Eschweiler: Betonklötze sorgen für Lkw-Parkplatz-freie Zone

Eschweiler: Betonklötze sorgen für Lkw-Parkplatz-freie Zone

Jahrelang haben sich die Anwohner der Rue de Wattrelos über unliebsame „Nachbarn“ geärgert: Fast Nacht für Nacht, Wochenende für Wochenende war die Straße zwischen Autobahnzufahrt und früherer Autobahn-Polizeiwache mit Lkw und Sattelzügen zugeparkt. Damit ist seit kurzem Schluss.

Mit den Fahrzeugen von „Truckern“, die auf der nahen Autobahnraststätte Aachener Land Nord wegen Überfüllung keine Chance hatten, ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten zu verbringen. Die Folge: An der nicht zuletzt wegen ihrer Markt-Angebote (Supermarkt, Toiletten, Restaurant, Imbisse etc.) gerne als Parkplatz genutzten Rue de Wattrelos wurden immer wieder Firmenzufahrten mit den Blechkolossen zugestellt, mussten Anwohner nicht nur nach den Wochenenden säckeweise Müll entsorgen.

rue de wattrelos

Halteverbotsschilder beeindruckten die Lkw-Fahrer ebenso wenig wie Knöllchen. Die sind bei den meist ausländischen Truckern ohnehin nur selten vollstreckbar. Und die -zig Tonnen schweren Gefährte abschleppen zu lassen, das erschien der Stadt zu aufwendig.

Die Quelle des Übels: Während das Lkw-Parkprobleme auf der Südseite der Raststätte Aachener Land seit Jahren bereits behoben ist, sind Stellplätze auf der Nordseite nach wie vor Mangelware. Bis Mitte des Jahres allerdings soll die Zahl der Lkw-Stellplätze dort von 30 auf 95 wachsen. Kostenpunkt: knapp 6 Millionen Euro. Foto: Rudolf Müller

Das geschäftsschädigende Verhalten der Lkw-Fahrer ging so weit, dass einige der dort ansässigen Geschäftsleute bereits laut über einen Fortzug nachdachten. Gemeinsame Kontrollen von Ordnungsamt und Polizei änderten daran wenig: Die Beamten, so berichtetet Ordnungsamtsleiter Edmund Müller, mussten sich sogar von den Fahrern beschimpfen lassen.

Damit ist nun Schluss. Pünktlich zu Weihnachten machte die Stadt den Geschäftsleuten das Geschenk, dass letztere sich gewünscht hatten: massive Betonklötze, zwischen denen kein Platz für Lkw bleibt. Rund einhalb Tonnen wiegt jede der insgesamt etwa 30, mit rot-weißen Warnbaken versehenen Betonscheiben — die schiebt auch kein Truck mal eben zur Seite.

Dass diese Lösung nicht das Nonplusultra in Sachen „Unsere Stadt soll schöner werden“ ist, weiß auch Eschweilers Rechtsamtsleiter Dieter Kamp: „Eine ,grüne‘ Lösung hätte aber einen immensen Pflegeaufwand bedeutet. Das war auch den Anwohnern klar. Die jetzige Lösung ist in enger Abstimmung mit den Anliegern erarbeitet worden.“

Und nicht nur das: Anlieger selbst waren es auch, die auf einem privaten Firmenparkplatz in der Nähe die riesigen Betonklötze herstellten, die dann ein Bauer mit einem kräftig zupackenden landwirtschaftlichen Spezialgerät am Samstag vor Weihnachten an Ort und Stelle versetzte.

Eine für die Stadt recht preisgünstige Lösung: Auf etwa 7500 Euro schätzt Dieter Kamp die Kosten dieser außergewöhnlichen Aktion in Sachen „Public-private Partnership“ — wenn auch die genaue Abrechnung noch nicht vorliegt.

Ob die Betonklötze als Dauerlösung herhalten müssen, bleibt abzuwarten: Die Stadt setzt darauf, dass die Stellflächen an der Autobahnraststätte Aachener Land Nord erweitert werden. Bis zum Spätsommer sollen dort 65 zusätzliche Lkw-Stellplätze die Gesamtzahl auf 95 hochschrauben.

Kostenpunkt: etwa 5,8 Millionen Euro. Die Erdbewegungen auf den hinzugekauften rund 43.000 Quadratmeter Land haben begonnen. Dass die Sperrung der Rue de Wattrelos zu einer höheren Belastung anderer Straßen mit geparkten Lkw geführt hat, konnte die Stadt bislang nicht feststellen. Längst nicht jede Straße bietet eben die Vorzüge der Rue de Wattrelos.

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