Eschweiler: „A‘s kla?“: Blues und Kölsch im Talbahnhof

Eschweiler: „A‘s kla?“: Blues und Kölsch im Talbahnhof

Der Kölner Gerd Köster ist ein Phänomen. Gemeinsam mit seinem Freund und Leib-Gitarristen Frank Hocker macht er schon seit den 70er Jahren die rheinländische Mundart-Musik-Szene unsicher. Zunächst mit Acts wie „Schroeder Roadshow“, später mit „The piano has been drinking“ und dann mit einer ellenlangen Liste von Projekten zwischen Bühne, TV und Filmleinwand.

Abwechslungsweise mit Josef Schaffrath, statt des etatmäßigen Helmut Krumminga an der zweiten Gitarre, präsentierte er am Samstag abend im Talbahnhof sein aktuelles Programm „A‘s kla ?“, eine unterhaltsame Mischung aus Blues, Folk, Rock‘n‘Roll, Tom-Waits-Adaptionen und manch wehmütigen Songs, natürlich streng auf Kölsch.

Blues und Kölsch? Ja, das geht. Manche Dinge lassen sich wirklich nur in Mundart transportieren, wie Köster es im Eröffnungssong „E joh Jespräsch“ demonstrierte. Mit dem unverkennbaren, für ihn typischen heiseren Timbre in der Stimme, verschmelzt Köster mit scharfer Beobachtungsgabe die charmanten Unzulänglichkeiten des Daseins und die verzeihbaren Macken seiner Mitmenschen.

Zwischen den Songs parlierte der Kölner mit dem Publikum und sorgte so für eine jederzeit intime Atmosphäre. Das Konzert im Talbahnhof war von Beginn an eher wie ein Treffen mit guten Bekannten im Wohnzimmer angelegt, die zufällig ein paar Akustikgitarren dabeihaben. Mit dem Publikum auf Augenhöhe, oder in einem Wort auf der Suche nach „Kontakt“, das sei das selbsterklärte Ziel der Musiker.

Es ging um die holde Weiblichkeit, um Alkohol, das Nichtraucherschutzgesetz und um nervige Zeitgenossen in der Eckkneipe, die wohl jeder kennen dürfte. Dabei saß Gerd Köster auf seinem Barhocker und gestikulierte geschmackvoll aber deutlich, während seine beiden Gitarristen dichte Harmonien um den Gesang herum zauberten. Es seien, so Köster, zunächst mal ein paar neue Songs, an die man sich vielleicht noch gewöhnen müsse. Das sagte er mit einem kleinen Seitenhieb an die Nostalgiker unter seinen Fans, die immer wieder bierselig „die schönen alten Lieder“ fordern.

Anekdoten-Vakuum

Dafür habe er aber vollstes Verständnis, denn die neuen Stücke litten ja sozusagen noch unter einer Art Anekdoten-Vakuum. Während „Jächt“ leidenschaftlich seine Geschichten in Gesangs-Szene setzte, verwandelten Hocker und Schaffrath mit ihren Instrumenten die Rheinuferstraße in die Route 66 und streuten immer wieder spannende Soli ein.

Das ergab zusammen eine Art „kölsches Storytelling“ auf hohem musikalischem Niveau und mit enormem Gefühlsfaktor. Richtig viel Applaus etwa ernteten das „Fisch-Leed“, eine auf rund drei Minuten komprimierte Geschichte der Evolution und „Rouh han“, einer Köster-Hocker-Version des Tom-Waits-Klassikers „Hold on“.

„Gesalzene Altersmilde“

Im zweiten Set erhöhte das Trio ein wenig das Tempo. Gerd Köster erzählte von seinen Urlaubszielen und eröffnete dem Publikum augenzwinkernd, das Frank Hocker und er mittlerweile ja von einer Art „gesalzener Altersmilde zerfressen“ seien. Gut, gemessen an Energie-Songs wie „Anarchie in Germoney“ aus der Schroeder-Ära, mag etwas dran sein.

Andererseits gelang es dem Maestro im Laufe der Jahre aber auch, mit Ruhe und innerer Kraft fantastische Songs mit Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen zu schöpfen. Mit „Et Selfie Elfie und dr Twitter Pitter“ kann sich auch das junge Smartphone-Publikum prima identifizieren. Dabei ist Gerd Köster nach eigenen Angaben auch mal gerne krawallig und mag es überhaupt nicht, im Schwung der Gefühle von außen beruhigt, oder wie er es nannte „an-esoterisiert“ zu werden.

Eine der zahlreichen bemerkenswerten, postmodernen kölschen Wortschöpfungen, die Gerd Köster am Samstagabend auf Lager hatte. Dem Trio schien es offensichtlich in Eschweiler gefallen zu haben. Mit „Ruude Jolf“ — kurzerhand um einige Improvisationen erweitert — und „Jeile Welt“ als Zugaben verabschiedeten sich die Drei von einem mehr als dankbaren Talbahnhof-Publikum.

(psi)
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