Eschweiler: Anschauliche Nachsorge für die Patienten

Eschweiler: Anschauliche Nachsorge für die Patienten

Wer nach einer Tumoroperation aus der Klinik für Urologie entlassen wird, der bekommt von Prof. Dr. Joachim Steffens ein ganz besonderes Geschenk. In dem kleinen, von ihm überreichten Päckchen mit roter Schleife befinden sich ein aus Fimo-Masse geformtes Abbild des betroffenen Organs und ein handgeschriebenes Papier. Damit will der Mediziner an wichtige Nachsorge-Maßnahmen erinnern.

Für viele ist die Medizin auch heute noch, trotz des immensen technischen Fortschritts, mehr als eine angewandte Naturwissenschaft. Sie erinnern an die enge, geschichtliche Beziehung zur Kunst, aus der die „Heilkunst“ erwachsen ist. Noch im vergangenen Jahrhundert gehörte der Besuch philosophischer und kulturhistorischer Vorlesungen zu den Pflichtveranstaltungen des Medizinstudenten. Große Künstler, ob Bildhauer oder Maler, waren immer auch scharfsichtige Anatomen. Was einen nicht wundern sollte, denn beide Gruppen haben vieles gemein: Die Faszination für den menschlichen Körper, den Geist und für das „Kunstwerk Leben.“

Vielleicht liegt auch darin die Tatsache begründet, dass viele Ärzte Kunst- und/oder Musikliebhaber sind und oft selbst künstlerische Dinge tun. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Joachim Steffens in jedem Fall. Der deutschlandweit anerkannte Urologe, der es regelmäßig in die Bestenlisten der Ärztebewertungen schafft, spielt Klavier, malt und modelliert als Hobby, ohne daraus ein großes Aufheben zu machen. „Ich mache das in meiner Freizeit zur Entspannung“, sagt er.

„Manche legen sich an den Strand, ich tobe mich stattdessen mit Acrylfarben, Salzteig oder Fimo aus.“ Irgendwann begann der Mediziner damit, aus den verwendeten Modelliermassen anatomische Modelle von Organen zu formen und diese für die Patientenaufklärung zu nutzen. „Die Resonanz war durchweg positiv“, erinnert sich der Chefarzt. „Meine Patienten konnten eine Niere oder Harnblase in die Hand nehmen und von allen Seiten betrachten, während ich ihnen genau erklärt habe, was im Laufe der Operation passieren wird.“

Diese erfreuliche Resonanz brachte den Mediziner jetzt auf die Idee, die aufmerksamkeitsstarken, handgemachten Organ-Modelle für ein besonders wichtiges Thema zu nutzen: die Nachsorge. „Viele Patienten halten sich nicht an die empfohlenen Maßnahmen. So soll zum Beispiel der Patient nach einer Blasenkarzinom-Operation seine neue Ersatzblase häufig und vor allem regelmäßig entleeren. Sonst kann es leicht zu Komplikationen kommen, die möglicherweise zu Nachoperationen führen“, warnt der Mediziner.

Um diese Gefahr einzudämmen bekommt jeder frisch operierte Patient jetzt bei der Verabschiedung ein Päckchen überreicht, in dem er „sein“ therapiertes Organ als Fimo-Modell, meist Niere oder Ersatzblase, vorfindet. Dazu ein handgeschriebenes Papier, das auf die Nachsorgemaßnahmen aber vor allem auch auf die Notfall-Telefonnummer des diensthabenden Urologen hinweist: „Dort kann rund um die Uhr ein Ansprechpartner aus unserem Team erreicht werden.“

Den Patienten gefällt’s, denn so ein Päckchen bleibt länger im Bewusstsein. „Viele von ihnen stellen das kleine Modell ins Bücherregal oder auf den Nachttisch, während jeder noch so schöne Prospekt ja doch nur in irgendeiner Schublade landet“, sagt Prof. Steffens. Längst hat der Urologe neue Pläne, wie er Hobby und Beruf auch weiterhin zum Nutzen der Patienten verbinden kann. „Ich arbeite gerade an einem Modell des weiblichen Beckens für unser Kontinenz- und Beckenbodenzentrum“, erklärt er. „Daran will ich unseren Patientinnen künftig erklären, wie man weibliche Inkontinenz am besten behandeln kann“. Und auch dabei giltnatürlich: Je einfacher und „begreiflicher“, umso besser.