – das wär’s eigentlich noch.“ Georgy Bamberger hatte da eigentlich eher an traditionelle Geschenke gedacht, das verrät nicht nur sein Blick. „Zu Valentinstag schenke ich gerne Parfüm oder Blumen.“ Er selbst erwarte keine Geschenke: „Es ist ein Tag für die Frauen“, sagt der 37-Jährige.

So sieht es am Donnerstag auch im Blumenladen von Stephanie Lucassen aus, denn an Valentinstag sei die Männerquote deutlich höher als an anderen Tagen, verrät die Floristin. „Es ist immer noch so, dass die Männer den Frauen Blumen kaufen. Selten ist es anders herum.“ Die rote Rose ist und bleibt der Renner an Valentinstag. Es darf dabei auch schon einmal eine andere Farbe als rot sein. Gleich danach kommt laut Lucassen aber alles „rund ums Herz“. Körbchen in Herzform, Gestecke mit einem roten Herzen, Vasen mit Herzchen verziert, Tonherzen mit einem Spruch, Herzen hier und Herzen da.

Auch im Blumengeschäft von Martin Thelen kauft die Kundschaft ebenfalls eher traditionell ein, wenn es um den Liebesbeweis geht. Die Rose gehöre einfach dazu, egal ob im Strauß, im Gesteck oder einzeln. „Wir merken immer mehr, dass viele auch etwas langlebigere Geschenke wollen. Blumen in einer schönen Keramikschale zum Beispiel werden immer beliebter. Die Schale oder Vase kann man dann das ganze Jahr lang verwenden“, sagt Thelen. Auch hier käme man nicht immer an Herzformen vorbei. Ausgefallenes ist Eschweiler also eher weniger gefragt, bodenständig soll es sein.

Seit einem Jahr sind Georgy Bamberger und Ela Franzen ein Paar. Er feiert gerne Valentinstag und macht Geschenke. Ela Franzen hingegen findet den Tag übertrieben, schenkt ihrem Freund aber vermutlich aus Pflichtgefühl etwas, wie sie sagt. Foto: ZVA/Anne Schröder

Zehn Tage im Voraus bestellt Thelen „jede Menge“ Rosen in Afrika, die genaue Zahl möchte er nicht preisgeben. Die Blumen haben dort ideale Wachstumsbedingungen und werden fair gehandelt. Seitdem Eschweiler Fair-Trade-Stadt ist, werde häufiger nachgefragt, woher die Blumen stammen, sagt Thelen. Heute kommen die Blumen im Laden an, werden dann weiterverarbeitet und für den Verkauf vorbereitet. Weitere Rosen und andere Pflanzen ersteigern sowohl Thelen als auch Lucassen auf großen Blumenversteigerungen in den Niederlanden.

Weil auch die Amerikaner, Engländer, Skandinavier und viele mehr das große Geschäft mit den Blumen am Donnerstag machen wollen, gehen die Preise entsprechend in die Höhe, sowohl im Einkauf als auch im Verkauf, erklärt Thelen. „Für uns ist der Valentinstag einer der stressigsten, aber auch umsatzstärksten Tage“, sagt der Florist.

Im Geschäft von Stephanie Lucassen hängt ein großes Herz aus Blumen, um auf den Tag einzustimmen. Foto: Stephanie Lucassen

Lucassen achtet darauf, dass sich der Preisaufschlag in ihrem Geschäft nicht zu sehr im Verkauf bemerkbar macht, auch wenn die Rosen fast doppelt soviel kosten. „Die Gewinnspanne ist durch die Einkaufspreise aber nicht hoch“, sagt sie.

Anders als so manches Gesteck oder die Schale mit dem ein oder anderen Herzen, das sich gut vorbereiten lässt, werden die frischen Blumen erst ab Mittwoch und Donnerstag zu Sträußen verarbeitet. „Am Valentinstag ist die Stimmung bei den Kunden besonders gut. Da macht es erst recht Spaß, zu bedienen“, sagt Lucassen. Was die Entwicklung von Valentinstag betrifft, so sind sich die Blumenexperten einig. „Der Tag hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker in andere Bereiche ausgelagert. Es gibt mittlerweile sogar Pizza in Herzform“, sagt Lucassen. Ebenso profitieren Parfümerien und Juweliere.

Rote Rosen en masse: Stephanie Lucassen freut sich auf den Valentinstag in ihrem Blumengeschäft. Die Kunden sind an dem Tag besonders gut gelaunt. Foto: ZVA/Anne Schröder

Fragt man die Eschweiler Bürger, ist der Kommerz auch einer der größten Kritikpunkte. „Man kann jeden Tag zeigen, dass man den anderen liebt“, sagt Laura Scholz. Aber ein Geschenk fände sie trotzdem schön: „Es wäre schon toll, wenn mein Partner morgens auch mal mit dem Kind aufsteht“, sagt die 19-Jährige und lacht. Dieser Wunsch ist vermutlich unabhängig vom 14. Februar. Für Sevinc Kücük hingegen ist jeder Tag Valentinstag, wie die 28-Jährige sagt. „Ich habe auch mal Parfüm bekommen, aber ich muss den Tag sonst nicht feiern. Ich bin wunschlos glücklich, aber wenn Leute Valentinstag feiern, finde ich das auch okay.“

Ela Franzen, die auf einen einkarätigen Ring hofft, wird mit ihrem Partner vermutlich feiern. „Muss wohl“ antwortet sie auf die Frage, ob sie ihrem Liebsten auch etwas schenkt. Aufopferung am Valentinstag ist also des ein oder anderen Eschweilers Antwort auf Romantik.

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