Eschweiler: Bezüge von Ein-Euro-Jobbern zu spät ausgezahlt: Jobcenter in der Kritik

Eschweiler: Bezüge von Ein-Euro-Jobbern zu spät ausgezahlt: Jobcenter in der Kritik

Über Adventsgrüße in der Vorweihnachtszeit freut sich wohl nahezu jeder Mensch. Mancher Gruß verfügt jedoch über einen höchst bitteren Beigeschmack. Davon kann Josef Wipperfürth ein Liedchen singen. Der 63-Jährige war 33 Jahre lang als Dachdecker tätig, bevor er seinen Beruf aufgrund gesundheitlicher Probleme aufgeben musste.

Seit einigen Jahren ist der Arbeitsuchende nun Arbeitslosengeld II-Empfänger, im Volksmund als Hartz IV bekannt. Um seine überschaubaren Einnahmen aufzubessern, nimmt Josef Wipperfürth seit drei Jahren an einer durch das Jobcenter der Städteregion Aachen angebotenen AGH-Maßnahme (Ein-Euro-Job) teil. Von montags bis freitags ist er im Rahmen des Projekts „Spectrum“ in einer Schreinerei des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien in Weisweiler beschäftigt.

Die rund 160 Euro, die der gebürtige Aachener deshalb neben der Grundsicherung vom Jobcenter monatlich erhält, stellen übrigens offiziell keinen Arbeitslohn dar, sondern ledigleich einen Ausgleich für Mehrkosten. Doch dieser Ausgleich verursacht(e) Probleme.

Denn am 8. Dezember bekam Josef Wipperfürth an seinem Arbeitsplatz ein Schreiben in die Hand gedrückt, das von einem Sachbearbeiter der „Maßnahme- und Projektförderung“ des Jobcenters der Städteregion Aachen verfasst worden war und nun an ihn und seine 35 Kollegen weitergereicht wurde. Dieses Schreiben beginnt mit wohlmeinenden Worten: „So langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu. Ich möchte Ihnen herzlich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in diesem Jahr danken.“

Aus heiterem Himmel

Nach einem Absatz kommt der Verfasser dann zur Sache. „Leider habe ich zum Jahresende aber auch unerfreuliche Neuigkeiten. Die Haushaltsmittel des Jobcenters der Städteregion Aachen haben sich ebenfalls dem Ende geneigt. Das bedeutet für die Träger, dass sowohl die Teilnehmerkosten, als auch die Maßnahmekosten der Gruppen-AGHs (sofern diese monatlich auf Rechnung ausgezahlt werden) für November 2016 erst Anfang Januar 2017 ausgezahlt werden können“, heißt es lapidar, bevor das Schreiben mit den für die Empfänger zynisch anmutenden Worten „Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit“ endet. Vor einigen Tagen nahm der Vorgang dann jedoch eine Wendung: Das Geld wurde überwiesen.

Doch der Wahl-Indestädter ist keinesfalls besänftigt. Er befürchtet, dass sich ein solcher Vorgang wiederholen könnte. Und zwar ohne Wendung zum Guten. „Es ist doch eigenartig, dass uns zunächst mitgeteilt wird, die Haushaltsmittel des Jobcenters seien erschöpft und dann einige Zeit später die Auszahlung doch noch erfolgt“, wundert er sich. Und vermutet, dass sich sein Vorhaben herumgesprochen haben könnte, den Vorgang öffentlich zu machen.

Vor allem ärgert sich Josef Wipperfürth über die Art und Weise der Mitteilung: „Diese traf uns aus heiterem Himmel. Wenn Haushaltsmittel zur Neige gehen, muss dies doch über einen längeren Zeitraum hinweg absehbar sein. Stattdessen traf uns die Nachricht vollkommen unvorbereitet. Doch Weihnachten ist jetzt und nicht im Januar“, macht der Alleinstehende, der mit dem Geld aus der AGH-Maßnahme über Einnahmen von etwas über 500 Euro pro Monat verfügt, deutlich, dass auch seine „Spectrum“-Kollegen und er an der Weihnachtszeit teilhaben möchten.

Wobei Josef Wipperfürth betont, dass er das Gespräch mit den Verantwortlichen des Jobcenters gesucht habe. „Ich war vor Ort und habe die Nummer 974 gezogen. Als ich an der Reihe war, teilte mein Gegenüber mir mit, ich müsse eine bestimmte Telefonnummer anrufen und einen Termin vereinbaren. Der hätte dann mit Sicherheit irgendwann im Januar stattgefunden. Es kann nicht sein, dass man das Geld, das einem zusteht, nicht bekommt und dann auch noch auf einen Termin warten muss“, ist der gelernte Dachdecker wütend.

Kollegen „ruhiggestellt“

„Viele meiner Kollegen sind jetzt zufrieden, da sie ihr Geld ja doch noch erhalten haben. Sie wurden dadurch quasi ruhiggestellt. Doch mit mir nicht! Was passiert beim nächsten Mal? Ich kämpfe auch für die anderen. Darunter Männer, die 30 bis 35 Jahre alt sind und ihr Leben noch vor sich haben. Ich möchte Gerechtigkeit!“, nennt Josef Wipperfürth seine Beweggründe, die Angelegenheit eben nicht ruhen zu lassen.