Bademeister retten Mann, der im Freibad Dürwiß Herzinfarkt erleidet

Vorfall im Dürwißer Freibad : Wenn Bademeister plötzlich zu Lebensrettern werden

Es ist ein Schreckmoment an einem der heißesten Tage im Juni. Ein Badegast erleidet auf der Rutsche im Dürwißer Freibad einen Herzinfarkt. Sofort sind Ute Bodden und ihr Kollege Sergej Bauer zur Stelle, ziehen den Mann aus dem Wasser, beginnen mit der Wiederbelebung.

Auf solche Vorfälle können sich die Bademeister zwar theoretisch vorbereiten, in der Praxis ist die Situation aber nicht planbar. Deshalb war es umso wichtiger, die Nerven zu behalten.

„Es ist wirklich lobenswert, dass die Rettungskette so gut funktioniert hat“, sagt Ute Bodden vom Bäderteam. Konkret bedeutet das: Auf zwei Positionen im Freibad stehen immer Bademeister, so haben die Gäste, aber auch das Personal eine Anlaufstelle. Im Fall des Mannes auf der Rutsche war Sergej Bauer dann für den Verunfallten zuständig, während Bodden den Notruf abgesetzt hat.

In der Situation ging alles ganz schnell. Bodden erinnert sich noch an den Moment, als ihr klar war, dass etwas überhaupt nicht stimmt: „Der Badegast ist mit dem Kopf als erstes die Rutsche runtergekommen und hatte die Augen verdreht.“ Ihr Kollege Bauer sei sofort ins Wasser, um den Gast am Ende der Rutsche in Empfang zu nehmen und aus dem Wasser zu holen. „Dann haben wir festgestellt, dass er keine Atmung und keinen Puls mehr hatte“, erzählt sie. Als ihr Kollege mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnt, sind sofort zwei weitere Badegäste zur Stelle – einer Mediziner, einer Intensivpfleger. Sie helfen, bis die Feuerwehr mit dem Rettungswagen innerhalb kürzester Zeit eintrifft.

„Ihnen allen möchte ich wirklich danken, sie haben super Unterstützung geleistet“, betont Bodden. Lobenswert seien auch die Gäste gewesen, die ihre Decken als Sichtschutz aufgespannt hatten. So schützten sie den Mann vor anderen Besuchern, die sich das Spektakel aus reiner Sensationslust ansehen wollten.

Die beiden Ersthelfer seien nach dem Abtransport des Patienten sofort verschwunden. Bodden mutmaßt, dass die Situation für die beiden Profis nicht so aufwühlend gewesen sei. Für sie und Kollegen Bauer hingegen war es schon ein seltenes Ereignis. „Das hakt man nicht ab wie ein Arzt, der jeden Tag Menschen operiert“, sagt sie. Deshalb war sie umso erleichterter, als das Eschweiler Krankenhaus das Bäderteam ein paar Tage nach dem Vorfall kurz über den Gesundheitszustand des Mannes informierte. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut.

„Es ist eine kleine Erlösung, wenn man hört, dass er es überlebt hat“, betont Bodden. Sie habe schon viel an diesen Tag gedacht. Immerhin: Die Schuldfrage stellt sich Bodden nicht, für einen Herzinfarkt kann schließlich niemand etwas. „Schlimmer wäre es, wenn jemand ertrinkt, denn dann würde man sich schuldig fühlen.“

In ihrer Karriere beim Bäderteam der Stadt hat sie solch eine Situation überhaupt erst zweimal miterlebt. Einmal an besagtem 29. Juni. Das andere Mal kurz nach ihrer Ausbildung, die sie vor 35 Jahren bei der Stadt begonnen hat. Damals war sie beim Schulschwimmen dabei, wo ein Kind tatsächlich ertrunken ist – aber wiederbelebt werden konnte. „Aus diesem Kind ist jetzt ein netter junger Mann geworden“, erzählt Bodden mit einem Schmunzeln. Bisher hat sie also eine gute Erfolgsquote, wenn man davon denn sprechen kann.

Doch dass erst zweimal etwas so Schlimmes passiert ist, ist auch ihr und ihrem Team zu verdanken. Mit großer Sorgfalt wachen sie über das Geschehen im und am Becken. Immer mal wieder gibt es kleinere Verletzungen wie Schnittwunden und Sonnenbrand. Insektenstiche stehen vor allem ab dem August hoch im Kurs. Sonnenstiche und andere hitzebedingte Probleme kommen so gut wie nie vor, sagt Bodden.

Das Personal ist in jedem Fall auf alle Situationen bestens vorbereitet, einmal jährlich kommt die Feuerwehr und schult das Personal in Erster Hilfe und Herz-Lungen-Wiederbelebung. Der Rettungsschein muss alle zwei Jahre neu abgelegt werden. 19 rettungsfähige Mitarbeiter arbeiten im Freibad Dürwiß.

Jetzt auch mit Sicherheitsdienst

An heißen Tagen wie im Moment sind bis zu sieben Bademeister gleichzeitig im Einsatz. Auch am 29. Juni war es so voll, an diesem Tag waren 3180 Gäste im Bad – mehr als im gesamten Mai zusammengerechnet. Für das Team bedeutet das: Höchstleistung. Bereits um fünf Uhr morgens sind die ersten Mitarbeiter im Bad, um zum Beispiel den Beckenboden zu saugen und die Duschen zu reinigen. Abends, nachdem der letzte Gast gegen 20 Uhr das Freibad verlassen hat, stehen Aufräumarbeiten an. „Die Wiese sieht in diesem Jahr wirklich immer schlimm aus, obwohl wir schon Schilder aufgestellt haben“, klagt Bodden. Die Besucher würden ihren Müll nicht in die Mülleimer werfen, sondern einfach auf dem Rasen zurücklassen.

Wenn wiederholt gegen die Haus- und Badeordnung verstoßen wird, kann das Bäderteam auch Platzverweise aussprechen. Weil die betreffenden Personen sich in solch einem Fall aber bis zu einer halben Stunde Zeit lassen, um das Gelände zu verlassen, hat das Bad seit Anfang dieser Woche einen Sicherheitsdienst. „Die setzen um, was wir sagen, damit wir nicht eine halbe Stunde am Beckenrand fehlen“, erklärt Bodden. Außerdem käme es auch vor, dass die Besucher nicht auf das Badpersonal hören oder die deutsche Sprache nicht beherrschen. Zu Eskalationen sei es allerdings noch nie gekommen. „Das sind hauptsächlich Vorsichtsmaßnahmen.“

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