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Aktion gegen Rechts an Eschweilers Willi-Fährmann-Schule

Eschweiler Schüler bekennen Farbe : Am Baum der Vielfalt ist Hetze verpönt

Ein Hakenkreuz war zwar nicht der einzige Grund, aber Grund genug, sich mit der Feindlichkeit gegenüber dem Fremden, dem Anderen auseinanderzusetzen. Die Willi-Fährmann-Schüler starten eine Aktion gegen Rechts.

Nach dieser „unreflektierten Aktion“, wie Schulleiterin Sabine Seifert es einordnet, startete die „Aktion gegen Rechts“ als Projekt der Willi-Fährmann-Schule und brachte allen Seiten neue Erkenntnisse.

Reflektion der eigenen Haltung, des eigenen Verhaltens – die Schülerinnen und Schüler der Willi-Fährmann-Schule in Eschweiler und Stolberg setzten sich mit dem Selbst auseinander. Die „Aktion gegen Rechts“ sollte den Blick öffnen, gegen Ausgrenzung, für Vielfalt. Dazu passend schrieb einer seine Gedanken auf einem Stolperstein nieder: „Die Welt wäre langweiliger, wenn alle Menschen gleich wären.“ Die Stolpersteine waren nur ein Baustein der Projekttage und werden als mahnende Erinnerung an vergangene Gräueltaten zu Zeiten Hitlers ebenso aufgehängt wie die Aufforderung zu Toleranz.

 Ein besonderes Highlight war die Ausstellung „We, the six million“ der RWTH Aachen, die bereits in mehreren weiterführenden Schulen in Eschweiler präsentiert wurde. Nun in der Willi-Fährmann-Schule ausgestellt, musste sich das Konzept vor dem Hintergrund der Förderschwerpunkte „Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung“ beweisen.

Projektbegleiter Rene Porger erklärte am Ende der Woche: „Es ist notwendig, dass sich nicht nur Gymnasien mit den Themen Flucht, Antisemitismus und Nationalsozialismus auseinandersetzen.“ Der Meinung war auch Bürgermeister Rudi Bertram, der tags zuvor als Schirmherr anwesend war.

Schüler diskutieren mit

 Spannend fand Porger die Begleitung an der Willi-Fährmann-Schule deswegen, da die Schüler rege mitdiskutiert haben und obwohl die Ursachen und Gefühle für Flucht und Ausgrenzung verschieden sind, ist es doch ein zeitloses und vor allem gesamtgesellschaftliches Thema, welches nicht ausschließlich in elitären Kreisen aufkommen darf.

 Farbe bekennen und Vielfalt leben – das war neben Schulleiterin Seifert auch Sozialarbeiterin Lia van Staveren wichtig. Beide fanden großes Lob für die Ausstellung und ihre Adaption für die Förderschule. „Nachdem die Schmierereien an den Wänden, besonders das Hakenkreuz für Aufsehen gesorgt hatten, lag uns das Thema besonders am Herzen“, gestand Seifert und ergänzte: „Ich schätze, dass das Symbol einfach unreflektiert übernommen und gemalt wurde, aber das sollte vor allem keiner der Schüler einfach so hinnehmen. Die stehen oftmals am Rande der Gesellschaft. Sie dürfen nicht ausgegrenzt werden, aber auch nicht von sich aus ausgrenzen.“

 Ziel der Projekttage war es also, ein Bewusstsein für Angst und Feindlichkeit vor dem Fremden zu schaffen: „Mein Eindruck der Tage ist positiv, die Schüler haben Demokratie und Vielfalt gelebt“, resümiert Sozialarbeiterin van Staveren und erklärt, wie die dreitägige Aktion genau ausgestaltet war. Neben den Stolpersteinen und der Ausstellung stellte ein Märchenbuch die Frage, wo wir herkommen und worin wir uns unterscheiden. Die Initiative SchLAu Aachen klärte über Homosexualität auf und am Ende der Woche ging es dann wahrlich kunterbunt zu.

Während auf dem Schulhof unzählige Luftballons für ein Farbenspiel sorgten, wurde im Tier-Bereich nach dem „Lied vom Anderssein“ der Baum der Vielfalt eingeweiht. Dazu wurden Aufhänger, die verschiedene Herkunften symbolisierten, an den Zweigen befestigt. Sicher ist schon jetzt, die Aktion hat alle Seiten bereichert und soll zukünftig jedes Jahr Teil des Schulprogramms werden.

(mah)