Eschweiler: 70 Stellen weg: Hoffmann zieht die Notbremse

Eschweiler: 70 Stellen weg: Hoffmann zieht die Notbremse

An der Bergrather Straße ist man sich sicher: „Wir werden diese Krise meistern”, betont Dr. Manfred Hoffmann, einer der beiden Geschäftsführer. Allerdings sind dafür Opfer nötig, die schmerzen. Der Personalstand soll auf 200 Personen gesenkt werden. Etwa 70 Arbeitsplätze fallen weg - sagt die Gewerkschaft.

Die Firmenleitung schränkt allerdings ein: Man habe zunächst Fremdfirmen und Leiharbeitern gekündigt. Zudem werden befristete Verträge nicht verlängert. Seit dem 1. Mai ist zudem Kurzarbeit angesagt.

Damit will das Traditionsunternehmen den Auftragseinbruch von 40 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres auffangen. Denn: „Die Krise traf uns völlig unerwartet”, sagt Gerhard Stroh, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmens.

Dabei sei man am Anfang noch optimistisch gewesen, dass die Krise größtenteils einen Bogen um die Eschweiler Stahlgießerei macht.

„Ein Großteil unserer Kunden ist in der Energiewirtschaft tätig - und wir dachten, Energie wird immer gebraucht”, so Dr. Manfred Hoffmann. Doch mit der schrumpfenden Produktion sank auch der Energiebedarf.

Seit Jahresanfang spürt man die Krise in den Auftragsbüchern. „Sie ist ja nicht hausgemacht. Betriebsrat und Firmenleitung stehen in ständigem Kontakt”, sagt Gerhard Stroh.

Die Schwierigkeiten des Unternehmens würden sogar zusammenschweißen. Dennoch sind Kündigungen nicht zu vermeiden. Etwa 30 Mitarbeiter müssen noch gehen. „Wir versuchen natürlich, Vorruhestandsregelungen zu treffen”, betont Dr. Manfred Hoffmann.

Vor einigen Tagen wurde die Belegschaft vom Betriebsrat über die Situation informiert. Für die IG Metall nahm Gewerkschaftssekretär Georg Moik teil. Der Indestädter vertritt mit dem Betriebsratsvorsitzenden Josef Heller die Belegschaft: „In einem solchen Fall sitzen alle mit im Boot, um eine Lösung zu finden.” Die Versammlung sei entsprechend sachlich verlaufen.

Es ist nicht die erste schwierige Situation, die das Unternehmen meistern muss. Schon vor zehn Jahren stand es am Scheideweg und musste sich von Mitarbeitern trennen.

„Liquiditätsprobleme gab es allerdings nie”, so Dr. Albert Hoffmann. Im Gegenteil: Noch vor kurzem wurde gewaltig investiert. In neue Öfen und Bearbeitungsmaschinen.

Dies habe man nicht mit Krediten, sondern mit eigenen Mitteln finanziert. Deswegen ist die Firmenleitung davon überzeugt, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen ausreichen, die schwierige Zeit zu überstehen. „Wir haben bisher noch nie mit Krediten gearbeitet”, hebt Dr. Manfred Hoffmann hervor.

Dass die Krise inzwischen alle erreicht hat, dass haben die beiden Geschäftsführer in Gesprächen mit der eigenen Kundschaft, größtenteils Großunternehmen, ausgemacht.

Diese Konzerne arbeiten oft mit Drei-Jahres-Plänen, die vermuten lassen, welche Aufträge in den nächsten Monaten bei der Eschweiler Stahlgießerei zu erwarten sind.

Vor allem die Stahlgießereien, die von der Autoindustrie abhängig sind, wurden schwer getroffen. „Viele versuchen nun auch in andere Märkte zu dringen”, sieht Gerhard Stroh auch einen verstärkten Konkurrenzkampf um den „immer kleiner werdenden Kuchen”.

Ein Auftrag in China wurde erst vor wenigen Wochen storniert. „Das machen die Chinesen nun selbst”, berichtet Dr. Manfred Hoffmann.

Die meisten Überstunden sind inzwischen abgebaut, bei Kurzarbeit werden alle Abteilungen kontinierlich weiterbetrieben.

„Wir nutzen die Gelegenheit natürlich auch, unsere Mitarbeiter während der Kurzarbeit zu qualifizieren”, so der Geschäftsführer. Dieses Angebot koordiniert die Agentur für Arbeit. Zudem lasse Kurzarbeit die Möglichkeit offen, bei einem Auftragsanstieg schnell und flexibel reagieren zu können.

Auf eines legt Dr. Manfred Hoffmann Wert: „Ich möchte jedem meiner Mitarbeiter weiterhin in die Augen gucken können.” Deswegen gehen die leitenden Mitarbeiter mit Beispiel voran und verzichten auf Einkommen.

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