Eschweiler: Apfelernte: Zu viel frische Luft und Sonne schaden nur

Eschweiler: Apfelernte: Zu viel frische Luft und Sonne schaden nur

Es ist ein wahrer Bilderbuchtag: Die Sonne scheint, langsam verzieht sich die morgendliche Frische, goldgelb und rot strahlen die Äpfel auf den Hastenrather Obstplantagen. Die vielen Spaziergänger können von solch einem traumhaften Herbsttag gar nicht genug bekommen.

Hubert Hillemacher und sein Vater Josef dagegen hätten gegen den einen oder anderen Regenschauer und etwas kühleres Wetter nichts einzuwenden. „Dann hat man mehr Ruhe beim Pflücken”, sagt der 35-jährige Juniorchef zwischen den Obstbäumen, während unten im Hofladen Frau Tanja, Mutter Maria und zwei Verkäuferinnen die Ernte quasi frisch vom Ast an den Mann bringen.

Warum das? Macht ernten bei Sonnenschein nicht doppelt Spaß? Den Helfern schon, aber den Äpfeln tut die Wärme nicht mehr gut. Man kann beim Reifen fast zusehen. Und dann wirds höchste Zeit, so dass die Hillemachers derzeit im Dauereinsatz sind.

Wenn Josef Hillemacher einen Rundgang über seine Apfelplantagen macht, bleibt er immer wieder stehen, nimmt einen Ast genauer unter die Lupe, zupft an einem Blatt herum, das von winzigkleinen Würmern befallen ist und nimmt von Meisen aufgepickte Äpfel ab. Er kennt hier jeden Quadratzentimeter.

„Wir haben 30.000 Bäume. Wenn Sie einen davon wegnehmen, kann ich Ihnen genau sagen, wo er fehlt”, sagt der Obstbauer und schreitet weiter die Apfelreihe entlang. Oben, am Ende der Plantage, wo der Stadtwald nur wenige Meter entfernt ist, liegt ein ausgemusterter Baum: Ihn hat die Triebsucht-Krankheit befallen. „Woher das kommt, wissen wir nicht. Der Baum saugt das scheinbar über die Wurzeln auf”, vermutet Josef Hillemacher.

Viel interessanter sind für ihn aber die in unmittelbarer Nähe frisch angepflanzten Apfelbäume. Noch sind sie klein, die Äste geschickt abgebunden und tragen nur einige wenige Früchte. „Im kommenden Jahr sind sie dann bereit für eine komplette Ernte.” Und die läuft derzeit auf Hochtouren.

Jeder, der momentan entlang der Hastenrather Plantagen spaziert, kann es sehen: Schwer beugen sich die Äste unter der Frucht-Last. Wie lange so ein Apfelbaum genügend einbringt? „Früher hieß es 30 Jahre”. Heute aber kalkulieren Josef Hillemacher und sein Sohn mit etwa 20 Jahren.

Von den Plantagen tuckert der Trecker mit den vollbeladenen Hängern dann hangabwärts zum Hof. Dort werden die Äpfel in sechs riesigen Kühlräumen gelagert. Noch sind einige der hohen Hallen vollkommen leer. Aber schon bald stapeln sich hier acht Reihen der großen Kisten aufeinander.

Eine ganze Menge Technik steckt hinter den hohen gelben Toren, und auch eine Gefahr. Obwohl, wie Josef Hillemacher betont, hier keine zusätzlichen Gase oder sonstige Chemikalien zur Konservierung eingesprüht werden, bewirkt allein die Absenkung des Sauerstoffgehalts von 21 auf gerade einmal 1,2 Prozent eine längere Haltbarkeit für die Äpfel. Für den Menschen ist das natürlich gefährlich.

Die Formel ist einfach: „Sauerstoff bedeutet Verderb”, erklärt der Inhaber der Edelobstplantage. Durch die hochmoderne Lagerung können die Äpfel auch noch in einigen Monaten knackig frisch und mit einem herrlichen Aroma im eigenen Hofladen oder auf dem Wochenmarkt verkauft werden.

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