Eschweiler: Beim gemeinsamer Feier die Not anderer im Blick

Eschweiler: Beim gemeinsamer Feier die Not anderer im Blick

Im Burghof von Weisweiler wurden schon viele Feste gefeiert. Aber einen solchen Ansturm wie am Sonntag habe er noch nie erlebt, staunte Pfarrer Wolfgang Theiler. Zu Hunderten strömten die Gäste herbei, um im Schatten der Evangelischen Auferstehungskirche das Erntedankfest zu feiern.

Da wurde am späten Nachmittag sogar das Bier knapp und musste eilig nachgeliefert werden.

Das Erntedankfest in Weisweiler ist in jedem Jahr ein großes und buntes Ereignis. Das hat viele Gründe. Besonders liegt es daran, dass die Evangelische Kirchengemeinde die Tradition des Ernteumzugs hoch hält. Auch in diesem Jahr wurde die mit Ähren geschmückte Erntekrone durch Weisweiler gefahren. Alte Lanz-Traktoren tuckerten über die Straßen, auf den Anhängern saßen die Kindergartenkinder und winkten den Zuschauern zu. Die Musikanten des Trommler- und Pfeiferkorps aus Kinzweiler folgten, dann Kinder auf geschmückten Fahrrädern und mehrere hundert weitere Festteilnehmer. Der Umzug endete im Burghof, wo bereits Grillfleisch und Würste auf dem Rost brutzelten.

Der Burghof der Evangelischen Gemeinde als Festgelände ist ein weiterer Grund, der dieses Erntedankfest gelingen lässt. Besonders natürlich bei einem solch strahlenden Spätsommerwetter wie am Sonntag. An den Tischen und Bänken unter großen schattigen Bäumen, umrahmt von den wuchtigen Burgmauern, lässt es sich gut feiern. Viele Stände waren dort aufgebaut. Es gab Weisweiler Senf und Holzofenbrot zu kaufen, die rührige Weisweiler Gruppe des Geschichtsvereins Eschweiler präsentierte sich und ihre Arbeit, der portugiesische Verein grillte Sardinen und Hähnchen, die Eine-Welt-Gruppe bot Handarbeiten an, Reibekuchen und Pommes frites brutzelten im Fett, eine Hüpfburg war aufgebaut, es gab eine Tombola, Kaffee und Kuchen wurden offeriert, und am Nachmittag sang der Jugendchor „Lautstark”.

Ein solches Rundum-wohlfühl-Angebot im Burghof ist nur möglich - und das ist der dritte Grund für die gelungenen Erntedankfeste in Weisweiler - durch die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aus der evangelischen Gemeinde ebenso wie aus der katholischen Pfarre St. Severin.

„Gelebte Ökumene” sei das, fand auch Pfarrer Josef Wienand von der katholischen Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Nordwest. Wienand gratulierte Theiler im Namen von Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand und der gesamten Gemeinde St. Severin zum 50-jährigen Bestehen der Evangelischen Gemeinde Weisweiler/Dürwiß.

Ein weiterer Gratulant war Bürgermeister Rudi Bertram. Er würdigte während der Familiengottesdienstes in der Auferstehungskirche das Engagement der Gemeinde. Dieses Engagement zeigte sich auch beim Erntedankfest, das unter dem Motto „Wenn das Brot, das wir teilen...” stand. Gerade bei einem solchen frohen Fest, so Pfarrer Wolfgang Theiler, sei es wichtig, zu bedenken, dass es Menschen gibt, für die das tägliche Brot nicht so selbstverständlich ist. Der Erlös des Festes wird deshalb den beiden Hilfswerken Misereor und Brot für die Welt zur Verfügung gestellt.

Besonders engagiert waren am Sonntag die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Gemeinde. Sie engagieren sich für die „Action Kidz” der Kindernothilfe. Mit dieser Aktion soll Kindern in dem afrikanischen Staat Sambia der Schulbesuch ermöglicht und Kinderarbeit verringert werden. Die Konfirmanden verkauften das Obst und das Gemüse, mit dem der Erntedank-Altar geschmückt war, und sie hatten einen Flohmarkt mit Kinder- und Jugendbüchern aufgebaut. Allein mit diesen beiden Angeboten kamen bei dem Fest im Burghof schon 200 Euro zusammen.

Darüber hinaus will die Konfirmandengruppe aber auch mit Hilfsangeboten in Haus und Garten Spenden sammeln. „Wir arbeiten, damit Kinder in Sambia nicht arbeiten müssen”, erläuterten sie den Besuchern.

In der Zeit bis zum 22. Oktober bieten die Konfirmanden deshalb gegen ein Spendenentgelt Dienste wie Babysitten, Fenster und Autos putzen, Laub kehren, Werbeflyer austragen, Einkaufen für Senioren und Ähnliches an.