Stolberg/Eschweiler: Ausbildungsbörse: Mit Stift und Papier in die Zukunft

Stolberg/Eschweiler: Ausbildungsbörse: Mit Stift und Papier in die Zukunft

Florian Kriege hat sich diesen Termin rot in seinen Kalender eingetragen. Er hat sich fest vorgenommen, die Ausbildungsbörse der Städte Stolberg und Eschweiler zu besuchen. Zum vierten Mal findet die Info-Messe statt, zum ersten Mal in den Räumen des Berufskollegs Stolberg.

Florian Kriege, 19, steuert vor allem einen der rund 50 Stände an. Es ist der Stand vom Deutschen Roten Kreuz, den Florian im Visier hat. Denn er will Rettungssanitäter werden. Das weiß der Schüler des Ritzefeld-Gymnasiums schon lange. „Ich bin eigentlich nur deswegen hier”, sagt er. Christian Jansen hat es bereits geschafft. Er arbeitet als Rettungssanitäter.

Er ist nur ein paar Jahre älter als Florian - und deshalb genau der richtige Ansprechpartner. „Man weiß nie, was auf einen zukommt”, erzählt er dem Schüler aus seinem Berufsalltag und zählt auf, was für den Beruf verlangt wird. „Mindestens 18 Jahre alt sein, ein Jahr Fahrpraxis, teamfähig, flexibel, kontaktfreudig und bereit sein, 24-Stunden-Dienste zu übernehmen.” Florian Kriege nickt. Einiges wusste er im Vorfeld schon. Jetzt zeigt ihm Jansen noch den Rettungswagen. Beatmungsgerät, Traumafach, Vakuum-Matratze, Funkanlage, Kinderkoffer - so würde Florians zukünftiges „mobiles Büro” aussehen. „Er bringt sehr gute Voraussetzungen mit”, sagt Jansen später über den Schüler.

Die Börse ist ein Ort, an dem sich die Jugendlichen nicht nur Infos über Ausbildungsberufe aller Sparten - von Industrie, Handel bis Handwerk - holen können. Im besten Fall werden hier auch erste Kontakte zu den Ausbildungsleitern geknüpft. Stephan Janßen, Teamleiter Regional-Marketing der AOK, schaut sich die interessierten Schüler ganz genau an. „Klar, viele laufen einfach nur kurz vorbei, um sich einen Kugelschreiber abzuholen”, sagt er. „Aber ich habe auch schon ein paar intensive Gespräche geführt. Hier hat man die Gelegenheit, eine Vorauswahl zu treffen, auch wenn die Schüler natürlich noch den Test und das Assessment-Center durchlaufen müssen. Aber ich kann ihnen schon mal sagen, ob sie gute Chancen haben oder nicht.”

Auf drei Etagen werden die Schüler aus Stolberg und Eschweiler über die verschiedenen Ausbildungsberufe informiert. Auch Bajramsha Selmani, 16, macht sich eifrig Notizen. Sie hat von ihrer Schule eine Tabelle zum Ausfüllen bekommen, in die sie eintragen kann, welche Anforderungen und Abschlüsse in den jeweiligen Betrieben verlangt werden. Eigentlich weiß die Hauptschülerin aus Stolberg zwar schon, dass sie Einzelhandeskauffrau werden möchte - am liebsten in einem Modegeschäft. Aber sie will sich trotzdem schlau machen, ob es nicht noch andere Ausbildungsberufe gibt, die zu ihr passen könnten.

„Obwohl es so viele Beratungsangebote gibt, haben viele Jugendliche noch Traumvorstellungen”, sagt Ingrid Wagner, Schulleiterin des Berufskollegs. „Viele Jungs wollen zum Beispiel Kfz-Mechatroniker werden. Dabei ist ihnen oft gar nicht bewusst, wie anspruchsvoll der Beruf ist, und welche Kompetenzen gefragt sind.” Wagner freut sich, dass die Börse erstmals in der Stolberger Schule stattfindet. „Es ist ein sehr authentischer Ort für diese Veranstaltung. Denn hier findet doch berufliche Bildung statt”, sagt sie und beobachtet zufrieden, wie sich die Schüler ins Gespräch mit den Azubis der regionalen Betriebe vertiefen.

Spielerisch nähern

Auch spielerisch können sich die Besucher ihren potenziellen Ausbildungsberufen nähern. Am Stand der Stadtverwaltung Eschweiler haben die Auszubildende Alina Hilgers und ihre Kollegen einen Quiz vorbereitet. Stephanie Cordewener, 18, und Cenk Aydogan, 20, machen mit und klicken sich mit der Computermaus durch die kniffligen Fragen.

„Ich habe schon ein Praktikum bei der Stadtverwaltung Eschweiler gemacht”, erzählt Stephanie. „Jetzt wollte ich noch etwas genauer wissen, welche Voraussetzungen man für den gehobenen Dienst mitbringen muss.” Eine Fachhochschulreife, gute Mathe- und Deutschkenntnisse sind wichtig, hat ihr die Auszubildende Alina Hilgers mit auf den Weg gegeben. Cenk Aydogan interessiert sich mehr für den Stand der Bundeswehr. „Ich will Wirtschaftsingenieurwesen studieren, das geht auch bei der Bundeswehr”, hat er erfahren.

Die vielen Flyer, die er schon gesammelt hat, kann er kaum noch in den Händen halten. Er steckt ein paar in seine Tasche. „Ich find´s gut, dass die Arbeitsagentur Broschüren über Studiengänge verteilt hat”, sagt er und eilt zum nächsten Stand.

Viele Infos hält die Börse bereit. „Aber nicht zu viele”, finden Nina Kothe, 17, und ihre Freundinnen vom Berufskolleg Eschweiler. „Weil wir im Moment sowieso Bewerbungen schreiben müssen, ist das perfekt hier.” Bewerbungen schreiben, das steht auch Florian Kriege nach seinem Abitur bevor. Die Rettungssanitäter vom Deutschen Roten Kreuz stehen dabei ganz oben auf seiner Liste.

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