Roetgen: Zur Aldi-Kontroverse noch die Bushof-Debatte

Roetgen: Zur Aldi-Kontroverse noch die Bushof-Debatte

„Aldi” ist ein Reizwort, das in Roetgen die Gemüter erhitzt, auch wenn das Thema „eigentlich” gar nicht auf der Tagesordnung steht - wie jetzt im Bauausschuss der Gemeinde.

„Eigentlich” ging es um einen Antrag der Fraktion der Grünen, einen geeigneten Standort für einen Bus-Umsteigeplatz zu suchen, weil seit dem verstärkten Einsatz von Gelenkbussen der bisherige Knotenpunkt „Post” den Anforderungen nicht mehr genügt, wie Claudia Ellenbeck für den Antragsteller erläuterte.

Als geeigneten Standort dafür hatten die Grünen just das Grundstück an der unteren Bundesstraße ausgeguckt, für das der Bauausschuss am 20. April die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Ansiedlung eines Aldi-Marktes beschlossen hat.

Sowohl die Verwaltung als auch die „Aldi-Fraktionen”, so Claudia Ellenbeck in Richtung von SPD und UWG, hätten bei diesem Beschluss das öffentliche Interesse an einer Verbesserung des ÖPNV als auch den Schutz der Anlieger nicht berücksichtigt. Ihre umfangreiche Stellungnahme zu diesem Aspekt unterbrach Ausschussvorsitzender Karsten Knoth (SPD) immer wieder mit dem Hinweis auf die Tagesordnung, bis er schließlich, sichtlich genervt, der Grünen das Wort entzog, was diese natürlich „unverschämt” fand.

Zeuge dieser hitzigen Auseinandersetzung wurde neben einigen betroffenen Anliegern unter den Zuhörern auch der von der Verwaltung hinzugezogene RVE-Fachmann Karl-Heinz Huppertz. Er erläuterte, dass Gespräche mit Bürgermeister und Verwaltung über einen zentralen Verknüpfungspunkt in Roetgen bereits seit 2008 geführt würden.

Erste Wahl für den RVE wäre das Bahnhofsgelände, das aber in belgischem Besitz ist. Es müssten fünf Linien, die im Stundentakt verkehren, während der Hauptverkehrszeiten sogar im Halbstundentakt, aufeinander abgestimmt werden. Man brauche dazu einen Platz, an dem drei Gelenkbusse hintereinander anfahren könnten.

Möglicherweise ein EU-Projekt

Zu den Kosten erklärte Huppertz, dass diese zu 85 Prozent gefördert würden, der Rest komme auf die Gemeinde zu. Liege der Platz abseits der Straße, müsse auch die entsprechende Infrastruktur für An- und Abfahrt geschaffen werden. Zum Standort Bahnhof erklärte Bürgermeister Manfred Eis, dass es „vorsichtig angedacht” sei, daraus unter Einbeziehung der Buslinie Raeren-Petergensfeld eine grenzüberschreitende Maßnahme zu machen, was EU-Fördertöpfe erschließen würde.

Sowohl Michael Seidel (CDU) als auch Klaus Onasch (SPD) verstehen den Wunsch der Grünen nach einer „vernünftigen Lösung”, ziehen aber unterschiedliche Konsequenzen. Während die Union dafür plädiert, einen Bebauungsplan für die Aldi-Ansiedlung zurückzustellen, weil man sonst eine Alternative weniger für einen Bushof habe, setzt die SPD ihre Priorität ganz klar auf den Discounter.

Bürgermeister Manfred Eis wunderte sich, dass die Grünen den Anliegerschutz durch die An- und Abfahrt von täglich 130 Lärm und Abgas produzierenden Bussen - diese Zahl wurde von Huppertz genannt - nicht gefährdet sehen. Auf den Hinweis, dass das Grundstück ohnehin in Privatbesitz und für die Gemeinde nicht ohne weiteres verfügbar sei, fiel von grüner Seite das Stichwort Enteignung.

Dem eher vagen Beschlussvorschlag der Verwaltung, in Abstimmung mit dem RVE nach einem geeigneten Standort für einen Bushof zu suchen, stimmten die Bauausschussmitglieder gegen die zwei Stimmen der Grünen zu. Deren Gegenantrag, dafür das Grundstück Bundesstraße zu prüfen und den Aldi-Beschluss solange zurückzustellen, wurde dementsprechend abgelehnt. Neben den grünen Ja-Stimmen gab es hier auch zwei Enthaltungen.

Einen offiziellen Namen hat das Kind im Übrigen nicht, wie Huppertz auf Nachfrage erklärte: Aber ob Bushof, Verknüpfungspunkt, Bus-Rendezvous-Platz oder wie auch immer, das Thema wird wohl für weiteren Zündstoff in der ohnehin an Konflikten nicht armen politischen Szene in Roetgen sorgen.