„Blues meets Rock“: Power-Tacho im tief-roten Bereich

„Blues meets Rock“ : Power-Tacho im tief-roten Bereich

Die pure, ungezähmte Energie des Rock scheint ihre Energiequelle zu sein: Nach ihren Country-Jahren lieferte Monique Staffile aus New York beim „Blues meets Rock“-Gig im „Rio“ ein klares Rock-Statement ab, lasziv, wild, den Power-Tacho im tief-roten Bereich.

„You don’t want me anymore”, die Rock-Pop-Nummer war einer der ersten Songs, die „Her“ wie sie sich und ihre dreiköpfige Band kurz und bündig nennt, die sofort in die Beine ging. Gesanglich wird Monique Staffile irgendwo zwischen Ann Wilson (Heart) und Grace Slick (Starship) eingeordnet, von der Bühnenpräsenz her erinnert sie jedoch sofort an Debbie Harry alias „Blondie“. Ebenfalls mit einer wilden blonden Mähne ausgestattet, bezüglich Kajal und Wimperntusche aus dem Vollen geschöpft, Jeans-Pants, Stiefel und Leopardenjackett – Staffiles Outfit ist genau wie ihre Musik eine offensive Kampfansage an das „Grau“ des Alltags, vielleicht auch an die Beliebigkeit manch aktueller populärer Musik.

„Where does all the money goes? I don’t know“, singt die Frontfrau von „Her“ und unterstreicht damit ihr unangepasstes Image als Rock-Lady, die aufbegehrt. Dabei spielt sie mit ihrer Ausstrahlung, lässt die Hüften kreisen und die Blicke blitzen. Keine Frage, die gebürtige New Yorkerin weiß sich und ihre Band in Szene zu setzen und erhielt prompt die überwältigende Bestätigung ihres Publikums im „Rio“.

Musikalisch bediente die Band beim „Rock meets Blues“-Auftritt sämtliche Register der Rockmusik, unternahm Ausflüge in den Blues („Seperately“) und spielten harten Crossover à la „Rage against the machine“ („No regrets“). Die fehlenden Soli machte Gitarrist und Produzent Caleb Sherman mit kraftvollen, eingängigen Riffs wieder wett, während Brandon Roberts ein extrem dynamisches Bass-Fundament legte.

Musiklandschaft in Tenessee

Eine Show für sich war Drummer Johannes Greer aus Nashville, das die gesamte Band mittlerweile ihr Zuhause nennt. Zwar hatte Monique Staffile im „CBGB“-Club in New York mit 13 Jahren ihren ersten Auftritt und fühlt sich immer noch mit dem „Big Apple“ tief verbunden, doch die Musiklandschaft sei in Tennessee einfach eine bessere, so die Frontfrau, die sich selbst durchaus als politisch aktive Künstlerin einstuft. Dies war nicht zuletzt beim Song „Revolution“ zu beobachten, als Staffile sich das „star sprangled Banner“ umwarf und sang: „We can’t just sit and wait until its all too late!“.

„Tonight“, „Black and white“ und „Crush“ sind Hits von „“Her“, die auch im „Rio“ ihre Wirkung entfalteten – geprägt von Tempowechseln und dynamischem Gitarrensound. Da hätte es das „Money for nothing“-„Beat it“-„Country Roads”-Medley als Zugabe eigentlich gar nicht gebraucht, um zu zeigen, wie vielseitig Staffile und ihre Band klingen, doch das „Blues meets Rock“-Publikum nahm die Einladung zum Mitsingen gerne an.

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