Aussagen zum Rathaus-Quartier irritieren Bürgermeister Rudi Bertram

Rathaus-Quartier : Bürgermeister möchte keine Geschäfte aus niedrigem Preissegment

Das geplante Rathaus-Quartier ist schon eines der bestimmenden Themen in Eschweiler gewesen, da hieß das Areal noch gar nicht so. Seit neun Jahren wird darüber diskutiert, wie das zentrale Gelände rund um die Stadtverwaltung wieder mit Leben gefüllt und in ein vorzeigbares Zentrum der Stadt verwandelt werden soll.

Dementsprechend erhitzen sich die Gemüter in diesem Prozess, geht es doch um nichts Geringeres als um eine oder mehrere Immobilien, die das Erscheinungsbild der Stadt auf Jahre prägen. Und jetzt, da die letzten Schritte hin zu einem realisierbaren Großprojekt bevorstehen, kippt die Stimmung im Rathaus.

Auslöser ist der Artikel dieser Zeitung, in dem es in der Dienstagsausgabe darum ging, welche Geschäfte möglicherweise in das geplante Rathaus-Quartier mit Wohnungen, Büros und Nahversorgungscharakter ziehen werden. Auf Anfrage dieser Zeitung äußerte der Projektleiter des Investors Ten Brinke, dass die noch freien Flächen sehr wahrscheinlich an Filialisten aus dem niedrigen Preissegment vergeben würden.

Fixe Verträge gebe es noch nicht, der Investor setze auch keine zeitliche Vorgabe für die zu leistenden Unterschriften. Aber wie bei anderen bereits realisierten Einkaufs-, Nahversorgungs- und Fachmarktzentren werde sich Ten Brinke sehr wahrscheinlich aus einem Pool von eben jenen Filialisten der niedrigen Preisklasse bedienen.

Diese Aussagen gefallen Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram nicht. In einer schriftlichen Stellungnahme an die Redaktion äußert Bertram: „Ich persönlich sowie die Stadt Eschweiler haben den Investor mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass wir keine weiteren Geschäfte aus diesem Segment sehen möchten.“ Nun muss man wissen, dass die Stadt selbst keinen direkt Einfluss darauf hat, welche Geschäfte sich in der Immobilie ansiedeln könnten, weil sie ihr nicht gehört.

Das Gelände rund ums Rathaus: Der Schutt ist noch da, und das, was danach kommen sollen, liefert viel Diskussionsstoff. Foto: ZVA/Carsten Rose

Weiter erläutert der Bürgermeister: „Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch die jahrelangen Bestrebungen der städtischen Wirtschaftsförderung, Filialisten wie H & M, Zara, Mango etc. nach Eschweiler zu ziehen, erfolglos blieben.“ Mit anderen Worten: Die Stadt weiß sehr wohl, dass es schwer ist, Filialisten anderer Preisklassen für das Rathaus-Quartier zu gewinnen.

Damit reagiert Bertram auf die Formulierung, dass es dem Investor nicht möglich sei – auch wegen der Nähe zu Aachen – ein Geschäft mit „Anziehungskraft“ nach Eschweiler zu lotsen. Bertram: „Hier spielen der Onlinehandel und die schnelle Erreichbarkeit der Großstädte Aachen, Köln und Düsseldorf eine ausschlaggebende Rolle.“ Selbst wenn bei „Peek & Cloppenburg“, „das ja bereits in Eschweiler angesiedelt ist“, eine geplante Ansiedlung zum Beispiel in Aachen nicht abzusehen sei, „kann man sich die Schwierigkeiten nur ausmalen“, schreibt der Bürgermeister weiter.

Fest steht, dass der Vollsortimenter Edeka, die Discounter Netto und Aldi, der Drogeriemarkt Müller, das Fitnessstudio Fit X, das Bekleidungsgeschäft Ernsting’s Family, ein Lotto-Geschäft und eine Apotheke ins Rathaus-Quartier einziehen sollen. Zudem entstehen etwa 50 Wohnungen in zentraler Lage, die sich die Bürger seit Jahren wünschen, betont der Bürgermeister. „Diesem Wunsch kommt die Stadt beziehungsweise Ten Brinke auch nach.“

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