Eschweiler: Beim Fußball siegt noch die Emotion

Eschweiler: Beim Fußball siegt noch die Emotion

Windkrafträder findet jeder gut, nur nicht vor der eigenen Haustür. Ähnliches gilt auch für Vereinsfusionen. „Die werden sicher irgendwann kommen”, ist ein gern gesagter Satz so manches Funktionärs.

Nur geschehen ist bisher wenig. Eschweiler Fußballvereine scheuen im Gegensatz zu den Stolberger Clubs den Zusammenschluss wie der Teufel das Weihwasser. Dabei machen es gerade die Fußballer in der Kupferstadt vor, dass Fusionen nicht nur finanziell, sondern auch sportlich sinnvoll sein können.

Schwieriger Prozess

„Das ist alles keine Frage des Verstandes, sondern der Emotionen”, sagt Dr. Christoph Herzog. Er muss es wissen, schließlich hat er eine Fusion zweier Vereine, die ihre Rivalität über Jahre gepflegt hatten, erfolgreich über die Bühne gebracht. Seit Januar 2011 besteht nur noch ein Schwimmverein: die Wasserfreunde Delphin Eschweiler, hervorgegangen aus dem SC Delphin Eschweiler und den Wasserfreunden Weisweiler. Herzog ist Vorsitzender der Schwimmer und des Stadtsportbundes. „Es war ein langer und schwieriger Prozess, aber es gab einfach auf lange Sicht keine Alternative”, räumt er heute ein.

Die Situation der Schwimmsportvereine war kompliziert geworden. Da die Schwimmhalle in Weisweiler Opfer der Abrissbirne geworden war, mussten sich zwei Vereine die Wasserfläche im Hallenbad Jahnstraße teilen. „Es gab Trainingsgemeinschaften, die dann im Wettkampf gegeneinander antraten - was für ein Unsinn”, berichtet Herzog. Irgendwann kam dann der Gedanke eines Zusammenschlusses. „Und dann darf es nicht darum gehen, dass der eine den anderen schluckt, alles muss auf Augenhöhe passieren.” Das führte dazu, dass sich beide Vereine im neuen Namen und auf Vorstandspositionen wiederfinden, also die Wasserfreunde und die Delphine. Klingt einfach, war es aber längst nicht. So hatte der eine oder andere Schwimmsportler Bedenken, welcher Teil des Vereinsnamens vorne und welcher hinten steht.

Rund zwei Jahre hat das Prozedere von den ersten Gedankenspielen bis zum neuen Verein gedauert. „Juristisch ist das kein unkompliziertes Thema”, sagt Herzog. So ähnlich, als verschmelze man zwei Firmen. Sämtliche Vorteile, die sich Herzog und seine Mitstreiter damals erhofft haben, sind eingetreten. Ganz verlustfrei ging das Projekt nicht vonstatten. Sprich: Es gab Mitglieder, die absolut gegen eine Fusion waren, und aus diesem Grund ausgetreten sind.

Ähnliche Konstellationen wie bei den Schwimmsportlern kennen die Fußballvereine auch. Vor allem die Jugendabteilungen greifen immer häufiger auf Spielgemeinschaften zurück, weil der Nachwuchs fehlt. Aktuell ist das in Hastenrath und Nothberg der Fall, Bei den Fußballsenioren sind Spielgemeinschaften allerdings in Eschweiler noch nicht aufgetreten. Die Frage nach dem Warum muss in der heutigen Zeit erlaubt sein.

Viele Vereine krebsen am Minimum herum, haben nur wenige oder gar keine Jugendmannschaften. Und ob Kreisliga B und C (oder gar D) auf Dauer so prickelnd ist, darf ebenfalls bezweifelt werden. Zumindest Diskussionen und Überlegungen, gemeinsam einen Platz (oder mehrere Plätze) und ein Heim zu nutzen, sollte nicht mehr tabu sein. Schließlich geht es auch ums Geld: Schon bei der Frage, ob die Hehlrather Sportfreunde einen Kunstrasenplatz erhalten sollen, wurde im Vorfeld heftig diskutiert. Auch die Frage, ob es gerechtfertigt ist, jedem Verein ein Vereinsheim zu bauen, darf in Zeiten knapper Kassen gestellt werden.

Hinter vorgehaltener Hand hoffen auch Kommunalpolitiker auf Vereinsfusionen, um die Zahl der Sportstätten reduzieren zu können. Offen spricht man nicht darüber: „Wer will schon Wählerstimmen riskieren?”, betonte vor einiger Zeit ein Stadtratmitglied zu dem Thema, das uns noch länger beschäftigen wird. Bei uns können Sie, liebe Leser, offen diskutieren.

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