Eschweiler: Auch von Drohungen lässt sie sich nicht einschüchtern

Eschweiler: Auch von Drohungen lässt sie sich nicht einschüchtern

Eine gute Möglichkeit, sich Einbrecher und andere ungebetene Gäste vom Leib zu halten, ist nach wie vor ein großer Hund. „Echte Profis lassen sich davon aber nicht abhalten”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Gute Sicherungstechnik leiste meist bessere Dienste.

Viele Unternehmen setzten dennoch auf Wachhunde, die auf dem Firmengelände für Sicherheit sorgen sollen. Die Bedingungen unter denen solche Wachhunde gehalten werden, sind nach Meinung von Tierschützern oft nicht ideal oder gar unzumutbar. Und das bringt Tierliebhaber wie Natascha Najoan auf die Palme. Das Herz der schlanken Frau mit den schwarzen Haaren gehört den Tieren. Für ihre Schützlinge verzichtet sie auch gerne mal auf Geburtstagsgeschenke und bittet ihre Gäste lieber für Tierschutzorgansiationen zu spenden.

Schon seit Monaten liegt sie nun mit dem Amt für Veterinärwesen der Städteregion Aachen im Streit. Auf dem Gelände eines Eschweiler Kfz-Betriebes hatte sie Hunde entdeckt, die ihr Dasein tagein tagaus in verdreckten Zwingern fristen müssen. Seit Jahren seien diese Hunde sich selbst überlassen, hätten keinerlei Ansprache und litten unter Bewegungsmangel, erklärt Najoan. „Wenn ich so etwas sehe, werde ich wütend”, sagt die engagierte Tierschützerin und zieht einen Stapel Fotos aus der Tasche. Auf denen ist ein heller Kangal in einem Zwinger voller Kot zu erkennen. Andere Bilder zeigen einen Dobermann und einen Haufen Scherben vor den Gitterständen.

Najoan hat nicht nur Fotos gesammelt, sie war mit Zeugen vor Ort (darunter auch ein Tierarzt) und versuchte mit den Haltern zu sprechen - ohne Erfolg.

Die Zustände schilderte sie auch dem zuständigen Veterinäramt der Städteregion. Mehrere andere Personen folgten ihrem Beispiel. Doch an der Situation änderte sich nichts - im Gegenteil. Mit jeder Meldung verschlechterte sich die Situation aus Sicht der Tierschützerin weiter. Die Halter brachten einen Sichtschutz und kleinmaschigere Gitter an, „um so den Kontakt zur Außenwelt weiter einzuschränken”, sagt Najoan.

Nach mehreren Telefonaten, Emails und persönlichen Gesprächen stellt das Veterinäramt in einem Schreiben lediglich fest, dass eine eingehende Prüfung der Hundehaltung vorgenommen worden sei. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für Verstöße gegen den Tierschutz ergeben. Die Versorgung der Tiere als auch deren Gesundheitszustand seien nicht zu beanstanden. Die Einrichtungen entsprächen den Vorgaben der Tierschutz-Hundeverordnung. Es sei zwar nicht zu klären, in welcher Weise die Hunde ausgeführt würden, auf dem Gelände sei aber auf jeden Fall genügend Auslauf gegeben. Beim Blick auf die Fotos, die Najoan im Laufe der Monate geschossen hat, fällt das schwer zu glauben. Auf der anderen Seite werden auch bei der Polizei immer wieder Firmeninhaber angezeigt, die ihre Wachhunde nicht tiergerecht halten würden. „Wir konnten aber in keinem Fall tierschutzrechtliche Verstöße feststellen”, sagt Kemen.

Immer wieder hat Natascha Najoan dem Veterinäramt geschrieben, hat Telefonate und persönliche Gespräche geführt, meist ohne Erfolg, oft bekam sie nicht mal eine Antwort. Auch für uns war der Leiter des Veterinäramtes am Montag nicht zu sprechen. Eine entsprechende Anfrage an die Pressestelle der Städteregion wurde bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

Ohne Reaktion sind die Bemühungen der Tierschützerin nicht geblieben: Über das Internet hat sie anonyme Drohungen erhalten. Aber einschüchtern lässt sich die couragierte Frau nicht. „Dann erst recht”, sagt sie trotzig.

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