200 Teilnehmer beim Stadtradeln

Eschweiler : 200 Teilnehmer radeln in Eschweiler für ein gutes Klima

Los geht’s! Seit Montag wird in Eschweiler für ein gutes Klima geradelt. Die Bürger der Stadt beteiligen sich an der Aktion Stadtradeln. 200 Teilnehmer haben sich bisher angemeldet. Sie werden in den drei kommenden Wochen möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurück legen.

Mit einer einstündigen Podiumsdiskussion auf der Stadtfest-Bühne wurde am Sonntag die Aktion eröffnet. Die wichtigste Erkenntnis dieser Diskussion und vieler Gespräche mit Eschweiler Bürgern am Stadtradel-Stand lautete: In Eschweiler kann noch viel mehr getan werden, damit Radfahren wirklich Spaß macht. Und die Stadtväter sind entschlossen, das auch zu tun.

Die „Wombis“ aus Eschweiler sind zehn muntere Damen, die sich an jedem Mittwoch zu Fahrrad-Touren treffen — seit 25 Jahren! Natürlich machen sie auch beim Stadtradeln mit. Hier sind vier von ihnen. Von links Malu Hermann, Marie-Louise Philippe, Christine Kreuzer und Ulla Larscheid (Foto oben). Angeregte Diskussion auf der Stadtfest-Bühne. Von links Bürgermeister Rudi Bertram, Oberarzt Norbert Schallenberg und Klima-Managerin Katharina Schulz. Eine der Gefahrenstellen für Radfahrer in Eschweiler. Auf der Röthgener Straße stadteinwärts endet der Radweg auf einer Rechtsabbiegerspur für den Autoverkehr. Foto: Ebbecke-Bückendorf

„Wir haben mitbekommen, dass Radfahren in Eschweiler keinen Spaß macht“, versicherte während der Podiumsdiskussion Dr. Katja Engelen vom Aachener Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Baier. Für diesen Satz erhielt sie Applaus aus dem Publikum. Ihr Planungsbüro arbeitet gemeinsam mit der Stadt Eschweiler an etwas, das Esklimo genannt wird — das ist die Abkürzung von „Eschweiler Klimaschutz-Teilkonzept“. Zu dieser Planung gehört auch ein besseres Radwegenetz.

Die „Wombis“ aus Eschweiler sind zehn muntere Damen, die sich an jedem Mittwoch zu Fahrrad-Touren treffen — seit 25 Jahren! Natürlich machen sie auch beim Stadtradeln mit. Hier sind vier von ihnen. Von links Malu Hermann, Marie-Louise Philippe, Christine Kreuzer und Ulla Larscheid (Foto oben). Angeregte Diskussion auf der Stadtfest-Bühne. Von links Bürgermeister Rudi Bertram, Oberarzt Norbert Schallenberg und Klima-Managerin Katharina Schulz. Eine der Gefahrenstellen für Radfahrer in Eschweiler. Auf der Röthgener Straße stadteinwärts endet der Radweg auf einer Rechtsabbiegerspur für den Autoverkehr. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Reichlich Vorschläge

Häufiges Ärgernis: Radwege werden mit Parkstreifen verwechselt. Hier auf der Talstraße. Foto: Ebbecke-Bückendorf

An einem Stand auf der Marienstraße sammelten die Planer der Stadtverwaltung und des Aachener Büros Anregungen aus der Bevölkerung für einen besseren Fahrradverkehr. Wo gibt es Probleme? Was soll verbessert werden? Da kamen reichlich Vorschläge. Fahrrad-Parkplätze waren einer der Wünsche. An der Post gibt es keine Stellplätze für Räder, am Krankenhaus findet man sie nicht, am Bahnhof werden Fahrräder oft gestohlen. Da gibt es viel Verbesserungsbedarf.

Kritisiert wurde auch, dass Bürger, die mit dem Fahrrad zum Einkaufen oder Bummeln in die Innenstadt wollen, dazu über dicht befahrene Straßen müssen, beispielsweise die Indestraße. Und wenn man dann in der Fußgängerzone ist, darf man dort nicht fahren. Man könne doch zumindest die Neustraße zum Radeln freigeben, wurde angeregt. Besonders für Kinder sei Radfahren in Eschweiler gefährlich, fanden Eltern. Dabei sei gerade die Jugend ein wichtiger Multiplikator für das Fahrradfahren.

Zustand der Wege

Die bestehenden Freizeit-Fahrradnetze kommen bei den radelnden Bürgern nicht gut weg. Zum Beispiel die Wasserburgenroute sei schlecht: „Das sind Feldwege, keine Radwege!“ Die Ausschilderung von Rad-Routen sei verbesserungswürdig. Und überhaupt der Zustand von Radwegen, sowohl in der Stadt als auch die Freizeit-Routen: Oft katastrophal. Manchmal zugewuchert, voller Schlaglöcher, Glasscherben und Baumwurzeln, oft dreckig, und im Winter vereist und nicht geräumt.

An vielen wichtigen Straßen in Eschweiler fehlen Radwege. Beispielsweise zwischen St. Jöris und Kinzweiler. Die Ortsdurchfahrt Dürwiß, also die Jülicher Straße, sei für Radler unzumutbar und lebensgefährlich. Auch der Bahnübergang an der Röher Straße sei problematisch. Auf der Indestraße ist der mit Strichlinien abgetrennte Schutzstreifen zu schmal, außerdem werden Radfahrer so gezwungen, über die Gullydeckel zu rumpeln.

Bei Planungen sollte immer frühzeitig an Radfahrer gedacht werden, regten Bürger an. Ein Beispiel macht das deutlich: Der Eschweiler Hauptbahnhof soll demnächst Aufzüge erhalten, damit unter anderem auch Rollstuhlfahrer die Züge Richtung Köln erreichen. Diese Aufzüge sollte man von vornherein so planen, dass auch Fahrräder hineinpassen, und zwar zwei Stück gleichzeitig. Negative Beispiele seien da die Nachbarstädte Düren und Aachen. Da passen Räder nur mit Mühe quer in die Aufzüge.

Durcheinander schreckt ab

Viele dieser Klagen und Anregungen sind den Planern aus Rathaus und BSV-Planungsbüro bewusst. Sie sind alle Eschweiler Radwege abgeradelt, wurde am Sonntag bei der Podiumsdiskussion versichert. Ihr Ziel ist es, ein durchgehendes und sicheres städtisches Netz von Radwegen zu planen. Dabei ist es besonders wichtig, dass Radwege einheitlich als solche zu erkennen sind. Denn das Durcheinander unterschiedlicher Konzepte schreckt Bürger ab. Da gibt es Radwege auf den Fahrbahnen, Radwege auf Bürgersteigen, manche Bürgersteige sind zum Mitbenutzen für Radler erlaubt, es gibt die mit gestrichelten Linien abgetrennten sogenannten Schutzstreifen, die kaum Schutz bieten, und als Radrouten ausgewiesene Feldwege. Da ist eine einheitliche Gestaltung notwendig.

Bei der Podiumsdiskussion auf der Bühne an der Uferstraße ging es um viele Themen rund um das Fahrrad, nicht nur um Radwege und Verkehrssicherheit. Ralf Walraff vom Stadtmarketing befragte die Fahrradhändler Zaffer Sahan und Thomas Henrotte nach vielen Details zum sicheren und angenehmen Radeln, nach den passenden Fahrrädern für die Nutzung in Beruf, Freizeit und Sport, nach der Haltbarkeit von Akkus an E-Bikes („zehn Jahre sollten sie schaffen“), nach den besten Rädern für Kinder („bitte keinen billigen Schund kaufen“) und nach den besten Fahrradschlössern. „Absolute Sicherheit gibt es nicht“, versicherte da Zaffer Sahan, denn „einer Akku-Flex hält kein Schloss stand“. Aber die modernen Schlösser, fügte Thomas Henrotte hinzu, seien immerhin ein weit besserer Schutz als die dünnen Kettchen vergangener Zeiten, jene mit den drei Zahlenringen: „Die konnte meine Oma mit ihren dritten Zähnen durchbeißen“.

Über die gesundheitlichen Aspekte des Radfahrens gab Oberarzt Norbert Schallenberg Auskunft, der selber begeisterter Radler ist. Er beantwortete auch Fragen, wie man kribbelnde Hände am Lenker verhindert („nicht mit hochgezogenen Schultern fahren“) und wie man auf dem Rennrad Rückenschmerzen vermeiden kann.