Eschweiler: Auf dem Gelände des Indestadions sollen bald Wohnungen entstehen

Eschweiler: Auf dem Gelände des Indestadions sollen bald Wohnungen entstehen

Das Unkraut wächst, die Betonelemente der 5000 Menschen fassenden Tribünen verfallen: Nichts erinnert mehr an den feierlichen Moment im Jahr 1977, als der damalige Eschweiler Bürgermeister Fritz Koch die „Sportanlage Leuchterfeld“ eröffnete.

Später kannte man die Anlage nur als Indestadion, wo vor allem die die Fußballer der ESG jahrelang erfolgreich auf Punktejagd gingen. Die goldenen Zeiten der ESG sind lange vorbei, und bald sind auch die Tage des Indestadions endgültig gezählt: Läuft alles glatt, dann beginnen Ende des kommenden Jahres die Arbeiten an der neuen Wohnsiedlung auf dem etwa 26.000 Quadratmeter großen Areal.

Bald ebenfalls ein Bild mit historischem Charakter: Der Sportplatz Patternhof weicht einem Wohngebiet. Foto: Patrick Nowicki

Im Eschweiler Rathaus ist man optimistisch, auch hinter diesen Plänen in naher Zukunft einen Haken machen zu können. Der Stadtrat fasste den Beschluss bereits im Dezember 2005. Eine der Ideen damals: Mehrgenerationenwohnen am Wasser. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Anlage kaum noch für Sport genutzt. Das Wasser wird auch in den aktuellen Plänen eine entscheidende Rolle spielen.

Die Gespräche mit dem Wasserverband Eifel-Rur sind weit fortgeschritten, die sogenannten Wasserrahmenrichtlinien wurden abgesteckt. So soll die Inde dort renaturiert werden, als Hochwasserschutz wird ein Wall aufgeschüttet. Auf dem Wall: ein Radweg, der bis in die Innenstadt führt. „Wir hoffen, dass schon Ende des kommenden Jahres die Arbeiten beginnen können“, sagt der Technische Beigeordnete Hermann Gödde. Dafür sollen auch Fördermittel nach Eschweiler fließen.

Pläne durchlaufen Verfahren

Die Pläne müssen allerdings zunächst noch die erforderlichen Verfahren durchlaufen. Im kommenden Planungs- und Umweltausschuss sollen die Kommunalpolitiker den erneuten Aufstellungsbeschluss beschließen. Anschließend kommen die Bürger zu Wort und können die Pläne einsehen.

Vorgesehen sind 41 Wohnhäuser. An der Inde sollen sechs Mehrfamilienhäuser mit maximal zehn Wohnungen entstehen, sodass auf dem Areal des ehemaligen Indestadions insgesamt 101 Wohneinheiten gebaut werden. Die Stadt Eschweiler als Grundstückseigentümerin will das Gebiet mit Partnern entwickeln, allerdings selbst nicht bauen. Der Grund gehört der Kommune.

Als das Aus des Inde­stadions als Sportstätte besiegelt wurde, war die Zweckbindung Sportanlagen abgelaufen. Sie beträgt 25 Jahre. Damit war klar, dass die Stadt bei einem Abriss des Indestadions nicht die seinerzeit erhaltenen Fördergelder zurückzahlen muss. 1,7 Millionen Mark hat die Anlage im Jahr 1977 gekostet, davon waren 951 000 Mark staatliche Zuschüsse.

Dass der Abriss des Indestadions und der Sportanlage Patternhof knapp hintereinander erfolgen sollen, war vor zwölf Jahren noch nicht absehbar. An der Bergrather Straße werden allerdings frühestens im Jahr 2019 die Bagger anrollen, da das Planverfahren gerade erst anläuft und noch Bodengutachtern erforderlich waren. Zwei Varianten wurden diskutiert, letztlich favorisiert man die Lösung, die die meisten Wohnungen verspricht: etwa 100.

Wegen der Nähe zur Innenstadt will die Verwaltung dort auch ihrem Auftrag nachkommen, Platz für bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Zehn Einfamilienhäuser, 40 Wohnungen in sogenannten Stadtvillen und 50 Einheiten in Mehrfamilienhäuser sollen letztlich dort entstehen. Erschlossen wird das Areal über die Straße Patternhof. Die Mehrfamilienhäuser sollen sich in die Häuserreihe an der Bergrather Straße einfügen.

Zunächst Kita geplant

Am Sportplatz Patternhof sollte zunächst eine fünfgruppige Kita gebaut werden. Bei den Untersuchungen stießen die Planer jedoch auf unterirdische Schächte und Betonplatten. Es stellte sich heraus, dass sich dort früher eine Mühle befunden hat, die mit Wasser aus der dort mäandrierenden Inde gespeist wurde. Zudem befand sich bis Ende des 19. Jahrhunderts dort ein Zinkwalzwerk.

Da die Zeit drängte, entschied man sich kurzerhand, die Kita am Grünen Weg zu bauen. Mit der Aufstellung des Bebauungsplans Südlich Patternhof schuf die Stadt die Voraussetzung für den Erhalt von Fördergeldern, die dringend für die Beseitigung von Altlasten in dem Areal benötigt werden.

Die Stadt reagiert mit den Baugebieten auf die große Nachfrage nach Wohnungen in Eschweiler. Vor Wochen rechnete der Technische Beigeordnete Hermann Gödde vor: „Zwischen 2010 und 2016 wurden 21 Bebauungsplanverfahren mit einem Potenzial von circa 1000 Wohneinheiten abgeschlossen, bei denen die Erschließung gesichert ist.“ Weitere zwölf Bebauungspläne mit etwa 450 Wohneinheiten seien zurzeit im Verfahren. Dazu zählen auch die Baugebiete Südlich Patternhof und Indestadion.

Es seien überwiegend private Investoren, die Wohnraum schaffen. Die Beispiele Seniorenresidenz Weisweiler, Marktforum Langwahn und Rathaus-Quartier würden zeigen, dass die Indestadt für auswärtige Investoren attraktiv sei. Auch die Schließung von Baulücken soll helfen, Wohnungen zu schaffen: 325 davon sind inzwischen im Rathaus registriert mit einer Gesamtgröße von 182.959 Quadratmetern. Allerdings ist nicht jeder Eigentümer bereit, seine Fläche zu bebauen.

Entwicklung der Vereine

Dass der Sportplatz Patternhof und das Indestadion verschwinden, spiegelt die Entwicklung der Vereinslandschaft in Eschweiler wider. Schon vor Monaten verhandelten Verantwortliche des FV Eschweilers und der ESG über eine Fusion. Die Gespräche wurden nach Informationen unserer Zeitung zunächst auf Eis gelegt. Ohne Folgen blieben die Bestrebungen jedoch nicht: Die ESG schickte in dieser Saison keine Mannschaft in den Spielbetrieb.

Viele Kicker, die in der vergangenen Saison noch das Trikot der ESG trugen, wechselten im Sommer zum FV Eschweiler und spielen nun für die Mannschaft vom Wetterschacht. Ob es zur Fusion kommt oder die ESG Fußball aufgelöst wird, steht in den Sternen. Fest steht derzeit nur, dass die ESG-Spielstätten Patternhof und Indestadion in spätestens zwei Jahren Geschichte sein werden.

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