Imgenbroich: Zeugnisse gab es damals für die Schüler aus Imgenbroich noch nicht

Imgenbroich: Zeugnisse gab es damals für die Schüler aus Imgenbroich noch nicht

Ein zehntes Klassentreffen ist schon etwas Besonderes. Insbesondere weil Schule im Jahre 1947 sich komplett von heute unterschied. Es war ein Unterricht, den sich heutige Schüler nur schwer vorstellen konnten.

Der Zweite Weltkrieg war gerade einmal seit zwei Jahren vorbei und die Bundesrepublik noch nicht gegründet. Und so fand die Einschulung auch in der notdürftig von Kriegsschäden reparierten alten Schule am heutigen Standort der Tankstelle Mingers in Imgenbroich statt.

Zeugnisse erhielten Manfred Schreiber und seine Klassenkameraden damals nicht, ein Umstand, der manchem Schüler heutzutage sicherlich gefallen würde. Dies lag jedoch weniger daran, dass die Lehrer nicht willens waren diese auszustellen.

Aufgrund des herrschenden Papiermangels und des Verbots die alten Vordrucke nicht verwenden zu dürfen, war es schlicht unmöglich die Schüler und ihre Leistungen zu bewerten.

Außerdem herrschte in der damaligen Zeit notorischer Platzmangel, so dass nicht jeder Schüler eine Sitzgelegenheit hatte. Manche standen während des Unterrichtes mit dem Rücken an der Wand, andere saßen auf dem Schoß der älteren Mädchen. Bei Regen mussten die Tische in der Winterschule, in der auch unterrichtet wurde, teilweise verschoben werden. Ein dritter Unterrichtsort war die Sakristei der zerstörten Kirche.

Die erste Klassenfahrt in die Jugendherberge Hellenthal organisierte Lehrer Kunz, was auf heftigen Widerstand der Eltern stieß, weshalb einige Schüler schlichtweg nicht teilnehmen durften. Erst 1952 folgte der Wechsel in die neue Schule die neben drei schönen Klassenräumen für Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe noch mit sechs Duschen und zwei Wannen in den Kellerräumen, welche auch durch die Dorfbevölkerung genutzt werden durften, eingerichtet wurde.

Badezimmer waren in der damaligen Zeit nicht in jedem Haushalt vorhanden und purer Luxus und so musste den Schülern auch erklärt werden, wie man sich richtig duscht — eine Sache, die für heutige Schüler selbstverständlich ist.

Turnen und Schwimmen, zwei Fächer, die wegen Lehrermangel heutzutage, sehr zum Leidwesen vieler Eltern nicht regelmäßig stattfinden, öfters ausfallen, wurden damals ebenfalls gegen den Widerstand der Eltern eingeführt.

Und auch auf das Gymnasium wechselten damals nur zwei Schüler. Etwas, was für Schüler mit guten Leistungen heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist, konnten sich damals nur besser situierte Haushalte leisten, da das Gymnasium damals noch Schulgeld verlangte. In Verbindung mit den Lehrmaterialien und besserer Kleidung war das für viele gute Schüler ein unerfüllbarer Traum.

Aus diesem Grund sind die Klassentreffen, die seit 1980 stattfinden auch immer etwas ganz Besonderes. So steht bei jedem dieser Treffen neben dem schwelgen in schönen Erinnerungen, trotz aller Schwierigkeiten der damaligen Zeit, immer ein buntes und abwechslungsreiches Programm an. Wanderungen, Ausflüge und Besichtigungen.

Die weiteste Reise hatte Hedwig Maaßen, die zum zweiten Treffen im Jahr 1985 mit ihrem Mann Georg aus den USA anreiste.

Eine Besonderheit sind aber mittlerweile fünf Fotoalben, in denen die Erinnerungstücke, besondere Leistungen, alte Fotos und Geschichtliches, wie eine Urkunde über Imgenbroich aus dem 15. Jahrhundert (aufgrund des Wertes nur noch in Kopie) durch die Ehemaligen eingepflegt werden.

Es sind Erinnerungsstücke Imgenbroicher Bürger, auf die sich, wenn die Klassentreffen nicht mehr stattfinden, der Geschichtsverein des Ortes besonders freuen darf. Fürs Erste aber hat die Klassengemeinschaft ihr nächstes Treffen, das elfte, fest im Blick.

(peo)