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Eschweiler: 70 Jahre alte Brücke am Kranhaken

Eschweiler : 70 Jahre alte Brücke am Kranhaken

Um Mitternacht stiegen Feuerwerkskörper in den Himmel - Freudenraketen einer Hochzeitsfeier im Vereinsheim der Weisweiler Karnevalisten. Aber das Feuerwerk verblasste gegen den Funkenregen am Stahlskelett der Brücke „In der Krause”. Schneidbrenner fraßen sich durch die zentimeterdicken Stahlplatten.

In nur dreieinhalb Stunden demontierten Arbeiter der Firma Schäfer-Bauten in der Nacht zum Sonntag die 1938 gebaute Brücke über die Autobahn 4. Die Autobahn war ab 22 Uhr zwischen den Auffahrten Eschweiler und Weisweiler voll gesperrt.

Die rund 100 Tonnen schwere Brücke wurde in drei Teile geschnitten. Um 23.40 Uhr hob ein Autokran auf der Südseite der A 4 das erste Brückenteil an. Hinter dem südlichen Widerlager der Brücke senkte sich der mächtige Stahlkasten zu Boden. Dort wird er, wie auch die anderen Teile der Brücke, in den nächsten Tagen mit Schneidbrennern zerlegt.

Kurz nach 1 Uhr hing bereits das zweite Viertel der Brücke am Kranhaken. Das schwerste Teil, die rund 50 Tonnen wiegende nördliche Hälfte der Brücke, wurde am 1.30 Uhr von zwei Autokränen angehoben - der zweite stand auf drei der vier Spuren der Autobahn. Um ihn aufzubauen, waren kurz nach 22 Uhr die Leitplanken am Mittelstreifen von einem Bagger aus dem Boden gerissen worden.

Zentimeterweise schwenkte das dritte Brückenteil an den Haken der beiden sich synchron drehenden Kräne über die Autobahn hinweg - die wenigen Zuschauer, die bis dahin ausgeharrt hatten, hielten den Atem an. Dann senkte sich auch dieses Brückenteil zu Boden.

Kaum lag die in drei Teile geschnittene Stahlbrücke neben der Autobahn, begannen die Arbeiter mit dem Abriss des Stützpfeilers auf dem Mittelstreifen der A 4. Auch die Behelfsunterstützung, die im April errichtet worden war, um die beschädigte Brücke zu sichern, wurde demontiert. „Wir sind zeitlich sehr gut durchgekommen”, freute sich Bauleiter Kai Lüttge-Wenning. „Zum Glück hat der starke Wind nachgelassen. Bei Sturm wäre das Brennen sehr schwierig gewesen.”

Die Stahlbrücke war am 3. April von einem Tieflader gerammt worden, der einen Bagger transportierte. Während der Fahrt soll sich die Sicherung des Bagger-Auslegers gelöst haben. Durch den Aufprall riss ein Stahlträger der Brücke ein. Seitdem war die Brücke für den Verkehr gesperrt.

Der Landesbetrieb Straßenbau hatte auf eine Reparatur der Brücke verzichtet, da sie ohnehin im Herbst dieses Jahres abgerissen werden sollte, wegen der geplanten Verbreiterung der Autobahn auf sechs Spuren. 2008 wird eine neue Brücke errichtet.

Rund 100.000 Euro kostet, alles in allem, der Abriss der Brücke „In der Krause”, gibt Franz-Josef Nievelstein vom Landesbetrieb NRW Auskunft. Dabei sind 50.000 Euro für den Abriss selber, die andere Hälfte der Summe für Verkehrsregelung, Absperrungen, Umleitungen und Sicherungsmaßnahmen notwendig.