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Eschweiler: 24 Stunden lang Tag für Tag in Lauerstellung

Eschweiler : 24 Stunden lang Tag für Tag in Lauerstellung

Klein-Jakob macht kein Geheimnis daraus, welchen Beruf er einmal ergreifen möchte. Mit Helm, Beil und Uniform sieht der dreijährige Indestädter aus wie die Miniaturausgabe eines echten Feuerwehrmannes.

In der Feuerwache am Florianweg leuchten seine Augen, wenn er den großen Drehleiterwagen entdeckt, das Innenleben eines Rettungswagens erkundet und eine Runde mit einem Löschfahrzeug auf dem Gelände dreht. Natürlich standesgemäß mit Blaulicht und Martinshorn.

Dass der junge Nachwuchs-Feuerwehrmann in den Genuss kam, hinter die Kulissen der Eschweiler Wache zu schauen, verdankt er unserer Zeitung und der Bereitschaft der Feuerwehr, bei unserer Aktion „Sieben Mal Sommerfrische” mitzumachen. Der Wachleiter und Stadtbrandinspektor Axel Johnen unterbrach sogar seinen Urlaub, um unsere Leser fast drei Stunden lang durch die Hallen zu führen.

„Ich könnte tagelang von unserer Arbeit berichten”, schmunzelt er. Johnen verkörpert eben den waschechten Feuerwehrmann, der als Kaufmann seine berufliche Laufbahn begann und schließlich zum Leiter der Hauptwache aufstieg. Für fast 60 Leute ist er jedoch nicht nur Chef, sondern auch erster Ansprechpartner. Denn in der Feuerwehr zählt vor allem der Mannschaftsgeist. Einsätze müssen geplant und vorbereitet werden, denn im Ernstfall muss jeder im Team wissen, was zu tun ist.

„Ein Klischee besagt: Feuerwehrleute sitzen den ganzen Tag rum, spielen Karten und trinken Kaffee. Das ist völliger Quatsch!” Wenn kein Einsatz läuft, sind die Männer, die zum Teil 24 Stunden am Stück in der Wache verbringen, mit Arbeiten beschäftigt.

Das Aufgabengebiet ist breit gefächert. In den Werkstätten werden Teile repariert oder sogar angefertigt. Wie die neuen Container, durch die die Stadt viel Geld sparen konnte. Mussten früher spezielle Fahrzeuge gekauft werden, deren Anschaffung über 100.000 Euro verschlingen, bietet ein Container-Fahrzeug die Möglichkeit, verschiedene Behälter aufzuladen.

Die Einsatzzentrale vor Ort befindet sich ebenso in einem solchen Container wie der Schlauchvorrat für größere Brände. Mussten früher Sandsäcke beim Hochwasser neu gefüllt werden, liegen sie nun bereits einsatzfähig auf einem Flach-Behälter. Dies spart Geld und lässt die Feuerwehr schneller und flexibler arbeiten. Die Ausstattung der Container bauten die Mitarbeiter der Feuerwache selbst ein.

Während Axel Johnen geduldig sämtliche Räume und Aufgaben in der Feuerwache erläutert, hat Klein-Jakob nur ein Auge für die leuchtend-roten Wagen. Und natürlich die Rettungsfahrzeuge, die die meisten Fahrten unternehmen müssen. 4556 Mal musste der Rettungsdienst im vergangenen Jahr ausrücken. Tendenz steigend. Die Zahl der 132 Brandeinsätze wirkt im Vergleich dazu verschwindend gering: „Die Feuerwehr trägt heute ihren Namen sicher zu unrecht - sie ist Hilfedienstleister”, betont Axel Johnen. 80 Prozent aller Einsätze machen schließlich Rettungsfahrten und Krankentransporte aus.

In Erster Hilfe ausgebildet

Also sind alle hauptamtlichen Feuerwehrleute in Erster Hilfe ausgebildet. Doch auch bei einem Feuer müssen die Männer - in der Eschweiler Wache arbeitet keine Frau - bereit sein. 30 Kilogramm wiegt die Apparatur, wenn ein Wehrmann unter Atemschutz in ein Haus tritt. In vielen Fällen trägt er zusätzlich noch einen Schutzanzug, der ihn ebenfalls behindert. Im Keller der Wache trainieren die Mitarbeiter regelmäßig dieses Szenario. In einem dunklen Raum muss ein Parcours durchlaufen werden, während zusätzlich Rauch die Sicht nimmt und die Temperaturen auf an die 100 Grad Celsius klettern.

„Dies ist noch relativ harmlos, schließlich sind bei Bränden Temperaturen von über 500 Grad Celsius keine Seltenheit”, erläutert Axel Johnen. Dennoch sollen die Feuerwehrleute in der Simulation bewusst unter Stress gesetzt werden, schließlich können Fehler in einem Einsatz Menschenleben kosten.

Von Todesfällen berichtet der Wachleiter auch. „Die Menschen sterben meist durch den giftigen Rauch, der bei einem Feuer entsteht”, appelliert er an die Besucher, sich Rauchmelder zuzulegen. Der Blick in das eigene Wohnzimmer genüge: Fernseher, Couch, Computer - viele Kunststoffe befinden sich darin, die beim Feuer ein tödliches Gasgemisch bilden. „Gut funktionierende Rauchmelder sind für wenige Euro zu kaufen und sollten in keinem Haushalt fehlen!” Wer nämlich denke, man werde rechtzeitig bei einem Feuer wach, der irre gewaltig.