Eschweiler: Beschwerden über Lärm von Bolzplätzen nehmen zu

Eschweiler : Beschwerden über Lärm von Bolzplätzen nehmen zu

Grundsätzlich verbindet man mit Bolzplätzen etwas Positives. Dort können sich Kinder und Jugendliche austoben, Fußball spielen und gemeinsam Spaß haben. Letzteren empfinden Nachbarn an einigen Stellen nicht. Sie beschweren sich über nächtlichen Lärm und Müll. Regelmäßig.

Vor allem in Bergrath greifen Anwohner des dortigen Kleinspielfelds immer wieder zum Telefonhörer und alarmieren Ordnungsamt und Polizei. Auch an anderen Stellen kommt es zu Beschwerden.

Dass sich in Bergrath Menschen häufiger gestört fühlen, ist im Rathaus bekannt. „Unsere Leute sind immer wieder dort vor Ort — das ist sehr personalintensiv“, bestätigt Bürgermeister Rudi Bertram. Auch die Kommunalpolitiker beschäftigten sich mit dem Thema. Als erste Maßnahme wurde in Bergrath der Zaun um das Kleinspielfeld erhöht. Ohnehin darf dort nur bis 18 Uhr gekickt werden. Morgens und mittags wird es von der Grundschule intensiv genutzt.

Abends schließt Hausmeister Conny Mohren das Tor zum Spielfeld ab, das mit Unterstützung des Deutschen Fußball-Bundes und Mitteln des Schulfördervereins angeschafft wurde. Oft vergebens: Jugendliche klettern über den Zaun und bolzen bei lauter Musik bis in den späten Abend, berichten Anwohner.

In Hehlrath hat die Klage eines Anwohners dazu geführt, dass das dortige DFB-Kleinspielfeld nicht mehr genutzt werden kann. Auch dieser Zustand beschäftigte die Kommunalpolitiker, die vor zwei Jahren den Beschluss fassten, das Spielfeld an der Kinzweiler Grundschule abzubauen und in Weisweiler wieder zu errichten. Dagegen wehren sich die Sportfreunde Hehlrath, die einen alternativen Standort in der Nähe des bisherigen vorschlugen. Passiert ist bisher nichts.

Im kommenden Sportausschuss wird dies erneut Thema sein, diesmal mit konkreten Zahlen. Der Umzug soll nämlich zwischen 60.000 und 70.000 Euro kosten. Diese Summe müsste für den Haushalt 2019 eingeplant werden. Auch zum Lärmschutz gibt es neue Erkenntnisse. Leidtragende sind vor allem die Kinder der Grundschule und die Jugendlichen, die sich an die Regel halten, zu welchen Uhrzeiten gespielt werden kann.

Der Hehlrather Sportverein hofft weiterhin, eine Lösung zu finden. „Wir haben nichts mehr gehört, es gab auch keine Gespräche“, bestätigt der Sportfreunde-Vorsitzende Guido Esser. Er nutzte seine Kontakte zum Deutschen Fußball-Bund, als die Aktion „1000 Minifelder“ zur Weltmeisterschaft 2006 ins Leben gerufen wurde, um eine Anlage an den Maxweiher zu lotsen.

Die Sportfreunde betonen auch, dass sie viel Geld und viele ehrenamtliche Arbeitsstunden in den Aufbau des Minifelds investiert hätten. Im Verein sind etwa 200 Kinder und Jugendliche aktiv. Dort könne sich niemand vorstellen, dass das Minifeld ohne jeden Ausgleich einfach aus Hehlrath verschwinde, obwohl es dort nun einen alternativen Standort gebe, hieß es. „Vor allem den ehrenamtlichen Helfern von damals wäre das überhaupt nicht zu vermitteln“, betonte der 1. Vorsitzende Guido Esser.

Probleme treten in allen Stadtteilen immer wieder auf. Auch der „Käfig“ an der Straße Am Buchenwald in Pumpe, in dem Fußball und Basketball gespielt werden kann, lockt abends noch junge Menschen an — zum Leidwesen mancher Nachbarn. Regelmäßig machen sich die Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit auf den Weg, um mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Doch steigen die Temperaturen und werden die Tage länger, wird dort weiterhin bis in den Abend hinein gekickt. Nach 21 Uhr noch.

Die Probleme dort sind der Stadtverwaltung und der Polizei ebenfalls bekannt. Bis die Ordnungshüter eintreffen, sind die Ruhestörer über alle Berge. „Es sind manchmal Kleinigkeiten, aber ich lasse nicht locker, darauf aufmerksam zu machen, dass wieder mehr Polizei in der Stadt präsent ist“, betont Bertram.

Auch das Feld in Pumpe befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schule — und zum Sportplatz. Dies ist durchaus gewünscht und wird auch im Rathaus positiv gesehen. „Es ist wichtig, dass Kinder früh an den Sport und an das Vereinsleben herangeführt werden“, sagt Bürgermeister Bertram. Die gleiche Intention verfolgte der Deutsche Fußball-Bund mit seiner Aktion vor über zehn Jahren.

Zu einem großen Teil erfüllen die Spielflächen ihren Zweck im positiven Sinne. Um die Probleme in den Abendstunden in den Griff zu bekommen, setzt Bertram nicht nur auf Ordnungshüter. Wichtig sei es, dass die Betroffenen und die Jugendlichen ins Gespräch kommen und man gegenseitiges Verständnis wecke. Denn: „Ich stelle nicht in Zweifel, dass es eine Störung ist, wenn abends der Ball laut getreten wird und gegen einen Zaun knallt“, sagt der Verwaltungschef.

An zahlreichen Stellen in Eschweiler befinden sich Bolzplätze: Am Vöckelsberg, Gutenbergstraße, Im Kuckuck, In den Benden und Velauer Straße. Hinzu kommen die beiden DFB-Minispielfelder in Bergrath und in Hehlrath. Auch auf Spielplätzen stehen Flächen für Ballsport zur Verfügung: Auf dem Driesch, Am Buchenwald, Am Hochhaus, Blumenstraße, Dürener Straße/Saarstraße, Dürwisser Schützenplatz, Im Felde, Im Hag, Kalvarienbergstraße, an der Bürgerbegegnungsstätte Ost, Taunusstraße (ohne Tore), Vullig­straße (ohne Tore) und Grillhütte Neu-Lohn. Der Spielplatz an der Inde­straße wird aktuell neu gestaltet. Auch dort ist ein Spielfeld vorgesehen.

Eine Situation wie in Hehlrath will man an anderen Orten unbedingt vermeiden. Leidtragende seien die Kinder, heißt es. Was mit dem Kleinspielfeld an der Kinzweiler Grundschule passiert, ist ungewiss. Sämtliche Parteien sprachen sich deutlich für einen Umzug des Feldes in den Weisweiler Park aus. Auch ein Beschluss liegt schon lange vor. Dennoch droht angesichts der nun ermittelten Kosten ein kommunalpolitisches Nachspiel.