Afrikanische Schweinepest ist auch in Eschweiler ein Thema

Prävention kaum möglich : Die Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter aus

Mitten auf einer Wiese nahe des Waldes in der Grenzregion zu Belgien liegt ein toter Dachs. Äußerlich weist er keine Verletzungen auf. „Das gefällt mir nicht“, sagt Hans-Josef Vöpel, Jäger und Leiter des Hegerings Eschweiler, am Fundort Pirschbezirksinhaber, und nimmt den Dachs mit.

Er wird ein paar Anrufe tätigen, wie mit dem toten Tier verfahren werden soll. Sorgen mache er sich aber nicht. „Wenn das jetzt kein Dachs gewesen wäre, sondern ein Wildschwein, hätten wir aber ein richtiges Problem und müssten das Veterinäramt informieren“, sagt der 62-Jährige. Der Grund: die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP.

Diese bereitet sich derzeit nicht nur in Osteuropa aus, sondern auch in Belgien. In Deutschland ist bisher kein Fall von ASP aufgetreten. Noch. „Es ist zu erwarten, dass sie auch die Städteregion Aachen erreichen wird“, heißt es vonseiten des Veterinäramtes. Nach Informationen des Deutschen Jagdverbandes wurden knapp 440 Fälle in Belgien (Stichtag 8. Februar) von ASP bei Wildschweinen entdeckt. Tendenz steigend.

Der Virus endet für die Tiere innerhalb weniger Tage tödlich, für den Menschen besteht keine Gefahr. Andersherum hingegen schon: Der Mensch kann zur Verbreitung der ASP beitragen. Infiziertes Fleisch von Essensresten oder Wurstpellen, die die Tiere fressen, reicht aus, weiß Jäger Vöpel. Kommen die Schweine dann mit infizierten Artgenossen oder kontaminierten Stellen in Berührung, potenziert sich schnell die Zahl der kranken Tiere. Auch in Mülleimer an Parkplätzen sollte kein Essen weggeworfen werden.

Nicht nur der Virus breitet sich schnell aus, sondern auch die Wildschweine vermehren sich seit Jahren verstärkt aufgrund des intensiven Maisanbaus. Sie wühlen wie zuletzt an der Luisenstraße in Eschweiler die Vorgärten auf und suchen nach Würmern. Wildschweine fressen liebend gerne Bucheckern und Eicheln, die sie im Wald finden. „Durch die Eicheln wird aber viel Säure produziert, so dass sich die Wildschweine ihre eigene Medizin, nämlich tierisches Eiweiß, suchen.“

Dort, wo Wildschweine landwirtschaftliche Nutzfläche zerstören, muss der Jäger für den Schaden finanziell aufkommen. In bewohnten Gebieten dürfen Jäger nicht schießen, können demnach nicht für Schäden haftbar gemacht werden. „Ich wohne jetzt seit sechs Jahren hier, aber habe so ein Ausmaß noch nicht erlebt“, sagt ein Anwohner an der Luisenstraße.

Auch in der Städteregion werde die Schweinepest erwartet, weiß auch Jäger Hans-Josef Vöpel, Leiter des Hegerings Eschweiler. Foto: ZVA/Anne Schröder

Jäger helfen bei der Eindämmung

Fast die komplette waldnahe Wiese vor den Häusern wurde von den Wildschweinen aufgewühlt. Seit einem Monat sei es an der Luisenstraße wieder ruhig. Der Eigentümer hat mittlerweile den Boden wieder begradigen lassen und habe mit Schwefel versetzte Tonkugeln in den Boden einlegen lassen. Das könnte die Schweine abhalten, die den Geruch nicht mögen. Ein guter Zaun könnte die Schweine ebenfalls vom Vorgarten fernhalten.

Um die Wildschweinausbreitung zu verringen und die Seuchenverbreitung einzudämmen, ist die Schonzeit für Schwarzwild seit Anfang 2018 teilweise aufgehoben. Jäger dürfen ganzjährig Frischlinge und sogenannte „Überläufer“, etwa einjährige Wildschweine, erlegen.

In seinem Revier an der belgischen Grenze bei Aachen ist es Vöpels Aufgabe, die steigende Wildschweinpopulation zu verringern, um die Nutzflächen zu schützen und auch, um die Chancen einer Ausbreitung der ASP so gering wie möglich zu halten. „Aufgehalten werden kann die Schweinepest nicht wirklich“, sagt Hegeringsleiter Vöpel. „Alle müssen sich an die Regeln halten. Wenn es infizierte Tiere hier gibt, dann wird das Revier gesperrt und ein Betretungsverbot ausgesprochen – auch für Erholungssuchende.“ Ob die Jäger dann weiterhin für Schäden an landwirtschaftlichen Nutzflächen aufkommen müssen, wenn Gebiete gesperrt werden, ist für Vöpel noch ein Fragezeichen.

Anfang Februar wurde im Regierunsgbezirk Köln eine Tierseuchen-Krisenübung durchgespielt. Hierbei haben die Veterinärämter mit den lokalen Tierseuchen-Kontrollzentren in Zusammenarbeit mit der Unteren Jagdbehörde und Jägern überlegt, was im Falle eines ASP-Ausbruchs zu tun wäre. Das NRW-Umweltministerium hat einen privaten Dienstleister engagiert, die Wildtierseuchen-Vorsorge-Gesellschaft (WSVG). Sie soll die betroffenen Kommunen unmittelbar unterstützen und alle notwendigen Arbeiten wie das Absperren und Suchen, nicht aber die Bergung, der Wildschweine erledigen.

Wie viele Wildschweine in der Indestadt umherstreifen, kann Eschweilers Förster Marco Lacks nicht einschätzen. „Es gibt im Stadtwald Wildschweine, aber da sie riesige Entfernungen wandern, haben wir keine konkreten Zahlen.“ Im Erholungswald sei es schwierig, die Tiere zu bejagen. „Wildschweine gehören in den Wald. Es ist ihr natürlicher Lebensraum.“ Mensch und Natur müssen sich aufeinander einstellen – auch in Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest.

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