„Eschweiler: „Bei uns erfolgt die Betreuung im Dialog!”

„Eschweiler: „Bei uns erfolgt die Betreuung im Dialog!”

Man gibt nicht nur, sondern es kommt auch sehr viel zurück.” So beschreibt Ursula Sieradzki ihre Arbeit im Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Eschweiler. Seit zwölf Jahren kümmert sie sich gemeinsam mit den anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern als gesetzliche Betreuerin meist um ältere oder geistig behinderte Menschen.

Sie unterstützt die Bedürftigen bei der Gesundheitspflege, Wohnungsauflösungen und verbringt Zeit mit ihnen. Sie hört zu, nimmt Ängste und spendet Trost. Sie ist da, wenn die Verwandten mit der Betreuung überfordert sind oder es keine Angehörigen mehr gibt.

300 Menschen nutzten das Angebot im Jahr 2010

Vor zwei Jahren hat Sieradzki ehrenamtlich den Vorsitz des SkF Eschweiler übernommen. Gemeinsam mit der hauptamtlichen Mitarbeiterin Carmen Rosendahl-Küpper blickte sie auf die Arbeit aus dem vergangenen Jahr zurück.

Im Jahr 2010 nutzten rund 3000 Klienten das Angebot des Vereins mit seinen 9 hauptamtlichen und etwa 50 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Dabei ist die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Eschweiler und Einrichtungen in der Städteregion von großer Bedeutung. Ein wichtiger Teil der Tätigkeit des SkF ist aber auch die Beratung. Den Klienten wird neben einer Schuldner- und Insolvenzberatung auch eine allgemeine soziale Beratung angeboten, die alle Lebensbereiche abdeckt. Aber auch die sozialpädagogische Familienhilfe und die Schwangerschaftshilfe stoßen zunehmend auf Bedarf. Insgesamt verzeichnen die Mitarbeiter einen erschreckenden Trend zur Bedürftigkeit. Gerade junge Menschen sind von Depressionen, Borderline und anderen psychischen Störungen betroffen, die intensiver Zuwendung bedürfen. Immer mehr Menschen suchen das Angebot der karikativen Einrichtungen. Dabei müssen sie jedoch oftmals erst eine große Hemmschwelle überwinden, die durch viele Vorurteile und durch Scham entsteht. Doch Ursula Sieradzki und Carmen Rosendahl-Küpper sind mit ihrem Team bemüht, die Ängste und Hemmungen abzubauen und ihren Klienten wieder eine Perspektive zu geben.

Die Chemie muss stimmen

„Dafür ist es sehr wichtig, dass die Chemie zwischen Betreuer und Klient stimmt.” Dies gilt natürlich besonders für die persönliche Betreuung. Einen hohen Anspruch haben die Frauen und Männer auch an die Qualität ihrer Arbeit. Als hauptamtliche Mitarbeiter sind ausschließlich Sozialarbeiter eingestellt. Aber auch die ehrenamtlichen Helfer werden vor dem Beginn ihrer Arbeit geschult, während ihrer Tätigkeit immer wieder fortgebildet und stets von den Hauptamtlichen betreut. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch dient zudem dazu, auftretende Probleme gemeinsam zu lösen. Aber auch die neu gegründete Arbeitsgemeinschaft der Betreuungsvereine in der Städteregion Aachen bietet den ehrenamtlichen Helfern ausreichend Unterstützung. Mittlerweile sind die Helfer in allen Eschweiler Pflegeeinrichtungen gern gesehene Gäste und Ansprechpartner. „Bei uns erfolgt die Betreuung im Dialog”, so Rosendahl-Küpper. „Es ist ganz wichtig, dass wir den Menschen ihre Mündigkeit nicht abnehmen, sondern sie unterstützen wollen.” Regen Zulauf verzeichnet auch die Kleiderstube des SkF. Das rein ehrenamtlich geführte Angebot bietet den Bedürftigen gut erhaltene Kleidung zu geringen Preisen. Besonders deutsche Mitbürger nutzen verstärkt das Angebot der Kleiderstube. Denn die finanzielle Not nimmt auch in Eschweiler immer weiter zu. Besonders berührt sind die Mitarbeiter, wenn Kinder von der Armut betroffen sind. Nach Abzug der laufenden Kosten bleibt am Ende des Monats noch kaum Geld für eine gesunde Ernährung. Aber auch mit vielen Vorurteilen haben die Bedürftigen zu kämpfen. Denn nicht selten geraten sie ungewollt in die Bedürftigkeit, die ihnen einen Stempel aufdrückt und das Gefühl von Minderwertigkeit vermittelt.

Mit Unterstützung der karikativen Einrichtungen sind sie nur allzu gerne bereit, an ihrer Situation etwas zu ändern. Doch die immer geringer werdenden Perspektiven für Schulabbrecher und Hauptschulabsolventen erschweren den Weg zudem. Besonders am Herzen liegen den Mitarbeitern ihre vier Gesprächsgruppen. Zwei Gruppen bieten Alleinerziehenden die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Bei dem „Samstagstreff”, der an jedem dritten Samstag im Monat um 10.30 Uhr unter der Leitung von Ursula Sieradzki angeboten wird, haben Mütter und Väter die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Frühstück. In dieser Zeit können auch die Kinder einmal ihre Sorgen vergessen und gemeinsam spielen. Seit einigen Monaten gibt es beim SkF nun eine vierte Gruppe.

Raum für offene Fragen

Hier wird verwandtschaftlichen Pflegeeltern unter der Leitung von Carmen Rosendahl-Küpper ein Raum für offene Fragen zur Verfügung gestellt. Das Angebot richtet sich an Großeltern, Geschwister, Tanten und Onkel, die die Pflege von Kindern aus der Verwandtschaft übernommen haben und nun Hilfe benötigen oder mit anderen Betroffenen sprechen möchten. Um auch in Zukunft das Betreuungsangebot in diesem Umfang aufrecht zu erhalten, ist der Verein auf finanzielle Unterstütz­ung angewiesen und freut sich über jede Spende. Denn mit der wachsenden Bedürftigkeit der Menschen wächst auch der Bedarf an Betreuung. Der Sozialdienst katholischer Frauen ist aber auch auf die Unterstützung durch neue ehrenamtliche Helfer angewiesen. Interessierte Mitbürger werden entweder als Mitarbeiter für die Kleiderstube oder aber als ehrenamtliche Betreuer gesucht. Für diese Arbeit ist es wichtig, dass man eine kontinuierliche Betreuung anbieten kann und für die Klienten zu einer zuverlässigen Instanz wird.

Carmen Rosendahl-Küpper und Ursula Sieradzki stehen gerne für ein persönliches Gespräch unter Telefon 02403/609180 zur Verfügung.