Eschweiler: Aufbruchstimmung am Blausteinsee

Eschweiler: Aufbruchstimmung am Blausteinsee

Am Blausteinsee weht seit Freitag ein Richtkranz. Endlich, wird sich so manch einer der Menschen gedacht haben, die zur kleinen Feier eingeladen waren. Kommunalpolitiker aller Farben, Vertreter von Stadt und Blausteinsee-GmbH sowie von der Indeland-GmbH, vom Tagebau und Kraftwerk — sie alle waren neugierig, wie es nun am See weitergeht.

Seit Freitag herrscht Gewissheit, dass in diesem Jahr noch die erste Wurst am Seeufer verkauft wird. Wenn auch erst an der Theke des Strandpavillons. Im Juli soll dort der Betrieb beginnen. Wenige Wochen später soll der Bau des Restaurants am Seezentrum losgehen.

ergfvde

Entsprechend erleichtert zeigte sich der Technische Beigeordnete Eschweilers und Geschäftsführer der Blausteinsee-GmbH, Hermann Gödde, beim Richtfest. „Es sind oft die kleinen, feinen Dinge, die zeigen, dass es vorwärts geht“, sagte er. Die Diskussionen der Vergangenheit seien wichtig und richtig gewesen, meinte er. Dabei nannte er indirekt auch die Hürden, die zu nehmen waren und nach wie vor zu nehmen sind: die Debatte über die Wasserqualität, der Streit im die Lage der Bojenkette und nicht zuletzt das Scheitern beim Versuch, ein Resort mit großem Wellnesshotel dort zu errichten. Seit Freitag ist das alles Schnee von gestern — das zumindest sollte das Richtfest des Strandpavillons deutlich machen. Deswegen verkündete Gödde auch das Ergebnis der achten Wasserprobe in diesem Jahr: „Wir haben nach wie vor eine hervorragende Qualität als Badegewässer.“ Die Temperaturen luden allerdings nicht dazu ein, einen Sprung ins Nass zu wagen.

Der kleine Bau an der Liegewiese soll mit seinem weit nach vorne ragenden runden Dach an ein Surfbrett erinnern. Die Terrasse, so sagt der Eschweiler Architekt Ralf Scholl, solle auch für kleine Empfänge nutzbar sein. Als optisches Plus werden Dach und Pavillon in der Dunkelheit angestrahlt. Und barrierefrei ist das Angebot auch, denn der Strandkiosk ist vom Kreisverkehr aus ebenerdig zu erreichen. Scholl blickte nach vorne, denn bald werden auch die Bagger für den Restaurantbau anrollen. Dessen Dach soll an ein Segel erinnern. Stilecht soll es ebenfalls hinter der großen Glasfassade an der Promenade des Seezentrums zugehen: „Theke und offener Kamin werden mit Blaustein verkleidet“, berichtete Scholl. Eine Hommage an den Standort, den Blausteinsee. Wert legte die Blausteinsee-GmbH darauf, dass vorrangig Unternehmen aus der Region den Bau umgesetzt haben.

Bürgermeister Rudi Bertram erinnerte an den Anfang des Blau­steinsees. Vor 19 Jahren, im Jahr 1994, wurde das erste Wasser in das Tagebaurestloch gelassen. Heute sei der Blausteinsee ein Teil des „optischen Strukturwandels“, formulierte es der Eschweiler Verwaltungschef. Zugleich betonte er, dass man Zusagen eingehalten habe: „Der See ist heute für alle Bürger da und nicht für einen kleinen elitären Kreis.“

Den Richtspruch hielt Zimmermann Hermann Kratzenberg, der, der alten Tradition folgend, auch ein Glas gegen die Wand warf: „Über starken Wänden, festem Grund, das Dach kragt aus — nach vorne rund. Damit‘s für lange Zeit von Nutz den Gästen biete sich‘ren Schutz.“ Dieser war auch bitter nötig, denn zum Richtfest öffnete der Himmel seine Schleusen.

Als schlechtes Omen will Hermann Gödde den Regenguss allerdings nicht verstanden wissen: Er deutete an, dass man im August mitteilen will, wie es nach dem Restaurantbau weitergeht. Im Gespräch sind erste Appartmenthäuser oberhalb der Liegewiese. Mit Investoren ist die Blausteinsee-GmbH in intensiven Gesprächen. Sie will also den Weg der kleinen Schritte fortsetzen, nachdem man jahrelang vergeblich auf der Suche nach einem Großinvestor war.

Die Blausteinsee-GmbH wurde im Jahr 1982 gegründet und betreibt den See. Ihr gehören neben Eschweiler auch die Städte Stolberg, Würselen und Alsdorf sowie die Gemeinde Aldenhoven an. In den vergangenen Monaten war er vielfach wegen der schlechten Wasserqualität kritisiert worden. Seitdem veröffentlich die Stadt Eschweiler die Ergebnisse der regelmäßigen Wasseruntersuchungen auf ihrer Homepage (www.eschweiler.de). Neben den hohen Keimwerten, die sich inzwischen deutlich verringert haben, kritisierten Taucher die schlechte Sicht unter Wasser. Diese sei dem hohen Eisengehalt im See zu verdanken, meinten die Wassersportler. Die Wasserexperten von Tuttahs & Meyers in Aachen widersprachen der Annahme, dass der Eisengehalt zu hoch sei: Das Element verhindere, dass der See umkippe, teilte Markus Schröder mit. Der Anteil im Blausteinseewasser liege deutlich unter den vorgegebenen Grenzwerten. Das Aachener Ingenieur-Büro ist seit dem Abzug der Braunkohlebagger mit dem Blau­steinsee betraut. Am Freitag spielten die Diskussionen dann keine entscheidende Rolle mehr.

www.blausteinsee.com

Mehr von Aachener Zeitung