Eschweiler: Blick hinter die Kulissen in der Moschee

Eschweiler: Blick hinter die Kulissen in der Moschee

Es ist kein prunkvoller Bau wie in anderen Städten, sondern vielmehr ein unscheinbares Gebäude. Eine Fahne, ziert das Gebäude und ein kleiner, in Silber gehaltener Halbmond. Ein kleiner Schaukasten mit einigen fremden Schriftzeichen hängt draußen, aber das ist auch schon alles, was auf eine andere Kultur hindeutet.

Seit 20 Jahren hat der Türkisch-Islamische Kulturverein Ditib seinen Sitz an der Wollenweberstraße. Am Freitagmittag war dort wieder jede Menge los, immer freitags ruft der Muezzin zum Gebet. Aber wie sieht es im Innern des Gebäudes aus? Was geschieht dort und wer besucht das Haus? Am kommenden Freitag, 5. Dezember, werden wir die Moschee im Anschluss an das Gebet mit einigen Lesern besuchen.

„Wir freuen uns auf die Besucher“, sagt Yalcin Demirak, der Vorsitzende des Kulturvereins. Er möchte die islamische Kultur gerne auch den Indestädtern näherbringen und somit helfen, Ängste und Vorurteile, die es immer wieder gibt, abzubauen.

Proteste? Nein!

Einen Teil der Kultur kann jeder erleben, der sich an Freitagen gegen Mittag in Marktnähe aufhält. Seit knapp zwei Jahren ertönt freitags der Muezzinruf. In anderen Städten — auch in der Region — gab es Proteste. Etwa in Würselen und Aachen. In der Indestadt gehen die Uhren anders. Keinen Protest habe es gegeben, sagt Yalcin Demirak, der Vorsitzende des Kulturvereins.

Was geschieht am kommenden Freitag? Nach der Begrüßung werden unsere Leser zunächst die Moschee kennenlernen, also die verschiedenen Räume, wie die Gebets- und die Waschräume. Während des Rundgangs besteht die Möglichkeit zu Gesprächen mit den Verantwortlichen des Türkisch-Islamischen Kulturvereins. Ebenso sind Gespräche mit dem Eschweiler Integrationsbeauftragten Jürgen Rombach möglich.

Im Gebetsraum befindet sich die Gebetsnische, die nach Südosten, nach Mekka, zeigt. Der Name Allahs und Mohammeds befinden sich in Arabisch rechts und links darüber. Daneben sind auch die beiden Kanzeln zu sehen, die linke, höhere wird jedoch nur zum Freitagsgebet genutzt. Das ganze Zimmer ist mit Teppich ausgelegt und wird von mehreren Kronleuchtern erhellt.

In einem Regal an der Seite reihen sich Ausgaben des Koran, der heiligen Schrift der Muslime, aneinander. Die Gebetsräume von Frauen und Männern sind getrennt.

Der Imam ruft vom Raum der Männer in der ersten Etage aus. Die Frauen hören seine Stimme ebenso vom Band wie die Besucher, die vor dem Gebäude lauschen.

Das sind durchaus viele, aus verschiedenen Nationen und verschiedener Glaubensrichtungen. Toleranz und Offenheit sei wichtig, betont der Vorstand des Vereins. So seien jederzeit Gäste willkommen — egal welcher Herkunft und Glaubensrichtung. Schulklassen haben die Moschee schon besucht, und auch viele weitere Bürger haben die Einladung angenommen.

Die Jugend ist wichtig

Verstehen kann den Gebetsruf in der fremden Sprache freilich nicht jeder. Es geht aber immer um ein bestimmtes Thema. Mal um die Propheten, aber oft auch um weltliche Themen: um die Kinder, auch um Probleme wie Alkohol- und Drogenkonsum. Neben der Ausübung des Glaubens hat der Verein weitere Ziele. Ein großes: Jugendliche sollen von der Straße geholt werden. Um die Jugend kümmert sich der Verein ganz besonders. So gibt es für den Nachwuchs seit einigen Monaten einen eigenen Raum, in dem sich die Heranwachsenden zurückziehen, mit Konsolen spielen oder einfach „chillen“ können.

Der Türkisch-Islamische Kulturverein in Eschweiler ist übrigens ein Vorreiter in Sachen Vereinssatzung. Und auch da spielt die Jugend eine Rolle. Die neue Satzung, die der indestädtische Verein bereits seit zwei Jahren umsetzt, besagt, dass auch Jugendliche und Frauen im Vorstand vertreten sein sollen. In Eschweiler ist das Alltag. Es gibt eine eigene Frauengruppe mit eigenem Budget, die eigene Veranstaltungen plant und durchführt. Gleiches gilt für die Jugendlichen. Yalcin Demirak weiß, dass das für einige Mitglieder in so manchem Verein alles andere als einfach zu akzeptieren ist. „Wir sind Vorreiter“, sagt er und lacht. In der Tat: In dieser Woche wurde von Ditib bestätigt, dass die Satzung künftig in ganz Deutschland gelten soll.

Wer die Moschee und die islamische Kultur kennenlernen möchte, ist bei unserem Besuch an der Wollenweberstraße am kommenden Freitag genau richtig. Wer dabei ist, sollte „moscheegerecht“ gekleidet sein. Sprich: Lange Hosen und bedeckte Schultern sollten sein. Bei den Temperaturen sollte die Wahl der passenden Bekleidung aber ja auch leichtfallen.

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