Eschweiler: Bernd Steinbrecher sieht gute Chancen für den Eschweiler Einzelhandel

Eschweiler: Bernd Steinbrecher sieht gute Chancen für den Eschweiler Einzelhandel

Ist das Online-Shopping der Schrecken des Einzelhandels? „Ich bin ganz und gar nicht der Meinung, dass der Einzelhändler gegen das Online-Shopping machtlos ist und diesem Phänomen wie das Kaninchen vor der Schlange gegenüberstehen sollte!“, verneinte Bernd Steinbrecher.

Der geschäftsführende Gesellschafter der Aachener Werbeagentur Power & Radach war am Dienstagabend zu Gast bei der Mitgliederversammlung des Citymanagements Eschweiler und sprach in der Gaststätte Haus Lersch zum Thema „Einzelhandel in Mittelstädten“.

Zuvor hatte Klaus-Dieter Bartholomy, Vorsitzender des Citymanagement-Vorstands, auf das Jahr 2014 zurückgeblickt und dabei vor allem den Weihnachtsmarkt beleuchtet: „Eine insgesamt gelungene Premiere, die relativ wenig Kritik nach sich zog“, so sein Urteil. Natürlich seien aber dennoch Verbesserungsmöglichkeiten gegeben. „Wir hoffen nun, den Weihnachtsmarkt auch in diesem Jahr präsentieren zu können. Voraussetzung ist eine breite Unterstützung, wobei ich positiv überrascht war, wie viele Unternehmen bereit waren, den Weihnachtsmarkt 2014 zu unterstützen“, so Klaus-Dieter Bartholomy. Die Frage, ob sich der Weihnachtsmarkt überhaupt lohne, beantwortete Gastwirt Michael Esser: „Wir haben das Pflänzchen Weihnachtsmarkt gesät, nicht zuletzt, weil es sowohl von den Bürgern als auch der Politik gefordert wurde. Um dieses Pflänzchen zu hegen, müssen wir Geld in die Hand nehmen. Der Start war gut. Geht es positiv weiter, können wir vielleicht in vier bis fünf Jahren durch Standgelder einen Gewinn erwirtschaften.“

Wobei Klaus-Dieter Bartholomy betonte, dass die Zeit im Hinblick auf den Weihnachtsmarkt 2015, der von Freitag, 11. Dezember, bis Sonntag, 20. Dezember, stattfinden soll, langsam dränge. „Es ist Mai, und es wird höchste Zeit, Pflöcke einzuschlagen!“, so der Vorstandsvorsitzende, der mit der Mitgliedszahl des Vereins, die bei 106 liegt, nicht wirklich zufrieden ist. „Langerwehe verfügt über 170 Mitglieder. Wir haben im vergangenen Jahr sogar ein Mitglied mehr verloren, als wir hinzugewonnen haben“, stellte er fest.

Anschließend unterstrich Bernd Steinbrecher, dass das vom Einzelhändler vor Ort angebotene „lokale Einkaufen“ als Vorteil gegenüber den Internet-Anbietern angesehen werden müsse. Zunächst präsentierte der Referent allerdings Zahlen: „Im Durchschnitt binden die Kommunen in Nordrhein-Westfalen 95 Prozent der Kaufkraft der Bürger in der eigenen Stadt. Eschweiler liegt bei 81,3 Prozent.“ Eine Feststellung, der Hermann Gödde jedoch vehement widersprach. „Neueste Erhebungen zeigen, dass wir bei 105 Prozent liegen“, so der Technische Beigeordnete der Stadt Eschweiler. Dennoch belege auch diese Zahl, dass in Eschweiler Potenzial nach oben vorhanden sei. Düren liege nämlich bei 130,8 Prozent, das bayerische Rosenheim, dessen Umland allerdings sehr ländlich sei, sogar bei 181,9 Prozent.

„Eschweiler leidet natürlich darunter, mit Aachen ein Oberzentrum vor der Tür und weitere Mittelstädte in der nahen Umgebung zu haben“, räumte Bernd Steinbrecher ein. Für den Einzelhändler müsse deshalb die direkte Beziehung zum Kunden mehr und mehr zum Schlüsselwort werden. „Leider wurde der Konsument in der jüngeren Vergangenheit dazu erzogen, nur noch den Preis als Vergleichskriterium anzusehen. Doch die Annahme, Online-Angebote seien grundsätzlich billig, ist schlicht falsch!“ Und diese Tatsache werde langsam aber sicher den Kunden bewusst.

Bei aller Aufregung in Sachen Online-Shopping zeigten Statistiken, dass dessen Anteil im Jahr 2020 bei 20 Prozent liege. „Das heißt, dass 80 Prozent des Umsatzes nicht im Online-Bereich liegen. Für den Einzelhandel bedeutet dies, sich auf die ureigenen Stärken, etwa die umfassende und individuelle Beratung, zu besinnen und diese neu zu interpretieren“, forderte Bernd Steinbrecher. Der Kunde als Individuum wünsche eine individuelle Ansprache. Als Konsequenz sollte der Einzelhändler dem Kunden Orientierung über die eigene Ladengrenze hinweg geben, eindeutig definierte Zielgruppen ansprechen sowie die Expertenposition einnehmen und ausfüllen. Darüber hinaus sollte bei Aktionen der Mut zum „echten Anderssein“ zu Tage treten.

„Umfragen kommen zu dem Ergebnis, dass 36 Prozent aller Deutschen sagen, sie hätten mehr Geld zum Konsumieren in der Tasche als vor fünf Jahren. Zielgruppen für den Einzelhändler sind also vorhanden!“, schloss Bernd Steinbrecher seine Ausführungen. Reicht Ihnen das Angebot in der Eschweiler Innenstadt? Muss das Marktviertel umgestaltet werden? Was bewegt Sie? Teilen Sie uns Ihre Meinung auf dem Fragebogen mit, der jüngst unserer Zeitung beilag und im Internet heruntergeladen werden kann. Unsere Redaktion geht Ihren Hinweisen in den nächsten Tagen nach.