Eschweiler: Aufführung behandelt Freundschaft, Toleranz und Umgang mit Außenseitern

Eschweiler: Aufführung behandelt Freundschaft, Toleranz und Umgang mit Außenseitern

Kann man einen Freund haben, der „anders“ ist? Diese Frage stellte am Montagmorgen ein Schauspielerquartett des im westfälischen Soest ansässigen englischsprachigen „White Horse Theatres“ den Schülern der fünften und sechsten Jahrgangsstufe des Städtischen Gymnasiums.

Das professionelle Ensemble mit Kelly Blackburn, Lisa Sorensen, Ben Legg und Charles Lomas führte auf der Bühne der Schulaula das Stück „Billy‘s Friend“ auf, das vom englischen Schauspieler, Schriftsteller, Regisseur und Musiker Peter Griffith, der das inzwischen größte pädagogische Theater Europas im Jahr 1978 ins Leben gerufen hatte, bereits vor 20 Jahren verfasst wurde, das in der Zwischenzeit aber eher an Aktualität gewonnen hat. Schließlich spielen die Themen Freundschaft, Toleranz sowie der Umgang mit Außenseitern in der Gegenwart eine bedeutende Rolle.

„Steck das Hemd in die Hose“

Billy‘s Vater ist arbeitslos und deshalb frustriert und wütend. Seinem Sohn gegenüber gibt er sich streng. „Ich bin dein Vater und du musst tun, was ich dir sage“, erklärt er, wenn er Billy wieder einmal zum Zigarettenholen in Richtung Kiosk schickt. Auch die Mutter des Schülers stellt in erster Linie Regeln auf. „Setz deine Mütze richtig herum auf den Kopf und steck das Hemd in die Hose“, spricht sie im Befehlston. Billy fühlt sich von seinen Eltern vernachlässigt und einsam.

Dies ändert sich schlagartig, als er Geraldine kennenlernt. Doch Geraldine ist „anders“ als die Freunde anderer Jugendlicher. Geraldine ist ein Gorilla! Und wird von allen anderen entschieden abgelehnt. „Der Gorilla sieht anders aus und muss deswegen gefährlich sein“, so die Logik der Menschen in Billy‘s Umfeld. Schließlich rückt sogar die Armee an, um Geraldine unschädlich zu machen. Der Gorilla kann sich jedoch erfolgreich verbergen, so dass die Soldaten unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Allerdings nicht ohne die Menschen aufzufordern, sich vor dem außergewöhnlichen Lebewesen „in Acht zu nehmen“. Billy wird bewusst, dass er Menschen finden muss, die keine Angst vor Geraldine haben und dem Gorilla unvoreingenommen gegenübertreten. Schließlich findet er diese Personen, die darüber hinaus Billy‘s Vater mit einem Arbeitsplatz versorgen. Die Frustration schwindet. Billy und sein Vater verstehen sich besser.

Ein ernstes Thema

Im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch brachten die Schauspieler den Schülern des Städtischen Gymnasiums, die immer wieder interaktiv in das aktionsreiche Geschehen auf der Bühne und in der ganzen Aula eingebunden wurden, ein ernstes Thema sprachlich anspruchsvoll, aber wohl für alle Zuhörer verständlich, näher. Mit lautstarkem Applaus belohnten die jungen Zuschauer und -hörer die engagierten Darsteller, die nach der letzten Szene die Fragen aus dem Publikum bereitwillig beantworteten.

(ran)