Eschweiler: Ausstellung: Modellpferde machen sich im Klostergemäuer breit

Eschweiler: Ausstellung: Modellpferde machen sich im Klostergemäuer breit

Als man das Kloster betrat, war man sofort überwältigt. Überall stehen Tische aufgebaut und darauf präsentieren sich Hunderte von Modellpferden. Es liegt eine Spannung in der Luft, weil in der Mitte des Raumes einige Frauen um eine Tischgruppe hocken und sich eine Reihe der Tiere von allen Seiten anschauen.

Es sind die Punkterichter, die entscheiden, ob ein Pferd eine Platzierung erreicht oder nicht. All das ist Teil der ersten Modellpferdeausstellung im Umkreis von Aachen. Es ist ein Hobby, das nur wenig bekannt ist, aber die, die es betreiben, machen es mit Leidenschaft. Ursprünglich kommt es aus den USA und auch die Hersteller sind größten Teils aus Amerika. Aber über Onlineshops erhält man auch hier die beliebten Tiere der Firma Breyer. Das deutsche Pendant ist die Firma Schleich, deren Tiere vor allem bei Kindern sehr bekannt und beliebt sind. Wer Modellpferde sammeln will, braucht Zeit, Geduld, Platz und Geld. „Die günstigsten Pferde liegen bei 5 Euro, die teuersten aus den USA können bei 4500 Euro liegen“, berichtet Sonja Ellenberg, die bei der Eschweiler Ausstellung dabei ist. „Und wer einmal den Breyer-Virus hat, bekommt ihn nicht mehr los“, versichert Monika Fürst. Sie sammelt seit 2009 Modellpferde und ist am vergangenen Samstag die Ausrichterin der Modellpferdeausstellung im Kloster St. Jöris.

Performance ist ihr Gebiet. Sammlerin und Organisatorin Monika Fürst baut leidenschaftlich verschiedene Szenen mit ihren Pferden. Diese beinhaltet alles, was man für eine gute Platzierung braucht: ein hochwertiges Pferd, aufwendiges Zaumzeug, eine gut gestaltete Untergrundplatte und Liebe zum Detail.

Deshalb ist sie gleich doppelt aufgeregt; zum einen, weil sie nicht weiß, ob alles nach Plan ablaufen wird, und zum anderen, weil auch sie selber mit ihren Pferden an den Start geht. Bei einer solchen Veranstaltung treffen sich Sammlerinnen aus ganz Deutschland und zeigen ihre prächtigsten Pferde, aufwendiges Zaumzeug oder ganze Pferdeszenen. Sammlerinnen, weil dieses Hobby zu 90 Prozent von Frauen ausgeübt wird. „Es ist quasi die Modelleisenbahn für die Frau“, erklärt Sonja Ellenberg. Sie ist seit gut zehn Jahren dabei und reist ebenfalls zu den deutschlandweiten Treffen an.

Organisiert wird alles über das Internet. Die Modellpferdefreunde tauschen sich über Onlineforen aus, berichten über ihre Erfahrungen und verabreden Treffen oder eben Shows. „Das Hobby ist sehr vielfältig“, berichten die beiden Frauen. Es beginnt damit, dass man die Tiere selber bemalt, Zaumzeug herstellt, sich Szenen ausdenkt und diese auf einer Platte darstellt oder sogar Geschichten erfindet. Entsprechend dieser Möglichkeiten gibt es bei einer Ausstellung dann auch verschiedene Disziplinen, in denen bewertet wird. Zum einen die sogenannten „Liveshows“, in denen in verschiedenen Klassen Wettbewerbe ausgetragen werden, dann die „Performance“, bei der eine Gesamtkomposition bewertet wird, die einfache Pferdebewertung, bei der geschaut wird, wie die Tiere gearbeitet sind oder in welchem Zustand sie sich befinden, und das „Tack“, wobei es um das Zaumzeug geht.

Monika Fürst ist Expertin für Performance. In ihrer Freizeit gestaltet sie Holzplatten, auf denen sie dann zum Beispiel eine Prärie, eine Winterlandschaft oder einen einfachen Weg durch den Park anlegt. Sind diese fertig, wird frei nach Fantasie entschieden, welche Tiere und vor allem Pferde auf dieser neuen Landschaft aufgebaut werden. So fährt auf dem Parkweg bald eine Kutsche, gezogen von einem würdevollen Pferd, und aus dem Winterwald wird ein Zauberwald, weil ein weißes Einhorn dort einzieht. Alleine mit diesen Aufstellungen, die mit Modellbau verglichen werden können, erzielt Fürst sehr gute Platzierungen, aber das allein stellt sie nicht zufrieden.

„Riesigen Spaß macht es, zu diesen Szenen Geschichten zu erfinden“, verrät die Pferdeliebhaberin. Das macht sie alleine oder zusammen mit anderen Sammlerinnen, mit denen sie sich verabredet. „Dann stellen wir eine Szene nach der anderen und machen unendlich viele Fotos, die danach bearbeitet und zu einer Geschichte zusammengefügt werden.“ Doch auch wenn die Geschichten in ihrem Umfeld großen Anklang finden, am Tag der Ausstellung zählen allein die Pferde. „Bei uns zu Hause wohnen ca. 150 Stück.“, berichtet Johann Fürst, Monikas Mann, der ihr hilft, die Ausstellung zu organisieren und durchzuführen. „Aber nur einige wenige kommen mit auf die Ausstellung. Beim Rest zählt allein die Leidenschaft.“, ergänzt seine Frau. Und die Tiere, die mit zur Ausstellung kommen, müssen viele Kriterien erfüllen und sich gegen große Konkurrenz durchsetzen. Auch wenn die Richterinnen selbst Ausstellerinnen sind, die Bewertung ist knallhart. „Da kann schon mal ein kleiner Kratzer Platzierungen ausmachen.“, weiß auch Sonja Ellenberg. Aber nicht nur die Platzierungen, kleinen Preise oder sogar Pokale sind ein Grund, zur Ausstellung zu fahren. „Natürlich will man sich vergleichen, aber vor allem will man auch einmal die anderen kennenlernen, weil man sich ja sonst nur aus dem Internet kennt.“, erklärt sie.

Und auch Monika Fürst stellt den sozialen Aspekt mit in den Vordergrund. Wo sonst die Einnahmen an einem solchen Tag häufig den lebendigen Pferden zu Gute kommen, haben sie und Johann sich dazu entschieden, den Erlös dem Katharina-Fey-Kindergarten zu spenden. Natürlich gibt es auch hier eine Verbindung zum Thema, denn das Geld ermöglicht den Kindern therapeutisches Reiten, wovon sie sehr profitieren. Da ist es sehr erfreulich, dass auch die Firma, die die Breyerpferde vertreibt, spendete und die Tombola, die Familie Fürst organisiert hatte, ebenfalls gut ankam. Sonja Ellenberg ist angetan von Monika Fürsts erster eigener Modellpferdeausstellung und dass alles so gut geklappt hat, erleichtert das Ehepaar Fürst sehr. Nach diesem erfolgreichen Tag sehen sie sich darin bestätigt, auch im nächsten Jahr wieder eine Modellpferdeausstellung auszurichten. Dann allerdings in der Festhalle Kinzweiler „denn leider mussten wir in diesem Jahr aus Platzmangel schon einigen absagen“, erinnert sich Fürst.

(kaba)