Eschweiler: Afrika, so fern und doch so nah

Eschweiler : Afrika, so fern und doch so nah

Europa ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert das „Lebenselixier“ der Gesellschaftspolitischen Bildungsgemeinschaft (GPB). Doch dass in einer globalisierten Welt Europa in engsten Verbindungen zu den weiteren Kontinenten der Erde steht, wurde auch während der Mitgliederversammlung des Europavereins am Donnerstagabend im Raum Miro des Hotels de Ville deutlich.

Präsident Peter Schöner nahm in einer Reflexion kritisch Stellung zur europäischen Afrika-Politik, während Geschäftsführerin Annelene Adolphs im Rahmen ihres medial vorgestellten Geschäftsberichts unter anderem die zahlreichen Besuche chinesischer Delegationen in Eschweiler in den Blickpunkt rückte.

Unter der Überschrift „Europäisch-chinesischer Dialog“ empfangen die Verantwortlichen der GPB nämlich regelmäßig Gäste aus den verschiedensten Regionen des „Reichs der Mitte“, die sich in Zusammenarbeit mit der Stadt Eschweiler unter anderem über die Themen Stadt- und Wirtschaftsentwicklung sowie den Strukturwandel informieren lassen. Auch die von Annelene Adolphs konzipierte Ausstellung „Zwischen den Fronten — Frauen auf der Flucht von und nach Europa“, die im vergangenen Jahr bereits in Siegburg, Rheinberg, Eupen, Bünde, Rheinbach und Jülich zu sehen war und ab dem 20. Juni im Eschweiler Rathaus präsentiert wird, steht im Kontext einer globalisierten Welt.

Nach der einstimmig erteilten Entlastung des Vorstands ergriff Peter Schöner das Wort, um zunächst kurz auf die derzeitige Verfassung der Europäischen Union einzugehen. Deren Gründung sei die Antwort gewesen auf die Zerstörung Europas im Zweiten Weltkrieg und den Hochmut Deutschlands, sich das vielfältige Europa untertan machen zu wollen. In den kommenden Tagen seien nun zahlreiche Kommentare zu den Reden des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron im Europäischen Parlament sowie während der Verleihung des Karlspreises in Aachen zu erwarten. „Bei allem Reformeifer Macrons, die Reformbemühungen oder sogar Neugründung sind nur dann erfolgreich, wenn es gelingt, alle Länder mitzunehmen“, so der GPB-Präsident. Europa bestehe nicht nur aus Frankreich und Deutschland.

Die EU benötige zwar einen starken Motor. Aber: „Sie besteht aus 27 Mitgliedern, die alle beteiligt werden müssen“, so die Forderung Peter Schöners, der sich anschließend dem Nahen Osten und vor allem Afrika widmete. „Jemandem das Wasser abzugraben, ist keine vertrauensbildende Maßnahme“, so der Redner. Genau dies passiere aber auf dem Kontinent, der einst die Wiege der Menschheit war. Wasser werde dort mehr und mehr zu einem knappen Gut. Und wem Wasser fehle, dessen Existenz sei gefährdet. „Es könnte Blut für Wasser fließen“, so die drastischen Worte von Peter Schöner, der als Beispiel das Wasser des Nils nannte, der in den Bergen von Ruanda und Burundi entspringt, dann Tansania, Uganda, den Südsudan und Sudan durchfließt, bevor er in Ägypten in das Mittelmeer mündet. „Im Sudan könnte man auf den Gedanken kommen, dem Feind Ägypten im Norden das Nilwasser in der einen oder anderen Form vorzuenthalten“, malte Peter Schöner ein Szenario an die Wand, das zu Instabilität führen und den wasserpolitischen Frieden in der Region gefährden könnte.

Auch der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern basiere nicht zuletzt auf Wasserpolitik. Rund zwei Drittel der Wasserquellen des Westjordanlandes würden vom und für das israelische Kernland und deren Siedlungen genutzt. „Wasserwirtschaftlich ist das Westjordanland längst annektiert“, unterstrich der GPB‘ler. Dabei habe Israel inzwischen so viele Meeresentsalzungs- und Wasseraufbereitungsanlagen gebaut, dass dadurch etwa ein Drittel des Wasserbedarfs abgedeckt werde. „Diese technologische Revolution bietet theoretisch friedenspolitischen Spielraum. Man muss nur wollen. Aber will man?“, so die Frage.

Und was hat Europa damit zu tun? „Es wird oft übersehen, dass die Grenzen vieler Staaten in Afrika und des Nahen Ostens das Ergebnis reiner Willkür sind. Sie sind Folgen der Weltkriege, die in Europa ausbrachen und der Kolonialzeit, in der europäische Staaten eine unrühmliche Rolle spielten“, so die Schlussworte Peter Schöners.

(ran)
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