Eschweiler: 57 Räumungsklagen verzeichnet die Schuldnerberatung des SkF

Eschweiler: 57 Räumungsklagen verzeichnet die Schuldnerberatung des SkF

Günstige Wohnungen sind in Eschweiler nach wie vor rar. Hinzu kommt nun ein weiteres Phänomen: Weil die Mieten in Aachen teurer sind, zieht es viele bedürftige Familien von dort nach Eschweiler. Diese Erfahrung macht der Sozialdienst katholischer Frauen, der im Auftrag der Stadt die Räumungsklagen bearbeitet.

Etwa 60 Fälle sind es inzwischen Jahr für Jahr, die von den beiden Mitarbeiterinnen in der Allgemeinen Sozialen Beratung betreut werden. Oft kommt es jedoch nicht zum Kontakt mit den Betroffenen, denn das Angebot des SkF ist freiwillig. Im vergangenen Jahr kam es zu 57 Räumungsklagen, 27 Klienten nahmen auch nach zweimaliger Einladung nicht an einem Beratungsgespräch teil.

Die Gründe der Räumungsklage sind vielschichtig, wie die beiden Sozialarbeiterinnen Michaela Kobalay und Barbara Quadflieg bestätigen. Eine Rentnerin geriet nach dem Tod ihres Mannes in finanzielle Schwierigkeiten, weil ihre Rente nicht mehr ausreichte, die Miete der Wohnung zu bezahlen. In anderen Fällen führten Sucht, Trennung und plötzliche Arbeitslosigkeit zu hohen Mietschulden.

Wenn die Menschen sich an den Skf wenden, ist der Leidensdruck meistens sehr groß. Mit den Betroffenen verschaffen sich die Sozialarbeiterinnen einen Überblick über die soziale, finanzielle und familiäre Situation. „Wir versuchen dann, mit den Vermietern eine Ratenzahlung zu erreichen“, schildert Barbara Quadflieg. Manchmal ist die Schuldenlast jedoch bereits so groß, dass nur noch der Gang in die Privatinsolvenz bleibt.

In manchen Fällen hilft auch das Jobcenter oder das Sozialamt finanziell. Dies ist allerdings nur dann der Fall, wenn die Wohnung als sicherungswürdig gilt, die Größen- und Preisgrenzen der Kostenträger nicht übersteigt und ein Umzug kostspieliger wäre. Allerdings nimmt die Zahl der Klienten, die in einem sicherungswürdigen Wohnraum leben, laut SkF ab. Nicht jeder Vermieter ist auch zur Mitarbeit bereit: „Wir spüren schon, dass manche Häuser nur Spekulationsobjekt sind und es mit den Eigentümern dort schwierig ist, eine Lösung zu finden“, sagt Quadflieg.

Die Kooperation mit der Stadtverwaltung und anderen Trägern wird vom SkF ausdrücklich gelobt. „Wir sind gut vernetzt“, sagt Barbara Quadflieg. Dass beim SkF auch die Allgemeine soziale Beratung angesiedelt ist, kommt den Betroffenen entgegen. Denn meistens sind die Probleme vielschichtig, wenn eine Räumungsklage droht. Steigend ist die Zahl der Flüchtlinge in der Beratungsstelle, die die deutsche Sprache nicht beherrschen und deutsche Gesetze nicht kennen.

Dann muss ein Dolmetscher zur Beratung hinzugezogen werden. Oft ist es in solchen Fällen so, dass die Menschen auch die rechtlichen Grundlagen im deutschen Mietrecht nicht kennen. „Dies zieht natürlich einen höheren Beratungsaufwand nach sich“, sagt Barbara Quadflieg. Die Belastung in der Beratungsstelle sei ohnehin hoch, denn die Zahl der Klienten mit Multiproblemlagen und die der Flüchtlinge steige kontinuierlich.

Manche Vermieter würden sich auch schwertun, ihre Wohnung Familien mit Kindern zur Verfügung zu stellen. „Bezahlbarer Wohnraum für Familien ist nach wie vor schwer zu finden“, sagt Michaela Kobalay. Auch aus diesem Grund haben Stadtrat und Stadtverwaltung reagiert und den sozialen Wohnungsbau in Eschweiler im vergangenen Jahr wieder angekurbelt. Noch befinden sich viele der neuen Wohnungen im Bau oder in der Planung, aber die Probleme sind erkannt.

Eine Räumungsklage ist möglich, wenn der Mietrückstand die Höhe von zwei Monatsmieten übersteigt oder bei zwei aufeinanderfolgenden Monaten nicht mehr als eine Monatsmiete beträgt. Als Grundlage ist immer von der Kaltmiete plus Nebenkosten auszugehen. Ist die Räumungsklage vom Amtsgericht zugestellt, wird das Sozialamt informiert, das die Klage an den Skf weiterleitet. Ist der Verlust der Wohnung nicht mehr zu verhindern, besteht noch eine Schonfrist von zwei Monaten, dann ist sie zu verlassen.

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