Eschweiler: An der Inde ticken die Männer wirklich anders

Eschweiler: An der Inde ticken die Männer wirklich anders

„Langsam bin ich zu alt für den Sch...” - unfassbare Worte, die ein „erstaunlich erstauntes Publikum” zurückließen. Ein Publikum, das plötzlich selbst auf der Bühne stand, das eine Art gemütliche Wohnzimmer-Konversation betrieb und das sich an diesem Abend „unerwartet” Beziehungsfragen widmen musste.

Und das, obwohl parallel zu diesem für Männer doch recht unangenehmen Thema das Champions-League-Finale im Fernseher tobte. „Ich finde, das ist ein Applaus wert, meine Damen”, so und in der Tat kein bisschen ironisch klatschte Kabarettistin Sylvia Brécko im Kulturzentrum Talbahnhof für ihr doch auch gut männlich besetztes Publikum.

Die nervigste Frage

Gestärkt durch die positive Energie des alten Bahnhofgebäudes, fragte sie direkt und offen in die Runde: „Meine Herren, ist ihnen der Satz - Liebling, wir müssen reden - bekannt?” Denn das sei nicht nur eine der am häufigsten und zugleich nervigsten Fragen, die eine Frau im Laufe einer Beziehung stelle, sondern auch der Name ihres neuen, zweiten Programms. In diesem beschäftigt sich die ehemalige WDR-Fernsehansagerin, Autorin, Schauspielerin und Journalistin unter anderem mit Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Geschlechtern.

Doch hier in unserem geliebten Eschweiler schienen die Uhren einmal mehr anders zu ticken. Hier sehe der Mann einem solchen Gespräch mehr oder minder gefasst entgegen. Der Eschweiler hole sich lediglich ein Bier, mehr brauche er nicht. „Hier scheint ja noch alles in Ordnung zu sein”, so Brécko.

Die gebürtige Österreicherin wusste allerdings gekonnt, das Eis zu brechen. „Liebling, woran denkst du gerade?” Kaum ausgesprochen, brach großes Gelächter aus. Diesen Satz kennt nicht nur jeder, diesen Satz mag auch eigentlich niemand. Wenn es nun möglich wäre in diesen Momenten in die Köpfe der Männer zu blicken, würde dort laut Brécko sicherlich die Antwort stehen: „Och, die kennst du sowieso nicht.” Ausgesprochen werde so etwas indes nicht, aber laut Roy Black wissen alle: „Du bist nicht allein - denn es gibt noch 1000 andere Frauen, denen es genauso geht wie dir”, so Brécko.

Abgesehen davon seien jedoch auch Frauen nicht immer ganz unschuldig an ihrem Image. Schließlich hören diese das Gras schon wachsen, bevor es überhaupt gesät wurde, und leider wissen sie auch häufig die Kraft des Monologs zu schätzen. Zudem schauen Frauen völlig frei von Klischees „Pornos immer bis zum Schluss”. Warum? Weil sie auf ein Happy-End mit Hochzeit warten würden. Und Männer geben Versprechen, um sie zu brechen. Klischee hin oder her, letztlich kämpfe jedes Paar mit Klischees und arbeite an den Teilruinen in der Beziehung und denen im Haushalt.

Kampf mit der Sprache

Dass nun in Eschweiler ausgerechnet das Schlafzimmer als Teilruine bezeichnet wurde, ließe allerdings noch Fragen offen und sollte an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden. Nichtsdestotrotz kämpft der Mensch an sich, abgesehen von der Beziehungskrise, gegen so einige Krisen mehr. Da sei zum Beispiel die deutsche Sprache, die zu einer Art „Asi-Sprache” verkomme. In diesen Zeiten sei die Frage „Ey, hast du die Hausaufgaben?” schon eine rhetorische, und eine Begrüßung beginne stets mit „Ey, Alda”, was gleichzeitig für Freunde, Feinde und Menschen aller Altersklassen eingesetzt werde. Schlimmer sei da nur noch das Fernsehangebot in der deutschen Medienlandschaft.

Doch genug davon, denn abschließend gab es noch einige wichtige Dinge zu klären: Es gebe nur etwas, das teurer sei als eine Frau - eine Ex-Frau. In Würde zu altern sei eine der größten Herausforderungen, die der Menschheit gestellt werden und Gott habe den Mann zuerst erschaffen, damit die Frau nicht reinquatsche, was in Teilbereichen wahrscheinlich nicht verkehrt gewesen sein mag. In Wahrheit seien Männer aber auch nur zarte Seelen in einem kräftigen Körper.

Da diese nicht ganz unbekannten Lebensweisheiten nun ausgesprochen waren, blieb zum Schluss lediglich noch eine Frage offen: „Sollen wir klatschen?” Na klar. Das Eschweiler Publikum ist und bleibt nun einfach auch das charmanteste.