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An Silvester arbeiten: Wenn man den Jahreswechsel mit Kollegen feiert

Jahreswechsel : Silvester mit den Kollegen verbringen

Feiertage bedeuten für die meisten Menschen ruhige, gemütliche Stunden mit Familie und Freunden. Doch nicht jeder hat die Möglichkeit, sich zum Beispiel an den Weihnachtstagen frei zu nehmen. Das gilt ebenso für den allerletzten Tag im Jahr: Silvester.

Wir haben Arbeitnehmer getroffen, deren Dienst auch am 31. Dezember dringend gebraucht wird. Erstaunlich daran: Kaum einer hat ein Problem mit der Arbeit an diesem Tag, denn Silvester scheint für viele keine außergewöhnliche Bedeutung zu haben. Trotzdem ist es meist kein Dienst wie jeder andere. 

Ein Gebiet, auf dem das vermutlich deutlicher wird, als überall sonst, ist die Feuerwehr. Sie hat in der Nacht des Jahreswechsels deutlich mehr zu tun. Die Bilanz des letzten Jahres zeigt: Knapp 50 Einsätze standen am Ende der Nacht im Protokoll. Die meisten der Notrufe erfolgten jedoch nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, zur Feuerbekämpfung. Deutlich häufiger muss die Wehr zu Rettungseinsätzen ausrücken. Trotzdem haben auch diese natürlich oft mit den Auswirkungen der Feuerwerkskörper zu tun.

Das berichtet Paul Velten-Christopher, stellvertretender Amtsleiter auf der Eschweiler Wache. „Vor allem Handverletzungen kommen immer wieder vor.“ Die Menschen gingen oft zu unbedarft mit den Raketen um, auch die illegalen Böller aus dem Ausland seien extrem gefährlich. „Die haben eine Wahnsinnssprengkraft“, gibt Velten-Christopher zu bedenken.

In der Silvesternacht selbst sind 15 Berufsfeuerwehrleute im Einsatz, dazu werden drei Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr in Bereitschaft versetzt. Diese können in ihren Gerätehäusern zwar feiern, – alkoholfrei, versteht sich – müssen aber im Zweifelsfall ausrücken. „Um die Sicherheit gewährleisten zu können, fahren wir die Programme hoch“, erklärt der Feuerwehrmann. Auf ein Ereignis wie in der letzten Silvesternacht, als das Westerndorf in Fronhoven abbrannte, sind die Einsatzkräfte vorbereitet. „Diese Sache hat uns gelehrt, dass auch morgens um 5 Uhr noch etwas passieren kann“, sagt Velten-Christopher.

Im „Normalfall“, also einer ruhigen Nacht, werden die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr im Laufe der Nacht entlassen. Die Berufsfeuerwehr absolviert ihren gewohnten Schichtdienst, das bedeutet 24 Stunden ab 7.30 Uhr. Bis dahin kümmern sie sich um Standardeinsätze wie brennende Hecken und Mülleimer.

Und wie feiern die Feuerwehrleute das Silvesterfest? „Alles, was der Betrieb zulässt, wird gemacht“, erzählt Velten-Christopher. Dazu gehöre gemeinsames Kochen und Essen sowie ein alkoholfreier Sekt zum Anstoßen. „Normalerweise geht es dann um kurz nach 0 Uhr richtig los“, weiß er. Sein persönlicher Rekord einer leeren Wache habe bei zwanzig Sekunden nach Mitternacht gelegen. Das soll sich dieses Jahr aber nicht wiederholen.Für Velten-Christopher persönlich ist der Dienst an Silvester kein Problem. „Im Grunde ändert sich nur das Datum, aber das passiert ja jeden Tag.“ 

Kraftwerk 

In Weisweiler steht das Kraftwerk an Silvester ebenfalls nicht still. Schließlich muss auch an diesem Tag die Stromversorgung gesichert sein. Hans Pitz ist Kraftwerksmeister und Blockführer, ihn und seine Kollegen von Schicht C trifft es in diesem Jahr. „Wenn die Anlage ruhig ist, dann können wir uns auf dem Leitstand versammeln und mit O-Saft aufs neue Jahr anstoßen“, berichtet er. Alkohol in jeder Form ist natürlich tabu.

Vom Feuerwerk in der Indestadt werden die Teams nichts mitbekommen, auch wenn das Dach des Kraftwerks eine hervorragende Aussicht bietet. Stattdessen müssen die Männer wie üblich die Monitore und Displays auf dem fensterlosen Leitstand im Blick haben. Um Mitternacht versuchen die Kollegen aber trotzdem, einen kurzen Moment inne zu halten. „Man steht für ein Viertelstündchen zusammen, isst was, philosophiert ein bisschen“, sagt Pitz. Wenn es aber eine Störung geben sollte, müsse die natürlich erst behoben werden. „Dann bleiben der Kartoffelsalat und die Frikadellen erstmal stehen“, erzählt Pitz.

Der Familienvater aus Langerwehe arbeitet seit 1992 bei RWE, dementsprechend musste er schon mehrfach an Feiertagen ran. „Es ist schon das x-te Mal, dass ich Dienst habe an Silvester. Aber als Wechselschichtler hat man sich damit arrangiert, dass das soziale Leben nicht so stattfindet wie normal.“ Schade sei es natürlich trotzdem, auf der anderen Seite könne er so den Jahreswechsel mit den Schichtkollegen erleben. Pitz findet: „Jede Schichtmannschaft ist wie eine Familie. Wir arbeiten halt schon lange zusammen.“ 

Mike Schönen, Christoph Schulten, Hans Pitz, Rainer Broßler und Eddie Vietz (v.l.) machen im Kraftwerk Weisweiler Dienst. Foto: Guido Steffen

Krankenhaus 

Das gilt auch für die Kollegen im St.-Antonius-Hospital. Auf Station 6a, der Onkologie, arbeitet das Team von Stationsleiterin Edith Loszycki. Drei Schwestern treten den Frühdienst an, zwei kommen dann am Nachmittag. Schwester Edith beginnt sowohl an Silvester als auch an Neujahr um 6 Uhr morgens. Zwar kann sie dann mit Familie und Freunden um Mitternacht anstoßen, Alkohol gibt es für sie aber nicht. Auch schlafen geht sie voraussichtlich früher als die meisten anderen.

Auf der Station ist kein Dienst wie der andere. Das gilt auch für Silvester. „Es hängt von den Patienten ab, ob man mit seinen Kollegen ein wenig ins neue Jahr feiern kann“, erzählt sie. Bis zu 24 Patienten finden auf ihrer Station Platz. „Manchmal ist es an den Feiertagen ein reines Laufen, denn wir arbeiten dann in geringer Besetzung“, erzählt sie. Sonst sei es aber meist ein normaler Arbeitstag, wenn auch in besonderer Atmosphäre.

Loszycki hält Silvester trotzdem für einen besonderen Tag, vor allem auch auf der Station. „Viele haben die Hoffnung, dass das neue Jahr besser wird.“ Und einen kleinen Trost gibt es für die Patienten immerhin: Von ihren Zimmern auf der sechsten Etage haben sie einen tollen Ausblick auf das Feuerwerk. 

Restaurant 

Viele Gaststätten veranstalten an Silvester besondere Events. In anderen ist normal geöffnet. Solch eines ist zum Beispiel das Restaurant Pera am Markt. Dort kellnert Leyla Yilmaz, auch am Silvesterabend. „Meine Aufgabe ist es, die Kunden glücklich zu machen“, erklärt sie. Das funktioniere am besten, wenn sie selbst auch glücklich sei. „Ich arbeite zwar, aber ich habe auch Freude daran“, sagt die 24-Jährige.

Um 23 Uhr hat sie Feierabend, zum Jahreswechsel „mit meinen Mädels“ schafft sie es also gerade pünktlich. Den Dienst tritt sie trotzdem freiwillig an. „Eigentlich hat man doch bis 0 Uhr sowieso nichts zu tun, dann kann ich auch Geld verdienen, bevor ich nur rumsitze“, lautet ihre Erklärung. Für Yilmaz hat Silvester sowieso keine große Bedeutung. „Es ist nicht unbedingt ein Feiertag“, sagt sie und ergänzt lachend: „Am Ende bleibt eh alles gleich, die Ziele erreicht man ja meist doch nicht.“

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