Schwurgerichtsprozess gegen Vater: Baby war schon tot, als die Sanitäter kamen

Schwurgerichtsprozess gegen Vater: Baby war schon tot, als die Sanitäter kamen

Sieben Monate alt war das Zwillingskind, als es an einem Sonntagmorgen Anfang Mai dieses Jahres nicht mehr aufwachte. Es lag tot im Bett. Zu dieser bislang nicht bekannten Erkenntnis kam am Montag in dem Prozess um die Tötung des Babys vor dem Aachener Schwurgericht die Kölner Rechtsmedizinerin Sibylle Banaschak.

Sie stellte nach den Zeugenaussagen der Rettungsassistenten fest: „Das Kind hat bereits vor und während der Reanimationsbemühungen des Notarztes nicht mehr gelebt.“ Die Mutter (29) gab an, sie habe ein ganz schwaches Baby neben sich im Bett vorgefunden und noch Atemzüge bemerkt.

Doch das scheint eher mütterliches Wunschdenken gewesen zu sein. Bei dem Kind waren womöglich bereits erste Anzeichen der Leichenstarre eingetreten, wie die im Mai über den Notruf alarmierten Rettungsassistenten am Montag im Zeugenstand berichteten. Sie hätten gesehen, wie der Notarzt versuchte, den Unterkiefer des Kindes zu bewegen, um ihn abzusaugen. Das Kinn habe sich aber schon nicht mehr bewegen lassen, schilderten die Sanitäter die traurigen Details.

Auf der Anklagebank wegen Kindestötung sitzt der Vater der Zwillingskinder und Lebensgefährte der Mutter, der 30-jährige Schwarzafrikaner Jackson E., der mit der Mutter und den zwei Kindern in einer Eschweiler Mietswohnung wohnte. Dem Angeklagten wird vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen vorgeworfen, das kränkelnde Kind aus Wut darüber, dass es nicht essen wollte, schwerstens misshandelt zu haben. Der Vater bestreitet dies.

Rechtsmedizinerin Banaschak legte am Montag dar, wie schwer die Verletzungen gewesen sind, die der Angeklagte dem Kind mutmaßlich am Nachmittag oder Abend des 4. Mai, als die Mutter Besorgungen machte, beigebracht haben soll.

Um mit den leichteren Verletzungen anzufangen: Ja, sagte die Medizinerin, die im Vergleich zum Gesamtbild leichten Blessuren im Mundbereich des Kindes könnten von einem Fläschchen herrühren, das jemand ungeduldig und mit zu viel Kraft in den Mund des Kindes gedrückt habe. Die Mutter hatte berichtet, dass ihr Lebensgefährte keine Geduld gerade mit dem kleinen Jason hatte. Er sei auch an diesem Wochenende wie so oft weggefahren. „Zur Arbeit“, habe er gesagt. Tatsächlich aber sei er bei seiner Freundin im Ruhrgebiet gewesen.

Die bei der Obduktion festgestellten Kopfverletzungen jedoch seien gravierend und nicht von außen feststellbar gewesen, berichtete die Gutachterin. Auf der linken Seite des Kinderkopfes sei es ein gesplitterter Schädelbruch, auf der anderen Seite eine Ablösung der gesamten Unterhaut am Kopf des Kindes gewesen, die auf zwei einzelne gewalttätige Handlungen schließen ließen.

Ein einfaches „Hinfallen“ des Kindes, wie es oftmals aus Versehen am Wickeltisch geschehe, reiche für ein solches Verletzungsbild nicht aus, versicherte Banaschak. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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