40 Jahre Ehrenamt: Lais Neuman arbeitet beim SBZ Eschweiler

Interview der Woche : „Ich versuche immer, Menschen zu helfen“

Lais Neuman engagiert sich seit 40 Jahren ehrenamtlich im Senioren- und Betreuungszentrum. Nachdem sie aus Brasilien eingewandert ist, hat sie so einen Sinn für ihr neues Leben gefunden. Im Interview spricht sie über Erinnerungen aus den vergangenen Jahren.

Das Senioren- und Betreuungszentrum (SBZ) veranstaltet regelmäßig mit seinen Ehrenamtlern einen gemeinsamen Abend, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Beim vergangenen Treffen fehlte Lais Neuman. Dabei hat die 67-Jährige in diesem Jahr ein Jubiläum zu feiern: Seit 40 Jahren engagiert sich Neuman im SBZ. Deshalb wurde sie nun beim traditionellen Kaffeenachmittag geehrt.

Im Interview mit Caroline Niehus spricht sie über die Gründe für ihre Tätigkeit, schöne Erinnerungen und den Grund, warum sie jahrelang immer den gleichen Schokoladenkuchen gebacken hat.

Warum haben Sie sich vor 40 Jahren dazu entschieden, ausgerechnet im SBZ ehrenamtlich tätig zu werden?

Lais Neuman: Ich bin Brasilianerin und kam 1977 nach Deutschland. In meiner Heimat war ich Pädagogin und habe im Schulbereich gearbeitet. Aber hier in Deutschland war mein Diplom nicht anerkannt, zudem konnte ich kein Wort Deutsch. Dann habe ich mich gefragt: Was kannst du tun? Du kannst nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen. Mein Mann war viel unterwegs. Also habe ich jeden Tag in Aachen an der Volkshochschule Deutsch gelernt. Als ich die Sprache dann einigermaßen konnte, hatte ich Freunde, die hier im SBZ dabei waren. Als ich einmal mit denen ins Haus gekommen bin, habe ich gemerkt, dass hier in der Beschäftigungstherapie nur Herr Wassenberg da war – ohne große Hilfe. Seitdem unterstütze ich das SBZ.

Warum ist es dann die Beschäftigungstherapie geworden?

Neuman: Ich bastel sehr gerne und habe das auch mit den Kindern in Brasilien gemacht, dort habe ich Kunstunterricht gegeben. Fürs Basteln braucht man nicht unbedingt die Sprache. Es war eine Möglichkeit, nicht allein in der Wohnung zu sitzen. Dann habe ich angefangen, einmal in der Woche zu helfen. Entweder haben wir gebastelt oder waren mit den Leuten im Wald. Basteln in diesem Alter ist wichtig, denn die Motorik ist nicht mehr so fein.

Aber es ist nicht bei Ihrer Hilfe in der Therapie geblieben, oder?

Neuman: Nein, den Seniorenkaffee mache ich auch schon seit 1980. Durch den Kontakt hier kam ich zu der Gruppe dazu. Seit zehn Jahren arbeite ich nicht mehr in der Beschäftigungstherapie, weil wir seitdem immer sechs Monate pro Jahr in Brasilien sind. Ich mache keine halben Sachen. Entweder mache ich es ganz oder gar nicht. Ich komme aber durch Freunde oder Bekannte nach wie vor hierher.

Warum macht Ihnen die ehrenamtliche Arbeit so viel Spaß?

Neuman: Ich habe ein gesundes und glückliches Leben, obwohl meine Familie weit weg ist. Im ersten Jahr war das natürlich ein bisschen schwieriger. Am Anfang hatte ich keine Freunde und konnte mit niemandem sprechen. Aber ich versuche immer, Menschen zu helfen. Und ich bin ein Mensch, der sehr offen ist und viel Kontakt sucht. Man muss auch etwas zurückgeben.

Welche ist die schönste Erinnerung aus den vergangenen 40 Jahren?

Neuman: Da gibt es viele! Eine Frau aus der Beschäftigungstherapie kommt immer, wenn sie mich sieht, und umarmt mich und fragt mich, wie es mir geht. Es ist so schön, dass sie noch weiß, wer ich bin, obwohl ich ja seit zehn Jahren nicht mehr mit ihr arbeite. Und für eine andere Frau habe ich jahrelang für jeden Seniorenkaffee Schokoladenkuchen gebacken, weil sie den am liebsten mochte. Auch wenn die anderen Gäste den irgendwann nicht mehr sehen konnten, hat sie sich immer sehr darüber gefreut (lacht). Die Leute sind immer so dankbar! Man hört auch Geschichten von alten Leuten, zum Beispiel aus dem Krieg. Ich habe zwar viel darüber gelesen, aber das ist ein ganz anderes Kaliber von Informationen. Die Erfahrungen von alten Leuten möchte ich nicht missen. Das hilft auch im täglichen Leben.

Was hat Ihnen die Arbeit hier persönlich gebracht?

Neuman: Diese Arbeit mit den alten Leuten bereitet einen zum Beispiel auf Verluste vor. Wenn einer stirbt, hinterlässt das eine Lücke. Die Bewohner reagieren aber ganz anders auf den Tod, die haben eine andere Einstellung dazu. Das ist für sie eher eine Selbstverständlichkeit. Außerdem müssen sie ihre Kraft auf sich selbst konzentrieren. Als die Situation bei meinen eigenen Eltern auch langsam schlechter wurde, war das für mich eine Erleichterung, dass ich das schon von anderen Menschen kannte. Es hat mich nicht schockiert oder traurig gemacht, wenn sie weniger machen konnten. Das ist das Leben. Für meine Schwester, die immer dabei war, war das viel schlimmer. Ich hatte schon Erfahrung mit Rollstühlen, mit kranken und behinderten Leuten oder welchen mit Lähmung. Diese Erfahrung ist Gold wert.