Eschweiler: Arbeit an Unterkünften: 985 Flüchtlinge in Eschweiler registriert

Eschweiler: Arbeit an Unterkünften: 985 Flüchtlinge in Eschweiler registriert

Sie kommen aus Afghanistan, aus Syrien, aus dem Irak. Sie mussten um ihr Leben fürchten. Manche haben Schreckliches erlebt, haben Familienmitglieder verloren, die ermordet wurden oder verschollen sind. Jetzt sind sie in Eschweiler. In Sicherheit. Fast tausend Flüchtlinge leben zurzeit in Eschweiler.

Wir haben uns mit einigen von ihnen unterhalten. In einer kleinen Serie werden wir in den kommenden Wochen von diesen Menschen erzählen. Woher sie kommen und was sie mitgebracht haben an Schicksalen, an schlimmen und an schönen Erlebnissen, an Ideen und Träumen.

Julieta

Die Betreuung der vielen Menschen, die aus Krisen- und Kriegsgebieten geflüchtet sind und ab August des vorigen Jahres in Deutschland ankamen, war vor allem organisatorisch eine enorme Aufgabe. Eilig wurde Wohnraum für sie geschaffen, zunächst behelfsmäßig in den beiden Turnhallen an der Jahnstraße und am Berufskolleg. Dann in städtischen Gebäuden.

Ihre Tage sind gezählt: Neubauten sollen die Unterkunft an der Hüttenstraße (oben) ersetzen. An der Grachtstraße lösen bald Wohncontainer die maroden Baracken (unten) ab.

In der Donnerberg-Kaserne wurden Unterkünfte für bis zu 500 Menschen errichtet, am Kraftwerk Weisweiler wurden und werden noch Wohncontainer genutzt. Die Stadt Eschweiler kaufte das Haus Stich 30 und baute es um. Seit November wohnen dort Flüchtlingsfamilien.

Vom ersten Tag an wurden die Menschen, deren Flucht hier zu Ende ging, nicht nur von offiziellen Stellen betreut, sondern auch von engagierten Bürgern. Und das hat sich bis heute nicht geändert. „Es gibt überall in Deutschland ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge, aber so wie in Eschweiler, mit dieser Kontinuität, das ist einmalig und begeisternd“, sagt Eschweilers Erster Beigeordneter Hermann Gödde. Dutzende Eschweiler Bürger kümmern sich um Flüchtlinge, halten Sprachkurse, helfen bei Behördengängen, vermitteln bei Konflikten.

Derzeit sind 985 Flüchtlinge in Eschweiler registriert. Längst müssen sie nicht mehr in Turnhallen leben. Die Notunterkunft in der Jahnhalle wurde Ende März aufgelöst, die Unterkunft in der Sporthalle des Berufskollegs Ende April. Die Betten und Spinde, die dort benutzt wurden, lagern im Keller der Turnhalle Jahnstraße.

Auf dem Gelände der Donnerberg-Kaserne wohnen aktuell nur noch 87 Personen, und auch das nicht mehr lang. Ende August soll diese Unterkunft geschlossen werden. Die restlichen Flüchtlinge dort werden durch das Land Nordrhein-Westfalen anderweitig untergebracht — entweder in anderen Städten oder, wenn sie wieder ausreisen müssen, in Einrichtungen des Landes.

Wo Flüchtlinge leben — eine Übersicht

In der städtischen Unterkunft an der Severinstraße sind derzeit 92 Personen untergebracht, darunter vier Familien.

In der früheren Werksbaracke an der Grachtstraße leben derzeit 33 Personen (acht Familien). Sie sollen nach der Fertigstellung der Containerwohnungen, die auf dem gleichen Grundstück gebaut werden, dorthin umziehen. Gebaut werden zwei Blöcke mit je zehn Wohnungen. Nach Fertigstellung des ersten Blocks, voraussichtlich Ende August, wird das benachbarte alte Gebäude abgerissen. Der Aufbau der zweiten, baugleichen Container-Einrichtung ist für das vierte Quartal geplant. Die Kosten für diese Container sind erheblich.

Für jede der beiden Containeranlagen werden nach dem Bezug monatlich 9327,22 Euro fällig werden, bei einer Laufzeit des Vertrags von 60 Monaten. Danach wird es dann allerdings erheblich billiger: 2174,13 Euro, oder kaufen für 28 560 Euro. Die Stadt hat sich aus zwei Gründen für die teuren Container entschieden. Grund 1: Die Zeit. Der Wohnraum werde sofort benötigt, sagt Stadtsprecher René Costantini. Grund 2: Die Flexibilität. „Wenn nötig, könnten die Container kurzfristig aufgestockt, erweitert, abgebaut oder an einen anderen Standort gebracht werden.“

In den Unterkünften an der Hüttenstraße sind 73 Menschen untergebracht, darunter sind 20 Familien. „Zurzeit wird eine Konzeptentwicklung für Neubauten an der Hüttenstraße erarbeitet“, teilte René Costantini mit. Die alten Gebäude dort sollen langfristig abgerissen werden.

In dem Gebäude Stich 30, das im November bezogen wurde, leben jetzt 16 Familien mit 68 Personen. Vor der Inbetriebnahme dieser Einrichtung hatte es Bedenken aus der Nachbarschaft gegeben. Die sind zerstreut, versichert die Stadtverwaltung. Das gute Miteinander der dort lebenden Flüchtlingsfamilien, die aus dem Irak, Syrien, Afghanistan, Eritrea und Somalia stammen, ist auch dem Hausmeister dort zuzurechnen, weiß Hermann Gödde: „Der ist einfach toll, der ist quasi ein geborener Sozialarbeiter“.

Am Kraftwerk Weisweiler stehen Container, die noch voll belegt sind. Auch die vom RWE zur Verfügung gestellten Monteursunterkünfte werden noch genutzt. Insgesamt sind dort 63 Flüchtlinge gemeldet, alles ledige oder alleinstehende, meist junge Männer.

Im Viertel Gutenbergstraße haben zwölf Familien, zusammen 68 Personen, ein neues Zuhause gefunden. Die Menschen kommen aus Irak, Afghanistan, Syrien, Albanien und Georgien. Hier setzt die Stadt auf eine Mischung verschiedener Nationalitäten. Auch deutsche wohnungssuchende Familien werden dort untergebracht.

Derzeit werden in den Wohnblöcken an der Gutenbergstraße weitere zwölf Wohnungen, die bisher leer standen, von den Eigentümern von Grund auf renoviert. Die Stadt sorgt dann für die Einrichtung dieser zweimal sechs Wohnungen. Im September und Oktober sollen sie bezugsfertig sein. In der Gutenbergstraße gibt es zudem eine komplett eingerichtete Sozialstation der Arbeiterwohlfahrt, „die positiv angenommen wird von Familien, aber auch von den Jugendlichen“, berichtet Beigeordneter Gödde.

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