Eschweiler-Weisweiler: Abschiedskonzert: RWE-Chor sagt nach 94 Jahren Adieu

Eschweiler-Weisweiler : Abschiedskonzert: RWE-Chor sagt nach 94 Jahren Adieu

Da dem RWE-Chor der Nachwuchs fehlte und auch die finanzielle Unterstützung ausblieb, beschloss der Vorstand schweren Herzens, den Chor nach 94 Jahren aufzulösen. Offiziell wurde am Freitagabend in der Festhalle Weisweiler das letzte Konzert gegeben, bei dem neben den Männern, Pianist Theo Palm, die Sängerin Merit Nath-Göbl und die Bigband „tAf“ der Musikschule Niederzier mitwirkten.

Dr. Andreas Wagner, Direktor des Tagebaus Inden, fielen die Abschiedsworte am Ende eines kurzweiligen Programms zu. Er hatte an Hand der Personalbögen ausrechnen lassen, dass die verbliebenen 30 Chormitglieder zusammen auf 1000 Jahre Mitgliedschaft in diesem Chor kamen und somit der Zeitpunkt des Aufhörens richtig gewählt worden sei.

Eröffnet wurde dieses Abschiedskonzert von der Bigband der Musikschule Niederzier unter der engagierten Leitung von Eva-Maria Gaul. Die jungen Leute wussten mit Filmmusik aus dem Fantasyfilm „Herr der Ringe“ zu überzeugen. Großes Musical gab es dann mit „My Fair Lady“ von Frederic Loewe. Beschwingt und heiter spielten sie die unsterblichen Evergreens um die weltberühmte Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle.

Die Dürener Sängerin Merit Nath-Göbl, die den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in ihrer Kategorie gewonnen hatte, präsentierte sich mit „Don’t cry for me, Argentina“ aus Evita von Andrew Lloyd Webber und erntete großen Applaus. Der Männerchor stellte sich zunächst mit dem 23. Psalm in der Vertonung von Franz Schubert vor, den sie allen Menschen gewidmet hatten, die sich für den Chor eingesetzt haben und schon verstorben sind.

Dann ging es in fremde Gefilde an die Amalfiküste, wo noch „die Zitronen blühen“ und „die Gärten nach Jasmin duften“, und auch die Südsee hatte ihren Reiz. Textsicher, wie man es von dem Chor kennt, wussten die Musiker die einzelnen Liedern des Potpourris leicht und beschwingt zu Gehör zu bringen, während Theo Palm sie am Flügel souverän begleitete. Wild und feurig waren die russischen Gesänge.

Ob „Kosakenritt“ oder „Rapaschol“, unter dem Dirigat von Chordirekter ADC Ernst Matthias Simons gelang den Herren eine temperamentvolle Interpretation. Melancholisch wirkte dagegen „Wenn der Abendwind leise weht“.

Nach der Pause ging es mit rassigen stimmungsvollen Weisen der Bigband weiter. Dirigentin Eva-Maria Gaul war mit Leib und Seele bei der Sache und entlockte ihren Instrumentalisten ein Feuerwerk bekannter südamerikanischer Lieder wie „Guantanamera“, „Quando, quando“ oder „Besamo Mucho. Auch die Nachkriegsschlager von Gerhard Winkler luden zum Reisen und Träumen ein. Mit einem Querschnitt durch die Goldenen Hits von James Last gedachte die Niederzierer Bigband an den großen und erfolgreichen 2015 verstorbenen Bandleader und seinen legendären Party-Sound.

Dank ging an Theo Palm, der im nächsten Jahr in Weisweiler sein 20-jähriges Bühnenjubiläum mit dem Chor gefeiert hätte. Das unkomplizierte Miteinander und die jederzeit gefühlvolle Begleitung in all den Jahren sei für die Herren Motivation gewesen, immer ihr Bestes zu geben. Palm selbst fühlte sich geehrt und geschmeichelt über diese Worte und wusste die aufgetane Wehmut mit dem „Root-Beer-Rag“, einer fetzigen kleinen Nummer von Billy Joel zu überspielen.

Merit Nath-Göbl gefiel noch einmal mit dem Walzer „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“. Gefährlich und kriminell wirkten die drei folgenden Stücken des Männerchors. Im „Kriminaltango“ wurde sogar scharf geschossen und bei der „Diplomatenjagd“ kamen gar mehrere Mitglieder der höheren Kreise zu Tode, darunter der Außenminister.

Seemännische Tradition blühte in zwei Matrosenliedern von Gus Anton auf. Mit „Habt Dank Ihr Freunde“ von Otto Groll kam wieder Wehmut auf und das Abschied nehmen von einer schönen Zeit. Wenn auch das Chorsingen zu Ende geht, die Erinnerung bleibt. Zum Schluss ertönte noch der „Frohe Sängermarsch“ und der „Glück-Auf-Marsch“. Dr. Andreas Wagner hatte für die dritte Strophe des Steigerliedes einen Schnaps servieren lassen, der genussvoll getrunken wurde.

(mlo)
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