Eschweiler/Stolberg: Amtsgericht: Die Lehmlinse macht keinen Ärger mehr

Eschweiler/Stolberg: Amtsgericht: Die Lehmlinse macht keinen Ärger mehr

Der Verursacher war eine kleine Lehmlinse, die Auswirkungen waren allerdings immens: Wer das Amtsgericht an der Kaiserstraße noch bis vor einigen Monaten betrat, der konnte sich von den Schäden selbst ein Bild machen.

Nicht nur in fast allen Räumen des ersten Obergeschosses waren Risse zu sehen, auch die Absackung an der südöstlichen Seite des Gebäudes war deutlich erkennbar. An der einen oder anderen Stelle bröckelte sogar der Putz von den Wänden.

Sibylle Mähr empfing gestern NRW Justizminister Thomas Kutschaty (links) sowie Stefan Kämmerling (2.v.r.) und Sven Wolf (rechts). Foto: Sonja Essers

Dieser Zustand gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Rund 800.000 Euro investierte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW in den vergangenen Monaten in die Sanierung des Gebäudes, das im Jahr 1907 errichtet wurde. Die Umbauarbeiten sind nun zum größten Teil abgeschlossen. Lediglich im Keller des Gebäudes an der Kaiserstraße müsse in den kommenden Wochen noch gewerkelt werden.

Mit dem Ergebnis ist nicht nur Sibylle Mähr, kommissarische Direktorin des Eschweiler Amtsgerichts, mehr als zufrieden. Am Montag machten sich auch Thomas Kutschaty (SPD), Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie Sven Wolf, rechtspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, einen Abstecher in die Indestadt. Gemeinsam mit Sibylle Mähr und dem SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling nahmen sie das unter Denkmalschutz stehende Gebäude einmal genauer unter die Lupe. Ihr Fazit: Das Eschweiler Amtsgericht sei ein nahezu perfektes Aushängeschild. Änderungen werde es künftig trotzdem geben.

Welche Faktoren dafür sorgen, dass das indestädtische Gerichtsgebäude nicht vollkommen perfekt ist? Zunächst besitzt es derzeit keinen offiziellen Direktor. Dr. Gisbert Fuchs verließ den Standort und wechselte nach Aachen. Derzeit hat Sibylle Mähr die kommissarische Leitung, doch dies soll sich bald ändern, wie Kutschaty bei seinem Besuch verriet. „Ich habe noch keinen neuen Direktor mit nach Eschweiler gebracht“, sagt er am Montagnachmittag und stellte nur wenige Sekunden später klar, dass die Stelle derzeit ausgeschrieben sei und eine Entscheidung bereits in den kommenden Wochen fallen werde.

Was für Kutschaty besonders wichtig ist: „Kaum ein Gericht hat solch einen engen Bürgerkontakt wie ein Amtsgericht.“ Sie hätten nicht nur die Aufgabe Ansprechpartner zu sein, sondern kümmerten sich beispielsweise auch um das Thema Kirchenaustritte. Doch neben diesen „Serviceleistungen“ gebe es neue Herausforderungen, denen sich die Mitarbeiter derzeit stellen müssten. Da die Amtsgerichte sich auch um Betreuungsfragen kümmern, spielt natürlich auch dort das Thema Flüchtlinge eine große Rolle.

Genauer gesagt: Die Mitarbeiter des Eschweiler Amtsgerichts müssen sich um die Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern. Im Oktober dieses Jahres gab es 33 sogenannte Vormundschaftsverfahren für junge Flüchtlinge, wie Bürgermeister Rudi Bertram berichtete. Bis Ende des Jahres rechnet die Verwaltung mit rund 200 Fällen. Kutschaty sprach in diesem Zusammenhang von neuen Schwerpunkten, die die Eschweiler Mitarbeiter jedoch sehr gut meistern würden. Der Justizminister lobte das „hochmotivierte Team“, das auf allen Ebenen zu finden sei und serviceorientiert arbeite.

Dass es jedoch gerade im alltäglichen Arbeitsablauf oft nicht gerade unproblematisch zugehe, berichtete Sibylle Mähe. Der Grund dafür: Das Eschweiler Amtsgericht besteht momentan aus zwei Gebäuden. Neben der Dienststelle an der Kaiserstraße, gibt es auch noch ein Gebäude an der Peter-Peter-Straße. Diese Aufteilung führe jedoch oftmals zu „Problemen im Alltag“, sagte Mähr, die die Gelegenheit nutzte, Kutschaty auf einen Erweiterungsbau an der Kaiserstraße anzusprechen.

Auch NRW Justizminister Thomas Kutschaty schien mit dieser Lösung nicht zufrieden zu sein. Natürlich sei es besser, die Arbeitsabläufe an einem Standort zu optimieren, gab er zu. Aus diesem Grund schaute er sich das Außengelände des Gebäudes an, stellte jedoch klar: „Wir befinden uns in einer Frühplanungsphase.“ Zunächst einmal müssten nicht nur verschiedene Möglichkeiten einer Bebauung, sondern auch entstehende Kosten ausgelotet werden. Ein Nein für einen Erweiterungsbau gab es nicht. „Das ist eine Notwendigkeit, die wir anerkennen müssen. Sie muss allerdings gut geplant sein“, so Kutschaty.

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